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Kunstmarkt : Minerva zieht alle in ihren Bann

  • -Aktualisiert am

Frisch restauriert: Rembrandt van Rijns „Minerva” aus dem Jahr 1635 Bild: Otto Naummann Ltd.

40 Millionen Dollar kostet die Attraktion der Kunstmesse Tefaf in Maastricht, Rembrandts „Minerva“. Das Bild hat eine Odyssee hinter sich.

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          Alle Augen richten sich auf der diesjährigen Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse, Tefaf, auf ein stolzes Gemälde von Rembrandt van Rijn, das der holländische Meister kurz nach seiner Übersiedlung von Leiden nach Amsterdam 1635 vollendete. „Minerva in ihrem Studierzimmer“ wird von Otto Naumann aus New York für 40 Millionen Dollar angeboten.

          Auf die Frage, warum der amerikanische Händler das wertvolle Bild auf eine europäische Messe gebracht habe, wo doch der amerikanische Kunstmarkt momentan anders als der hiesige floriert, sagte Naumann gegenüber FAZ.NET, dass es ihm nicht allein um den Verkauf des Meisterwerks gehe, sondern vor allem darum, es einem internationalen Publikum in frisch restauriertem Zustand vorzustellen. Vor fünf Jahren hatte der Händler schon ein Frauen-Porträt aus der Hand Rembrandts in Maastricht verkauft.

          Odyssee eines Bildes

          Das 1,37 zu 1,16 messende Bild ist das letzte mythologische Gemälde Rembrandts, das auf dem freien Markt vorhanden ist. Wenn es von einem Museum angekauft wird, wird es dessen Räume wohl nicht mehr verlassen. Seit 1695 war die „Minerva“ in britisch-adeligem Privatbesitz - bis der 14. Lord of Somerville es 1818 in London auf den Markt brachte. Leider ohne Erfolg. Erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begann eine aufregende Odyssee, die die wachsende Wertschätzung holländischer Malerei des 17. Jahrhunderts dokumentiert.

          Erst fanden sich Käufer in London und New York, bevor das Bild 1931 über einen Münchner Händler in die Niederlande zurückkehrte. Damals war das Bild nach Rembrandts Frau Saskia benannt, die für die römische Kriegsgöttin Modell gesessen hatte. „Saskia als Athene“ hieß es und kostete 80.000 Mark. 1965 gelangte das Gemälde wieder in London unter den Hammer, nun schon unter dem Namen „Saskia als Minerva“. Es kostete 125.000 Britische Pfund, bis es 1975 in französischen Besitz überging und 1988 nach Japan verkauft wurde.

          Zwischenstopp in Japan

          Eine japanische Firma hatte auf dem Gipfel ihres wirtschaftlichen Erfolges ihr Herz für Rembrandt - oder für Saskia - entdeckt. Anstatt die Kostbarkeit, über deren Wert man sich diesmal ausschwieg, an die eigene Wand zu hängen, lieh sie es an das renommierte Bridgestone Museum im Zentrum Tokios aus, wo es bis zum letzten Jahr öffentlich ausgestellt blieb. Erst der ökonomische Verfall des Landes zwang den Eigentümer, das Bild erneut auf den Markt zu bringen. Es ging an den New Yorker Händler Otto Naumann, der das inzwischen völlig vergilbte Bild in New York reinigen ließ und nun mit erheblichem Gewinn verkaufen möchte.

          Unter Normalsterblichen wird er so leicht keinen finden, aber an die richtet sich die Maastrichter Messe ja auch gar nicht. Diese können sich in den nächsten acht Tagen aber immerhin am Anblick der wie von innen strahlenden Bild und ins Weite blickenden Göttin laben: In schwerer, goldener Robe sitzt sie mit rötlich funkelndem, lang herabhängenden Locken am Studiertisch. Die Linke ruht auf den Seiten einer antiken Handschrift. Hinter ihr schimmern im Dunkeln ein Schild, ein Helm und eine Weltkugel - deutliche Zeichen von Kriegslust und Allmacht, während die Göttin selbst wie im Scheinwerferlicht erscheint und den intellektuellen Part übernimmt. Nachsinnend fasst sie unter einer Lorbeer bekränzten Stirn ihre Pläne.

          Das Bild in Einzelteilen für weniger Begüterte

          Wer sich diesen Rembrandt nicht leisten kann, der kann das Bild auf der Maastrichter Messe auch in Einzelteilen kaufen: den Helm, die Handschrift, den Schmuck,
          den Globus und den fein gewobenen Teppich, der als Tischdecke dient, alles bieten Händler in nächster Nähe an.

          Auf die Frage, ob Heribert Tenschert als herausragender Experte für frühe Handschriften und Bücher etwas Ähnliches anbiete, erstaunt die Antwort: In der römischen Ära der mythischen Minerva gab es noch keine gebundenen Bücher. Und zu Rembrandts Zeit waren Bücher gemeinhin gedruckt und nicht handgeschrieben, wie jenes, das er als Hinweis auf vergangene Zeiten gemalt hat.

          Der flämische Helm findet sich fast identisch bei Peter Finer aus England. Aber dieser Händler ist nicht überzeugt von der Qualität des Helms, den der Maler darstellte. Seine seien weit besser. Und immerhin kostet sein Angebot 350.000 US-Dollar. Eine Perlenkette wie die, die Rembrandt seiner Saskia umlegte, ist auch bei S.J. Phillips aus Londons vornehmer New Bond Street nicht zu finden. Sein Angebot: eine fünfreihige Süßwasserperlenkette aus dem späten 19. Jahrhundert mit kirschgroßen Perlen für 99.000 Euro.

          Geht man dann noch zu Axel Vervoordt, um einen Globus zu erstehen und zu Franz Bausback, wo sicher ein ähnlicher Teppich wartet, ist man weit billiger mit besseren Stücken davongekommen, als Rembrandt sie gemalt hat.

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