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Art Basel : It’s all about the Art

In Basel findet zum 49. Mal die Messe für moderne und zeitgenössische Kunst statt. Einmal mehr behauptet diese Schau ihre Spitzenposition unanfechtbar.

          4 Min.

          Dass die Art Basel die wichtigste und umsatzstärkste Kunstmesse der Welt ist, hat sich selbst unter kunstfernen Menschen herumgesprochen. Dass entsprechend dabei sehr viel Geld unterwegs ist – übrigens seit Jahrzehnten –, bringt niemanden zum Staunen. Dass die Art Basel, eben in ihrer Heimatstadt Basel, außerdem die wohl attraktivste Messe überhaupt ist, im Ganzen also den Augen sehr gut tut, darf auch einmal ausdrücklich gesagt werden – nicht für alle beherrscht nur der Mammon das Spiel, zum Glück kennen nicht wenige die Freude am Schauen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die 49. Ausgabe bleibt relativ konstant in der Größe mit 291 Galerien, die rund 4000 Künstler zeigen. Im Erdgeschoss der Halle1, noch immer das erste Schaufenster der Messe, ist ein gewisser Schwund der Klassischen Moderne erkennbar, einst die Domäne dort, mit den großzügig picassogespickten Ständen von Jan Krugier oder Ernst Beyeler. Es fehlt diesmal die Münchner Galerie Thomas, wohl einmalig, wie zu hören ist.

          Da sind noch Landau, St.Etienne, Richard Nagy – hier beigemischt ein kühner früher Allen Jones, „Female Spear“ von 1965/66 (750.000 Dollar) – oder Marlborough. Wobei sich Marlborough diesmal für Werner Büttners witzig inspirierte Malereien stark macht, keineswegs im Hochpreissegment angesiedelt (zum Beispiel 70.000 Dollar). Weiter hinten im Stand hängt auch ein Gemälde Max Beckmanns von 1934, „Selbstbildnis in großem Spiegel mit Kerze“ aus einer (freilich ungenannten deutschen) Privatsammlung. Nein, kein Preis. Was also? Nun ja, wenn jemand so mit fünfzehn Millionen Dollar dafür käme, dann vielleicht, lautet die Auskunft.

          Immer weniger Galerien geben Preise bekannt

          Im Erdgeschoss hat Thaddaeus Ropac Robert Rauschenbergs Combine Painting „Slug“ von 1961 am Stand. Zur Erinnerung: Das Werk wurde 2008 bei Sotheby’s aus der Sammlung von Helga und Walther Lauffs versteigert für 2,84 Millionen Dollar inklusive Aufgeld (Taxe 3/4 Millionen); zuvor war es jahrelang im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld als Dauerleihgabe der Lauffs ausgestellt. Jetzt ruft Ropac 8,5 Millionen Dollar dafür auf und spricht von Verhandlungen mit einigen Museen. Bereits an ein Museum in Norwegen verkauft hatte er bei der Preview einen weiteren frühen Rauschenberg, für 1,5 Millionen Dollar. So relativ offen, mithin entspannt, wie Ropac mit Preisen umgeht – oder jedenfalls mit dem, was asking price heißt, also ungefähr „Diesen Preis stellen wir jetzt einmal in den Raum“ –, tun es immer weniger seiner global agierenden Kollegen.

          Der Unmut über derartige Diskretion auf einer Kunstmesse, die eine öffentliche Verkaufsveranstaltung ist, steigt allenthalben. Schweigen herrscht am liebsten, wo es sich um aktuelle Marktheroen handelt, sagen wir Kerry James Marshall oder Theaster Gates. Während überall die Ergebnisse der jüngsten Zeitgenossen-Auktionen kursieren, sind die Galeristen in solchen Fällen sehr schamhaft; der Grund ist denkbar simpel: Man weiß nicht recht, was man sagen soll.

          Weil man nämlich auch nicht recht weiß, wie das weitergeht mit solchen shooting stars. Oder eben auch mit den Rückkehrern aus den Sechzigern bis Achtzigern, die plötzlich wieder so begehrt sind – weil das, was einmal Avantgarde hieß, seit geraumer Zeit komplette Fehlanzeige ist. In Auktionen kann alles geschehen, weil sie von Emotionen gesteuert sind; Auktionen sind alles Mögliche, bloß keine realistischen Indikatoren für Preise.

          Der erfahrene Kunsthandel weiß das so gut wie die informierte Kundschaft, die auch diesmal von überall in Scharen nach Basel strömte. Nur lustige Laien glauben, dass Kunst an sich immer teurer würde; das eigentliche Problem heißt im Gegenteil: Kunst kann schrecklich schnell billiger werden, was naturgemäß nichts mit ihrer Qualität zu tun haben muss. Dennoch wird für den vernünftigen Umgang mit Preisangaben auf der Messe bald eine Lösung gefunden werden müssen.

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