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Modigliani geht nach China : Das zweitteuerste Kunstwerk der Geschichte

Bild: AP

Zu Picassos Frauen von Algier gesellt sich nun eine weitere Dame: Das zweitteuerste Kunstwerk der Kunstgeschichte wurde jetzt bei Christie’s versteigert – für 170 Millionen Dollar. Es ist ein „Nu couché“ des Malers Amedeo Modigliani.

          Jetzt ist es der zweithöchste Preis, der jemals für ein Kunstwerk in einer Auktion bezahlt wurde, nach den 160 Millionen Dollar für Picassos „Les Femmes d’Alger (Version O)“ im Mai: Ein „Nu couché“ des italienischen Malers und Bildhauers Amedeo Modigliani wurde am Montagabend bei Christie’s in New York für 152 Millionen Dollar zugeschlagen. Das Käuferaufgeld eingerechnet, bezahlte ein chinesischer Telefonbieter 170,4 Millionen Dollar – das sind knapp 157,9 Millionen Euro – für die hingegossene junge Frau, vielleicht den durch Reproduktionen berühmtesten Akt aus dem an Akten nicht armen Œuvre Modiglianis. Das dekorative Bild war zuvor auf mehr als hundert Millionen Dollar geschätzt. Dass es sich bei dem Einlieferer um Laura Mattioli Rossi handelt, die Tochter des italienischen Sammlers Gianni Mattioli, will Christie’s nicht bestätigen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Bei diesem Geschäft wurde freilich nichts dem Zufall überlassen: Die 34 Lose der Auktion waren unter dem Motto „The Artist’s Muse“ zusammengestellt, um die Superreichen zum Crossover-Erwerb von moderner und zeitgenössischer Kunst zu animieren. Der Modigliani war das Zugpferd, nicht zuletzt für asiatische Klienten. Und der Akt wurde, wie neben ihm fünfzehn weitere Lose, mit einer Garantie versehen – das heißt, schon vor der eigentlichen Versteigerung war dem Einlieferer ein Mindestpreis zugesagt worden. Eine längst nachgerade romantische Vorstellung vom Auktionsgeschehen mag das bedauern. Aber diese Praxis scheint unaufhaltsam, und die Logik dahinter ist simpel: Um immer spektakulärere Werke für immer reichere Käufergruppen bereitzustellen, müssen die international operierenden Auktionshäuser den Einlieferern finanziell immer mehr bieten. Entsprechend werden die Garantien immer höher, was mit einem massiv steigenden pekuniären Risiko für die Firmen selbst verbunden ist – zumindest dann, wenn nicht eine dritte Partei als Garantor hinzutritt, was bei dem Modigliani allerdings der Fall war.

          Christie’s will auch den Namen des chinesischen Milliardärs Liu Yiquian als Käufer nicht bestätigen, aber das Long Museum in Schanghai, dessen Besitzer er ist. Liu gefällt sich in Posen: So hat er im April 2014 bei Sotheby’s in Hongkong den „Chicken Cup“ ersteigert, ein 8,2 Zentimeter hohes Tässchen mit Hühner-Dekor. Für das bis heute teuerste Stück Ming-Porzellan investierte er inklusive Aufgeld umgerechnet 36,3 Millionen Dollar. Noch ist die herbstliche New Yorker Auktions-Rallye nicht zu Ende.

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