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Katalog der Antiquare : Bücher für alle!

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Zum neunten Mal erscheint der Gemeinschaftskatalog der Antiquare. Er öffnet auf 160 Seiten eine wahre Schatzkiste für Bibliophile – und für alle, die noch an das gedruckte Wort und Bild glauben. Hier eine kleine Auswahl aus dem Angebot.

          „Bücher sind das papierne Gedächtnis der Menschheit“, das wusste Arthur Schopenhauer. Im digitalen Zeitalter wird es von Tag zu Tag wichtiger, sie zu bewahren, zu pflegen und sie zugänglich zu machen. Dazu leisten die Antiquariate einen erheblichen Beitrag. Eine besondere Lektüre ist entsprechend der illustrierte Gemeinschaftskatalog der Antiquare, den die „Genossenschaft der Internet-Antiquare“ (GIAQ) nun zum neunten Mal herausgegeben hat. 57 Antiquare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren auf 160 dichtbedruckten Seiten mehr als achthundert Bücher, Autographen und Graphiken, Handschriften und Plakate aus nahezu allen Epochen der Buch- und Druckgeschichte.

          Moderate Preise beginnen bei rund fünfzig Euro; die meisten Angebote bewegen sich im drei- bis vierstelligen Bereich. Das teuerste Angebot stellen die gesammelten Bücher und Schriften Martin Luthers, die zwischen 1555 und 1562 herausgegeben wurden, mit zahlreichen Holzschnitten von Luther, seinem Mitstreiter Philipp Melanchthon sowie Fürsten und Herzogen versehen und für 16.300 Euro beim Antiquariat Peter Petrej in Zürich zu haben sind. Bewundernswert ist beim Antiquariat Arno Adler aus Lübeck ein japanisches Lackalbum, ein Fotoalbum im Lackeinband, mit 26 handkolorierten Fotografien, die japanische Landschaften, Gebäude, Gärten und Straßen zum Motiv haben (3800 Euro).

          Einige Antiquare haben ihre Angebote unter ein bestimmtes Thema gestellt: Historisch bedeutsame Ereignisse stellt zum Beispiel Sibylle Böhme aus Berlin in den Fokus; sie bietet Bücher und Zeitschriften zur Novemberrevolution von 1918 und zur Studentenbewegung von 1968 – mit ihren jeweiligen Folgen – an, darunter verschiedene Ausgaben von Zeitungen und politischen Zeitschriften, Flugblättern und Plakate (Preise von 25 bis 2500Euro). Eine Protestbewegung hält auch die Fotografiestudie „We protest: A Photographic Study of The Bay Area Protest Movement“ von William Irwin fest, die 1969 die Studentenrevolte in den kalifornischen Städten San Francisco und Berkeley dokumentiert (450 Euro).

          Liebhaber der Geschichtswissenschaft werden auch beim Heidelberger Antiquariat Thomas Hatry fündig, das etwa die „Römische Historie“ von Titus Livius, versehen mit Textholzschnitten, in einer Ausgabe von 1514 im Angebot hat (4400 Euro). Eine „Beschreibung des gantzen Welt-Kreisses“ vom französischen Kartographen Allain Manesson Mallet aus den Jahren 1684/85 eröffnet eine Vermessung der Welt aus dem 17.Jahrhundert, die mit Karten, Kupferstichen und Porträts gespickt ist (2400 Euro).

          Sartre, Kafka, Defoe und ein Alchemist

          Eine seltene Textgattung hat Sebastian Eichenberg vom Antiquariat Hamecher in Kassel gewählt: Er konzentriert sich auf historische Briefsteller, Bücher mit Anleitungen zum korrekten Verfassen von Briefen, die besonders im 17. und im 18.Jahrhundert an Bedeutung gewannen. Dort firmieren neben anderen „Der auf neue Manier abgefaßte... Brief-Steller“ mit Schreibanweisungen zu sämtlichen Anlässen wie Geburtstagen, Namenstagen und Jahrestagen von Franz Henning Salander aus dem Jahr 1734 (300 Euro) oder der „Neueste mercantilische Briefsteller zur Unterhaltung für geübte Männer und Belehrung für wißbegierige Jünglinge“, den der Kaufmann Johann Christian Sinapius 1799 verfasste (750 Euro).

          Viele Antiquariate haben eine große Auswahl an Autographen und Büchern im Angebot, darunter auch einige signierte Erstausgaben. So hält das Antiquariat Rüger aus Frankfurt ein handschriftlich signiertes Exemplar der deutschen Übersetzung von fünf spannenden Erzählungen Jean Paul Sartres vor, die unter dem Titel „Die Mauer“ herausgegeben wurden (1000 Euro). Das Antiquariat Peter Ibbetson aus Engelskirchen bietet die gesammelten Werke Goethes in 49 Bänden an (3500 Euro) und eine – ungelesene – Erstausgabe von Franz Kafkas Erstlingsroman „Amerika“ von 1927, deren roten Einband, passend zum Titel, eine amerikanische Flagge ziert (4000 Euro).

          Das Antiquariat Patzer&Trenkle aus Konstanz bietet unter anderen eine frühe Ausgabe von Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ mit einer Weltkarte an (750 Euro). Außerdem gibt es die „Chymischen Schriften“, Aufzeichnungen eines alchemistischen Schriftstellers namens Valentinus Baselius, dessen Identität historisch bislang nicht gesichert ist: Die gesammelten Werke des Autors sind mit Holzschnitten versehen, so etwa die Schrift „Von dem großen Stein der Uhralten Weisen“ (2400 Euro). Weniger bekannte Werke eigentlich berühmter Schriftsteller versammelt das Antiquariat Heuberger aus Köln, wie zum Beispiel sechs Aufsätze von Hermann Hesse unter dem Titel „Kleine Betrachtungen“ (900 Euro), Alfred Döblins Erzählband „Die Lobensteiner reisen nach Böhmen“ (400 Euro) und einen Einakter von Hugo von Hoffmannsthal, „Der weiße Fächer. Ein Zwischenspiel“ (250 Euro).

          Kulinarische Reisen und bibliophile Kostbarkeiten

          Wer viel Wert auf Ästhetik legt, wird beim Antiquariat Karajahn aus Berlin fündig, das zwei Sammlungen mit ausgefallenen Menü- und Programmkarten präsentiert: Die erste Kollektion umfasst dreizehn deutsche Karten aus der Zeit um 1868 bis 1914 (480 Euro), die zweite 32 Karten und Flaschenetiketten aus Deutschland, Frankreich und Ungarn von 1890 bis 1940 (380 Euro). Sie laden ihre Betrachter geradezu ein, sich in die jeweilige Zeit hineinzuversetzen. Ebenso hübsch ist der illustrierte Reiseführer des „Reise-Vereins zur Verschönerung von Memel und Umgegend“ aus dem Jahr 1898, der beim Antiquariat Joachim Wilder in Hannover zu haben ist (280 Euro). Und eine kulinarische Reíse in die sechziger Jahre ist das „Kochbuch für Feiertage“ (240 Euro),

          Mit einem vielseitigen Angebot ist das Antiquariat Tautenhahn aus Lübeck vertreten, das eine Ausgabe mit 33 in Leder eingebundenen Bänden des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm bereithält (1800 Euro). Eine bibliophile Kostbarkeit ist das kolorierte Werk „A History of British Birds“, das der irische Naturforscher Francis Orpen Morris 1863/64 verfasste und das später in goldgeprägter Leinenbindung herausgebracht wurde (300 Euro). Das Stader Kunst-Buch-Kabinett vereint Varia zur Kunst des 20.Jahrhunderts, darunter das Heft „The Blue Four: Feininger Jawlensky Kandinsky Paul Klee“, das Schwarzweißabbildungen und Fotografien der vier Künstler vereint und 1930 in Hollywood von der Braxton Gallery herausgegeben wurde (3000 Euro). Zu haben ist dort auch das „Dictionnaire abrégé du surréalisme“ aus dem Jahr 1938 von André Breton und Paul Éluard (400 Euro).

          So vereint der Gemeinschaftskatalog im breitgefächerten Spektrum bekannte Größen mit seltenen Schriften und Werken, unter denen jeder Leser, Liebhaber und Bibliophile einen Schatz für sich entdecken kann.

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