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Alte Kunst bei Lempertz : Das Ende der Pest in Venedig

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Palma Vecchio, „Liegende Venus in Landschaft“, Öl auf Leinwand, 112 mal 165 Zentimeter, Schätzpreis 600.000/800.000 Euro. Bild: Lempertz

Die liegende Venus von Palma Veccio hing einst in der Villa Getty bei Malibu. Jetzt steht sie an der Spitze des Angebots mit Alter Kunst, das von Lempertz in Köln versteigert wird.

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          Das Hauptaugenmerk bei der Lempertz-Auktion mit Alter Kunst, die am 5. Juni in Köln stattfindet, liegt sicher auf der „Liegenden Venus in einer Landschaft“: Jacopo Negretti, genannt Palma Vecchio, widmete der schönen Göttin eine 112 mal 165 Zentimeter große Leinwand. Ihr nackter, lediglich mit einem zarten durchsichtigen Tuch umhüllter Körper füllt diese fast vollständig aus. Das großformatige Werk in der Tradition Giorgiones und Tizians besticht zudem durch eine exzellente Provenienz, die sich bis zum Nachlassinventar von Palma Vecchio aus dem Jahr 1529 zurückverfolgen lässt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich das Bild in mehreren bedeutenden Sammlungen, darunter im Besitz von Jean Paul Getty; später hing es im von ihm gegründeten Museum, der Villa Getty bei Malibu: Mit einer Erwartung von 600.000 bis 800.000 Euro ist das Gemälde im Originalrahmen höchstdotiertes Los unter 184 Angeboten der Altmeister-Offerte.

          Auch die 165 Zentimeter hohe, goldene Holztafel aus der Hand von Giovanni da Bologna, die die Kreuzigung mit Maria, Johannes und trauernden Engeln darstellt, befand sich einst in beachtlichen Privatsammlungen. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des Trecento und soll 370.000 bis 450.000 Euro einspielen. Vom Meister der Stockholmer Pietà kommt eine 150 mal 109 Zentimeter große Szene zum Aufruf mit der mystischen Vermählung der heiligen Katharina mit dem Johannesknaben und Engeln, die auf 240.000 bis 260.000 Euro taxiert ist; 2014 ging das Ölgemälde für 305.000 Dollar bei Sotheby’s in New York an den heutigen Besitzer. Ein Kölner Meister malte um 1450 die Tafel mit der „Anbetung der Könige“ auf repräsentativem Goldgrund – vermutlich als Teil eines Triptychons –, die in enger Verwandtschaft zum Werk von Stefan Lochner und dem Meister des Heisterbacher Altars steht (Taxe 80.000/100.000 Euro). Etwa zur selben Zeit entstand auch das Triptychon eines Umbrischen Meisters, das die Muttergottes mit Kind in der Mitte zeigt. Es soll nach Auskunft der Vorbesitzer Mitte des 19. Jahrhunderts dem französischen Kaiser Napoleon III. gehört haben, der es vermutlich vom römischen Sammler Giampietro Campana erwarb (80.000/100.000). Gut zweihundert Jahre danach, um 1620, schufen Vater Jan Brueghel d. Ä. und Sohn Jan Brueghel d. J. ein wunderschönes Blumenstillleben als Gemeinschaftswerk (180.000/220.000). Wohl etwas später, als der Sohn die Werkstatt des Vaters übernommen hatte, entstand der marktfrische Rosen- und Tulpenstrauß in einer chinesischen Porzellanvase von Jan Brueghel d. J. (70.000/90.000).

          Goldene Holztafel von Giovanni da Bologna, Tempera und Gold auf Holz, 165,4 mal 77,2 Zentimeter, Schätzpreis 370.000/450.000 Euro.
          Goldene Holztafel von Giovanni da Bologna, Tempera und Gold auf Holz, 165,4 mal 77,2 Zentimeter, Schätzpreis 370.000/450.000 Euro. : Bild: Lempertz

          Unter den 52 Losen mit Kunst des 19. Jahrhunderts überzeugen besonders drei Werke von Giovanni Grubacs angesichts ihrer Aktualität: Seit 1577 feiern die Venezianer alljährlich am 7. Juli mit der „Festa del Redentore“ die Überwindung einer der größten Pest-Epedemien im Europa des 16. Jahrhunderts. Die Republik Venedig war damals Vorreiterin in der Bekämpfung der dreijährigen Seuche; dort wurde die Isolation von Erkrankten und die Quarantäne eingeführt. Grubacs hält auf drei Veduten diese Feierlichkeiten fest: Das 74 mal 105 Zentimeter messende „Redentore-Fest an der Rialtobrücke“ soll 70.000 bis 90.000 Euro einspielen; das kleinere Gemäldepaar mit Pontonbrücke und Rialtobrücke 40.000 bis 60.000 Euro. Auch Fedot Vasilievich Sychkov lässt seine Landsleute ausgelassen feiern: Bei dem Gemälde „Feiertag“ von 1930 handelt es sich um die verkleinerte Version seines Bilds aus dem Jahr 1928, das sich im Kunstmuseum in Uljanowsk befindet (70.000/80.000).

          In einer eigenen Sektion mit separatem Katalog auktioniert Lempertz ebenfalls am 5. Juni 76 Skulpturen. Höhepunkt ist ein um 1495 in der Werkstatt von Giovanni Angelo del Maino geschaffener, 145 Zentimeter hoher „Corpus Christi“ aus Holz (30.000/40.000). Ein wohl aus dem letzten Viertel des Cinquecento stammender, 94 Zentimeter großer „Herkules“ aus Terracotta ist Tommaso della Porta d. J. zugeschrieben (25.000/30.000). Die Erwartungen für beide Auktionen zusammen liegen bei 4,7 Millionen Euro.

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