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Kunstmesse in Paris : Hier schlägt das Herz

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Die Garantie für den Erfolg: Die 45.Ausgabe der „Foire Internationale d’Art Contemporain“ im Pariser Grand Palais bleibt ihrem bewährten Konzept treu.

           

          PARIS, im Oktober

          Blauer Himmel, laue Luft – bei diesem außergewöhnlichen Sommer sollte man sich der Fiac, der Pariser Internationalen Messe für zeitgenössische Kunst, auf pariserische Weise nähern, flanierend nämlich. Der frei zugängliche Außenparcours „Hors les Murs“ ist wieder reich mit Kunstwerken bestückt. An der Place Vendôme scheint ein Schwarm mit Seesternen gestrandet zu sein, auf dem Straßenpflaster liegen rund hundert der kleinen, rötlich patinierten Meeresviecher aus Bronze: Das Künstlerduo Elmgreen&Dragset und ihr Galerist Emmanuel Perrotin verblüffen durch das Understatement des Kleinen und Fragilen, im Gegensatz zu den eher monumentalen Werken, die für die Zeit der Messe auf den einschüchternden Platz gebaut wurden. Im Tuilerien-Park begegnet man dann auch einem „Mann im Wind“ von Thomas Schütte, der im bronzenen Sockel wie im Morast versinkt und sich gegen die Widrigkeiten des Lebens stemmt. Diese jüngste Skulptur Schüttes (1,8Millionen Euro, bei Pietro Sparta aus Chagny) wird im Februar in seiner ersten französischen Retrospektive in Paris gezeigt.

          Wenn das Konzept einer Messe stimmig ist, sollte es so bleiben. Zur 45.Ausgabe gibt es nur minimale Veränderungen; Ihren Platz im Dreiergespann der einflussreichsten Messen für zeitgenössische Kunst und Nachkriegsmoderne kann die Fiac neben der Art Basel und der Londoner Frieze behaupten. Neu ist, dass der Design-Sektor mit fünf hochkarätigen Galerien den Concorde-Platz im Außenparcours erobert, mit einem „Dorf“ aus Architekturmodellen der Moderne. Jean Prouvé ist unbestritte zum Star der Avantgarde geworden: Von ihm hat die Galerie Laffanour-Downtown, Paris, eine große lichtdurchflutete Metall-, Holz- und Glasstruktur für ein Schulgebäude wiederaufgebaut; der elegante, puristische Fertigbau aus dem Jahr 1957 ist ein Unikat und soll 2,5 Millionen Euro kosten.

          Zum dritten Mal breitet sich die Fiac auf der weitläufigen Esplanade vor dem Grand Palais mit Kunst, aber auch mit Straßencafés aus und zieht in das gegenüberliegende Petit Palais ein. Ein breiter bunter Street-Art-Streifen vom Schweizer Künstlerpaar Lang&Baumann (bei der Galerie Loevenbruck, Paris) verbindet auf dem Asphalt die beiden Palais der Weltausstellung von 1900. Die Arbeit ist unverkäuflich, allerdings gibt es am Stand eine auf Aluminium emaillierte Version für 15000 Euro. Auch dieser, jetzt „Fiac Projects“ benannte Sektor ist mit etwa vierzig Werken frei zugänglich. Almine Rech, Paris/Brüssel/London/New York zeigt dort eine acht Meter hohe „Säule“ von Gregor Hildebrandt (300000 Euro); Eva Presenhuber, Zürich/New York lässt die Messebesucher im Petit Palais vor eine blaue Wand von Ugo Rondinone laufen (350000 Dollar). Dahinter tut sich, wie eine Insel, eine Rotunde auf, idealer Standort für Francisco Tropas komplexe Installation „Penelope“ bei der Pariser Galerie Jocelyn Wolff (65000 Euro): In einer skulpturtypischen Haltung drehen sich vier, nach und nach an Fülle verlierende Penelope-Figuren in melancholischem Verlassensein auf einem Sockel; in ihrer Mitte zerstäubt eine Dampfmaschine Nebelhauch, als würde die Zeit des treuen Wartens durch diese feuchte Unfassbarkeit materialisiert. Wie im Vorjahr treten im Grand Palais insgesamt 193 Galerien aus 27 Ländern an. Hauser&Wirth, London/New York/Los Angeles/ Hongkong/Zürich, kehren nach zwei Jahren zurück, mit dem vielsagenden Titel „Le cœur est là“. In den Mittelpunkt stellt die Galerie einen Dialog zwischen Hans Bellmer (Werke von 15000 bis 200000 Dollar) und Louise Bourgeois: Ihre kraftvolle Arbeit „Les matins se lèvent“ ist eine fast fünf Meter lange Zeichnung aus dem letzten Lebensjahr 2010 (2,5Millionen Euro). Die Galerie Karsten Greve, Köln/Paris/Sankt Moritz, ist am Ursprung der internationalen Anerkennung von Louise Bourgeois: Greve zeigt eine ihrer Bronzeskulpturen, „Inner Ear“ von 1962. Sie wird von einem sehr puren, meditativen Stand umgeben, etwa mit Arbeiten des taoistischen Malers Qui Shihua (je 170000 Euro); Hauptwerk ist ein Stillleben Giorgio Morandis von 1942 (um 3Millionen Euro). Es ist tatsächlich kaum möglich, danach – nur einen Stand weiter – bei Gagosian die „must-see“-Schau der Messe mit der Installation „Ingres Wood“ von Katharina Grosse zu betreten; sie ist einfach zu bunt.

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