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Kunstmarkt : Ostdeutsche Galeristen stehen im Schatten

  • -Aktualisiert am

Fotografie von Steffen Junghans, Galerie Maerz Bild: Galerie Maerz, Leipzig

Die Konjunkturschwäche stellt den noch jungen Kunstmarkt im Osten vor eine Härteprobe, die sich im Herbst noch zuspitzen wird.

          Wenn sich Ende Oktober die Tore für die international wichtigste deutsche Kunstmesse in Köln öffnen, wird der ostdeutsche Kunstmarkt nicht vertreten sein. Die Jury der Art Cologne hat im Mai alle Anträge ostdeutscher Galerien abgelehnt - bis auf einen.

          An Judy Lübke von „Eigen & Art“ kommt man nicht vorbei. Seine Mitte der 80er Jahre in Leipzig gegründete und längst auch „in Mitte“ erfolgreiche Berliner Galerie wird mit ostdeutschen Shootingstars wie Neo Rauch, Olaf und Carsten Nicolai in Köln vertreten sein. Andere Galerien, wie „Rothamel“ aus Erfurt, „Himmelreich“ aus Magdeburg, „Maerz“ aus Leipzig oder die „Galerie am Sachsenplatz“ in Leipzig sind noch nicht oder nicht mehr dabei.

          Magdeburg: „Galerie Himmelreich“

          In Zeiten schwacher Konjunktur könnte die mangelnde Messepräsenz im Westen den noch jungen ostdeutschen Kunstmarkt mit zeitgenössischer Kunst weiter ins Abseits drängen. Denn der Neuigkeitsbonus, so bilanziert Walter Schmidt von der „Galerie Himmelreich“ in Magdeburg, der noch bis vor kurzem jede Menge westdeutsche Touristen in seine Galerie gespült habe, sei ausgereizt. 1992 war der ehemalige Schauspieler Schmidt ganz vorn, als er einen der ersten Kunstvereine im Osten gründete. Später kam als kommerzielles Standbein die Galerie dazu. Mit 235 zahlenden Mitgliedern aus dem ganzen Bundesgebiet sind immerhin engagierte Multiplikatoren vorhanden. Auch wenn die Kaufkraft vor Ort spürbar nachgelassen hat, weil institutionelle und private Käufer inzwischen sparsamer kalkulieren, zeigt Schmidt an die 15 Ausstellungen im Jahr.

          Jörg Rothamel bietet in Erfurt Unikat-Editionen an

          Erfurt: „Galerie Rothamel“

          Jörg Rothamel aus Erfurt kann sich hingegen weiter über einen „extremen Nachfrageschub aus dem Westen“ vor allem für Fotografie freuen. Rothamel verzeichnet keinen Umsatzeinbruch. Während die Sammler im Osten die Fotografie noch nicht wirklich als Thema entdeckt hätten, investierten westliche Sammler laut Rothamel vor allem in diesem Feld. Deshalb baut der seit 1996 im Kunsthandel tätige Kunsthistoriker auf den hocherfolgreichen Erfurter Fotografen Hans-Christian Schink. In der Generation der 30- bis 50-Jährigen konnte er bereits eine ansehnliche Schar treuer Sammler binden. In einem noch kaum zehn Jahre alten freien Markt ist das ein Erfolg, den ihm manch Kölner Galerist neiden wird.

          Leipzig: „Galerie Maerz“

          Fachkompetenz und Begeisterungsfähigkeit sind unter jüngeren Galeristen im Osten keine Seltenheit mehr. Das spürt man auch im Westen und schreckt instinktiv vor der heranwachsenden Konkurrenz zurück. Das jedenfalls meint Torsten Reiter, der erst vor zwei Jahren die „Galerie Maerz“ in Leipzig gründete. Zunächst hatte Reiter sich wie sein Kollege Schmidt in einem privaten Kunstverein für die Vermittlung neuer Kunst im Osten eingesetzt. Daraus entwickelte sich eine Galerie, die mit wachsendem Erfolg sperrige Kunst anbieten kann. Reiter legt großen Wert auf die Art der Vermittlung, denn die würde sich bei wachsendem Investitions- und Qualitätsbewusstsein seitens der Kunden auszahlen.

          Leipzig: „Galerie am Sachsenplatz“

          Hart trifft die Absage der Kölner Messe Volker Zschäckel von der „Galerie am Sachsenplatz“ in Leipzig. Zschäckel ist Vorsitzender des Galeristen Landesverbandes Sachsen. Seit 1986 zeigt er auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche Bilder von Tübke, Strawalde bis Altenburg. 1991 wurde er zum ersten Mal für die Art Cologne zugelassen, später nur noch mit Auflagen und nun gar nicht mehr. Für Zschäckel bedeutet die Absage aus Köln einen erheblichen Verlust. Seine Sammler leben fast alle im Kölner und Frankfurter Raum. Im Osten findet er kaum noch Käufer.

          Ein zusätzliches Problem des ostdeutschen Kunstmarktes ist, dass falsch verstandene, moderne Kunst im öffentlichen Raum viele Städte im Osten mit dem Stigma „Kunstprovinz“ belegt. Dabei hat sich hinter den gehäkelten Scheibengardinen längst der Durchbruch auf internationales Terrain formiert. Vielleicht starten einige Galerien und Künstler also besser an Köln vorbei, und versuchen ihr Glück gleich in Chicago oder Basel. Zu wünschen wäre es ihnen.

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