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30 Jahre „La Biennale Paris“ : Im verkleinerten Format

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Das schwierige dreißigste Jahr: „La Biennale Paris“ feiert ihr Jubiläum und sucht einen Weg in die Zukunft. Obgleich weniger spektakulär und hochpreisig als bisher, gibt es auf der Messe überzeugende Kunstwerke.

          Der letzte Grand Cru der „Biennale des Antiquaires“, wie sie damals noch hieß, war das Jahr 2012: Karl Lagerfeld hatte für die 122 Aussteller unter der Glaskuppel des Grand Palais eine grandiose Szenographie erdacht. Immerhin kamen 90.000 Besucher zur Messe, die seit ihrer Gründung im Jahr 1956 vom französischen Verband der Antiquitätenhändler organisiert wird. Nachdem dessen Präsident Christian Deydier im Sommer 2014 vom Verwaltungsrat wegen allzu verschwenderischer Kostenabrechnungen abgesetzt wurde, steht die Pariser Biennale unter einem schlechten Stern und sucht ihren Weg in die Zukunft.

          Deydiers Nachfolger für die Ausgaben 2014 und 2016, Dominique Chevalier, vertrat eine asketischere Linie, die den überdimensionierten Schauräumen der Luxus-Juweliere wie Cartier, Boucheron oder Chanel weniger Platz einräumen wollte, um den ursprünglichen Kunstsektoren Vorrang zu geben. Die vergraulten Juweliere kamen 2016 nicht zurück, dadurch blieb auch ein Teil des besonders zahlungskräftigen Publikums aus.

          Die Furcht vor Attentaten in Paris und Affären um gefälschte Antiquitäten trugen zudem dazu bei, dass die Besucherzahl im Jahr 2016 auf 30.000 schrumpfte. Außerdem entschieden die Veranstalter mehrheitlich, der Messe von 2017 an einen jährlichen Rhythmus zu geben. Der Begriff Biennale wurde als Traditionsmarke beibehalten. Auch unter den nichtfranzösischen Händlern bleibt das neue Konzept umstritten.

          Unter diesen Umständen ist es ein Kinderspiel, den Keil ein wenig tiefer zwischen uneinige oder rivalisierende Aussteller zu treiben. Deydier, der den Verlust seiner Präsidentschaft offenkundig nicht verarbeiten konnte, setzte alles daran, eine konkurrierende Messe mit dem Titel „Sublime“ zu gründen. Sie hätte jetzt im Oktober parallel zur Fiac, der Messe für zeitgenössische Kunst, stattfinden sollen. Seit ihrer Ausrufung stiftete die potentielle Messe Unsicherheit. Jeder Händler war genötigt, sich für ein Lager zu entscheiden oder das Pariser Messechaos vorerst zu vermeiden. Ende Juni mussten die „Sublime“-Veranstalter aufgeben –- der Schaden war angerichtet, aber der gewählte Ausstellungsort vor dem Invalidendom nicht genehmigt worden.

          Biennale zählt nur noch 62 Aussteller

          Die einst so glänzende Pariser Kunst- und Antiquitätenmesse, die von der Prähistorie bis zur Nachkriegsmoderne alle Kunstsparten präsentierte und für französischen art de vivre stand, hat in diesem Jahr die Talsohle erreicht; davon profitieren allenfalls die Konkurrenten in Maastricht, Brüssel und London. Als gäbe es nicht genügend Messen, hat eine Gruppe von Galeristen nach dem Modell des Salon du Dessin seit dem vorigen Jahr eine „Fine Arts“-Messe eingeführt, die nun im November stattfindet. Es wäre sinnvoller gewesen, die Biennale und damit Paris als Platz für eine international strahlkräftige Schau durch ihre Händlerqualität zu stärken.

          Mit 62 Ausstellern ist das Format der Biennale im Vergleich zum Vorjahr (93 Teilnehmer) noch einmal geschrumpft. Nur noch zwölf Händler sind für die dreißigste Ausgabe aus dem Ausland angereist. Wichtige internationale Galerien wie Mullany, Richard Green und Robilant+ Voena aus London oder Röbbig aus München fehlen diesmal. Der derzeitige Präsident des „Syndicat national des antiquaires“, Mathias Ary Jan, bleibt nach einem guten Start zuversichtlich, dass abwartende Galerien im nächsten Jahr zurückkehren werden.

          Zu den Königsdisziplinen der Biennale gehören Kunst und Antiquitäten des 17. bis 19.Jahrhunderts. Auch in diesem Jahr treten namhafte Galerien wie Perrin oder Steinitz aus Paris mit prächtigen Standdekorationen an. Weil manche alteingesessene Händler nicht gekommen sind, wie Gismondi oder Léage, rückt die jüngere Generation nach. Der Pariser Charles Hooreman ist auf Sitzmöbel des 18.Jahrhunderts spezialisiert. Er ist ein feiner Kenner, der die Verantwortlichen der Sammlungen von Versailles vor dem Ankauf gefälschter Möbel warnte. An Hooremans Stand fällt ein rotgepolstertes Sesselpaar auf, das 1755 bei dem Möbeltischler „Père“ Gourdin in Auftrag gegeben wurde; viel später standen die Fauteuils in Coco Chanels Wohnzimmer (700.000 Euro).

          Alexis Bordes gehört zu den Pariser Händlern, die sich energisch für das Gelingen der Biennale einsetzen. An seinem Stand wird der Blick von einem großformatigen Porträtgemälde von Johann Julius Heinsius angezogen, das Marie-Adélaïde de France, Tochter von LudwigXV., in einem wundervoll samtigen, vermillonroten Kleid darstellt (230.000 Euro).

          Kontrollen von Kunstwerken drastisch verschärft

          Die diesjährige Biennale ist weniger spektakulär und hochpreisig, was nicht heißt, dass es keine überzeugenden Kunstwerke gibt. Die Ming-K’I Gallery aus Waardamme zeigt anmutige chinesische Terrakottafigurinen, die zum Teil aus der frühen Han Dynastie im 2.Jahrhundert vor Christus stammen: zwei „Sitzende Damen“ für 80.000 Euro). Der Basler Antikenspezialist Cahn präsentiert den skulptierten Kopf eines griechischen Kriegers mit einem erstaunlich ziselierten Haarschopf, um 460 vor Christus (etwas über 200.000 Euro).

          Art-déco-Mobiliar und Kunst der Moderne oder Nachkriegsmoderne sind in diesem Jahr stark vertreten. Bei der Pariser Galerie Berès hängt der schönste Edouard Vuillard der Messe: „Misia dans un bois“ fängt in Öl auf Karton das irisierende Licht einer sonnendurchfluteten Lichtung ein (1,2 Millionen Euro). Hélène Bailly, Paris, hat eine Hommage von Kees van Dongen an die Nonchalance der Pariserin mitgebracht: Für „La Parisienne“ (780.000 Euro) arbeitete der holländische Maler auf subtile Weise mit roten Kontrasten zu zarten Pastellfarben. Seit den Skandalen um gefälschte Antiquitäten hat die Biennale ihre Aufnahmekommission neu organisiert und alle Kontrollen drastisch verschärft. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht die neue Strenge ist, die manchen Händler abschreckt.

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