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Frieze New York : Es gibt nicht nur den einen Blick

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Die 7. Ausgabe der Frieze Art Fair in New York erhält durch die starke Präsenz von Künstlerinnen ein politisches Profil – und hält den Besucher dazu an, seine eigene Perspektive zu ändern.

          In einem waren sich alle einig bei der Eröffnung der diesjährigen Frieze: Es ist sehr heiß. Denn die Londoner Zeitgenossen-Messe, deren amerikanischer Ableger ins siebte Jahr geht, hat sich ein neues Dach verpasst. Statt in dem langen schmalen Schlauch, der sich bisher durch den Park auf Randall’s Island schlängelte, atmet man nun freier auf in fünf weitläufigen Zelten, die die Messe in verschiedene Sektionen unterteilen. Nur klimatisch muss sich die neue Architektur bei gut dreißig Grad Außentemperatur noch bewähren. Dafür sorgt eine zweite Neuerung für frischen Wind: Die neben der Ostküste auf der Frieze stark vertretene Galerieszene der Westküste darf sich auf eine eigene Schau freuen. die in Los Angeles in den Paramount-Filmstudios vom 14. bis zum 17.Februar 2019 stattfinden wird. Für die erste Ausgabe der „Frieze Los Angeles“ werden Bettina Korek und Victoria Siddall zuständig sein.

          Der Trend nach Los Angeles zeichnet sich schon länger ab. Die Kunstszene blüht, viel mäzenatisches Geld fließt in die Museen, und international agierende Galerien wie SprüthMagers eröffneten ihre Dependancen dort. Das macht sich auch auf der New Yorker Frieze bemerkbar: Von den rund 190 Galerien aus mehr als dreißig Ländern kommen diesmal mehr als zwanzig aus der kalifornischen Kunstkapitale.

          Eine davon ist die David Kordansky Gallery, die den Norweger Torbjørn Rødland mitbringt – und damit einen Hit gelandet hat: Für je 14.000 Dollar waren acht verschiedene Farbdrucke Rødlands zu haben, die den Stand zum Magneten gleich bei der Preview machten. Der Star seiner Fotografien ist die mit gespreizten Fingern lasziv einen Wasserhahn umfassende Frauenhand: Mit der Konditionierung des Blicks, der bei Rødland aus der sexualisierten Bildsprache der Werbung kommt, trifft er einen Nerv der aktuellen Frieze-Ausgabe.

          London stellt einen Löwenanteil der Messe

          Obligatorisch stark sind auch die großen New Yorker Galerien vertreten. Bei Richard Gray wartet Theaster Gates mit einer Installation auf. Er hat eine Vitrine aus ehemaligem Museumsbestand mit einem Ensemble exotischer Gegenstände bestückt – und jubelt so dem anscheinend historisch trainierten Blick eine andere Sicht auf die Dinge unter (450.000 Dollar). Bei Jack Shainman ist Hank Willis Thomas mit dem überlebensgroßen Torso einer metallenen Oscar-Statuette vertreten, die, mit zwei Basketbällen an den ausgestreckten Händen, die ikonische Darstellung des schwarzen Körpers untersucht, jenseits von Hautfarbe.

          Auch London, die Heimatstadt der Frieze, stellt mit ihren Galerien, wie jedesmal, einen Löwenanteil der Messe: Stephen Friedman hat mit zwei Werken von Kehinde Wiley, der die Obamas porträtiert hat (je um 100.000/150.000 Dollar, beide verkauft) einen echten Blickfang an seinem Stand. Gegenüber von Friedman bei Fredericks& Freiser inszeniert Jocelyn Hobbie mit zwei ihrer sehr feinen, kühlen Ölbildnisse fiktiver Frauen (je 9500 Dollar) zugleich die Brechung des spezifisch weißen Blicks und des klassisch männlichen Blicks.

          Es geht sichtbar queer zu

          Neben dem zentralen Bereich mit diesen Teilnehmern ist ein Herzstück der Messe die überaus dynamische Sektion „Frame“, die von neunzehn jungen Galerien aus aller Welt mit Solo-Schauen bespielt wird. Mit knapp 8000 Dollar pro Koje gelten dort sehr entgegenkommende Standmieten, die für Nachwuchsgalerien erschwinglich sind. Zu ihnen zählen wiederum zwei heiße Tipps aus Los Angeles: Château Shatto debütiert mit den gestochen scharfen Ölstudien nach Fotovorlage des in New York lebenden Künstlers Van Hanos (15.000 Dollar). Die Galerie Anat Ebgi ist mit Jordan Nassar gekommen, dessen Stickarbeiten sich traditionelle Techniken aus dem Westjordanland zu Eigen machen (6000 bis 10.000 Dollar). Cooper Cole aus Toronto, ebenfalls zum ersten Mal auf der Frieze, verkauften gleich am ersten Tag sämtliche der insektenartigen, doch humanoiden Gliederpuppen der aus Jamaika stammenden Künstlerin Tau Lewis (8000 bis 12.000 Dollar).

          Aus zwei Themen kristallisiert sich schließlich ein politisches Profil: Die Auswahl der Galerien und ihrer Programme setzt stärker auf die Präsenz von Frauen, und es geht spürbar bunter und sichtbar queer zu. Damit fügt sich auch die Messe in den Trend ein, den in der New Yorker Szene zuletzt das New Museum mit seiner Schau zu Gender und Queerness gesetzt hatte.

          Auffällig ist auch das anhaltende Interesse für David Hockney. Nicht erst seit der gefeierten Retrospektive im Metropolitan Museum steht der achtzigjährige Künstler bei Sammlern hoch im Kurs; auf der Frieze ist er mit zwei Solo-Präsentationen vertreten. Während die Pace Gallery aus New York neuere, auf dem Ipad gemalte Arbeiten zeigt (je 26.000 Dollar), die innerhalb der ersten drei Stunden ausverkauft waren, gibt es bei Offer Waterman aus London Zeichnungen Hockneys aus den späten sechziger Jahren; der höchste Preis dafür liegt bei 815.000 Dollar. Nicht ganz daran reichen die Summen, die Thaddaeus Ropac für den Verkauf zweier Baselitz-Gemälden meldet (500.000 bis 700.000 Dollar), und für ein Werk Robert Rauschenbergs (725.000 Dollar).

          Randall’s Island Park. Noch bis zum Sonntag, dem 6.Mai; geöffnet von 11 bis 19 Uhr.

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