https://www.faz.net/-gqz-a1rnx

Versteigerung in England : Wie man Vampire tötet

Versteigerung einer Vampirbox. Bild: Hansons Auctioneers

Ein hölzerner Pflock hätte nicht hineingepasst, aber sonst ist das Set komplett: In England wurde eine Kiste mit der Ausrüstung zur endgültigen Erledigung von Untoten angeboten.

          1 Min.

          Das Grundwissen über Vampire und die Grundregeln im Umgang mit ihnen gehören zur gepflegten Allgemeinbildung im Abendland. Vampire haben, das ist sehr bekannt, eine ausgeprägte Alliumphobie, vulgo Abneigung gegen Knoblauch, außerdem gegen Kreuze und Sonnenlicht. Sie sind in Spiegeln unsichtbar, und sie haben ständig Durst auf Blut, weshalb sie mit ihren scharfen Eckzähnen zubeißen, gern Frauen in den schlanken Hals. Sie sind nachtaktiv und legen sich im Morgengrauen – untot, wie sie sind – in ihre Särge zum Schlafen. Die gepflegteste Erscheinung von ihnen ist Dracula, adlig und eminent literatur- und filmtauglich.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Tatsächlich gibt es aber wirkungsvolle Gegenwehr – in Form eines Vampire-Slaying-Kit, zu Deutsch Vampir-Tötungsset. So eines ist jetzt in England – wo denn auch sonst? – versteigert worden. Der hübsche Holzkasten mit Messingbeschlägen außen und einem Emailbild mit der Auferstehung Christi im Deckel innen ist mit blutroter Seide ausgeschlagen. Er enthält alle nötigen Werkzeuge dafür, einen Vampir auszuschalten: eine niedliche Pistole, drei Kruzifixe, einen aus Elfenbein geschnitzten Wolf, der Rosenkranzperlen trägt; eine Bibel und Zahnzangen, ein Messer mit einer silbernen Klinge, dazu diverse Phiolen und ein kobaltblaues Glasgefäß unbekannten Inhalts. Nun gut, ein hölzerner Pflock zum Pfählen mitten ins Herz hätte nicht hineingepasst.

          Eine Box mit allen Dingen, die für eine Vampirjagd benötigt werden.
          Eine Box mit allen Dingen, die für eine Vampirjagd benötigt werden. : Bild: Hansons Auctioneers

          In einer Online-Auktion von Hansons Auctioneers im englischen Derbyshire war die Kiste auf zweitausend bis dreitausend Pfund geschätzt. Den Zuschlag erhielt ein ungenannter Käufer bei 2500 Pfund, knapp 2750 Euro. Auch der Einlieferer wollte anonym bleiben, er hatte die Kiste auf einer Antiquitätenmesse gekauft, eher zum allgemeinen Amüsement; ihre Herkunft und Geschichte sind unbekannt. Die Ausrüstung ist alt, aber wohl auch wieder nicht ganz waschecht für die Vampirjagd gemacht: Die Truhe datiert vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, ist wie das Messer also Edwardian; die Bibel wurde 1842 gedruckt.

          Zum ersten Mal soll Bram Stoker im Jahr 1897 eben in seinem Roman „Dracula“ ein Vampir-Tötungsset ausführlich beschrieben haben. Es kam beim untot umtriebigen Grafen selbst aber nicht wirksam zur Anwendung. Da musste schon einiges mehr geschehen, bis der berühmteste Zombie der Welt kurz vor Sonnenuntergang in seinem offenen Sarg nachhaltig zu Staub zerfiel. 

          Weitere Themen

          Achtung, aggressive Gespenster!

          Tanztheater in München : Achtung, aggressive Gespenster!

          Mit Kämpferfaust: Das Tanzdrama „Yester: Now“ von Moritz Ostrjuschnak wird im Münchner Gasteig uraufgeführt. Der Choreograph bezieht darin eine kritische Position zu vermeintlichen Wahrheiten in Massenmedien und dem Internet.

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Der intellektuelle Freischärler

          Jean Genet : Der intellektuelle Freischärler

          Die Sprache von innen angreifen: Der Band mit den politischen Essays Jean Genets in der deutschen Werkausgabe offenbart wildes Denken.

          Topmeldungen

          Ein Bild, das um die Welt ging: Wassermassen bahnen sich am 16. Juli ihren Weg durch den Erftstädter Stadtteil Blessem.

          Flutopfer in Erftstadt : Bangen an der Abbruchkante

          In Blessem sind die Bewohner nach der Flutkatastrophe noch immer mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Viele stehen vor dem Nichts und fürchten: Was ist, wenn man uns Flutopfer vergisst?
          Detail aus dem im Entstehen begriffenen Reformationsfenster des Künstlers Markus Lüpertz für die Marktkirche in Hannover.

          Luthers Gewissen : „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ – Wirklich?

          Für seine Weigerung, sich von seinem Wissen zu distanzieren, wurde Luther verehrt. In Deutschland entstand daraus aber keine Tradition des Widerstands gegen die Mächtigen. Für manche verlief die deutsche Geschichte sogar „from Luther to Hitler“. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.