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Kunstmarkt : Der Glanz der Alten Kunst: die Tefaf in Maastricht

  • -Aktualisiert am

Tang-Figur (618 - 906 n. Chr.) bei Ben Janssens in Maastricht Bild: Ben Janssens

Die Tefaf in Maastricht ist die führende Kunstmesse der Welt. Hier kaufen Museumsdirektoren und Gutbetuchte ein. Die anderen schauen und staunen.

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          Die Stände sind aufgebaut. Die Jury hat getagt. Händler und Kunst wurden nach strengen Kriterien ausgesucht. Nur feinste Ware ist auf der „European Fine Art Fair“ (Tefaf) im niederländischen Maastricht zugelassen. FAZ.NET wirft einen Blick auf das, was 197 Kunst- und Antiquitätenhändler aus 13 Ländern dort ausbreiten. Nach der festlichen Eröffnung am vergangenen Samstag ist die Messe bis zum 18. März für jeden zugänglich.

          Nach 14 Jahren hat sich die Maastrichter Messe von einer Bilderschau auf dem Kartoffelacker in die führende Kunst- und Antiquitätenmesse der Welt verwandelt. Mehr als 70.000 Besucher strömen hier aus allen Kontinenten alljährlich zusammen - zehn Tage Museum auf Zeit, dafür mieten sich viele Besucher für mehrere Tage an der Deutsch-Niederländischen Grenze ein.

          Die Beschäftigung mit Alter Kunst verlangt Zeit, Wissen und Kennerschaft. Wenn man ein Töpfchen aus Email und Gold für 50.000 Mark erwirbt, will man schon wissen, wer es benutzt hat, wofür es diente und ob es noch andere vergleichbare Objekte gibt.

          Rembrandt van Rijn, Porträt einer Frau, wahrscheinlich der Aeltje Uylenburgh, um 1632, jetzt bei Noortman in Maastricht
          Rembrandt van Rijn, Porträt einer Frau, wahrscheinlich der Aeltje Uylenburgh, um 1632, jetzt bei Noortman in Maastricht :

          Kaum ein Stück ist unter 10.000 Mark zu haben

          Die kultivierte Atmosphäre der Maastrichter Tefaf hat dafür gesorgt, dass die Messe inzwischen zu einem gesellschaftlichen Ereignis ersten Ranges geworden ist. Nun kommen auch immer mehr jüngere Menschen hier her. Erst um zu staunen, später häufig auch, um zu kaufen. Nach ein paar Jahren verwandelt sich mancher Gelegenheitskäufer dann in einen engagierten Sammler. Er verfolgt ein Thema, spürt die besten Stücke auf und sucht nach Vergleichen. Das können Schachfiguren sein oder silberne Gabeln, Fayence-Vasen, mittelalterliche Handschriften oder 2000 Jahre alte chinesische Terrakotta-Figuren.

          Junge Käufer sind auf einer so hochkarätigen Messe 35 bis 40 Jahre alt. Selten geschieht es wie im Vorjahr, dass ein amerikanisches Millionärspaar von 28 Jahren mit seinem Kunstberater vorbeikommt und an einem Nachmittag Sekretäre, Bilder und Kommoden für insgesamt über zwei Millionen Mark einkauft.

          Rembrandt als teuerstes Werk der Messe

          Das mit Abstand teuerste Werk der Messe bildet in diesem Jahr wieder einmal ein Gemälde von Rembrandt mit 80 Millionen Mark bei Noortman aus Maastricht. Zu sehen ist das Portrait einer älteren Frau, das um 1632 gemalt wurde und als teuerster Rembrandt überhaupt im vergangenen Dezember versteigert wurde.

          Handschriften, die Websites des Mittelalters

          Auf dem Stand von Heribert Tenschert findet man ein prächtiges Angebot handgeschriebener und gemalter, illuminierter Bücher. Aus der Schweiz hat Tenschert diesmal eine Sensation mitgebracht: Die Schrift ist die einzige erhaltene Chronik des Schwabenkrieges, der schließlich zur Gündung der Schweiz geführt hat. Ein Notar namens Ludwig Sterner hat sie um 1500 verfasst. In schöner Schrift hat er sie in Reimform verfasst und die Ereignisse des Schweizer Unabhängigkeitskrieges für die Nachwelt festgehalten. Das Buch ist eine historische Quelle von nationaler Bedeutung. Sicher wird es eher einen institutionellen Käufer finden als einen privaten.

          Wer selbst anfangen will, alte Handschriften zu sammeln, wird eher mit einem der 40 mitgebrachten "Stundenbücher" beginnen. Büchern, die mit Liedern, Gedichten und Gebeten gefüllt sind, wie sie um 1350 vor allem in Frankreich, Italien und Flandern im Auftrag adliger Privatleute entstanden sind. Tenschert stellt das Stundenbuch des Guy de Laval vor, der ein Weggefährte der Jean d'Arc war und seiner Frau Margarethe von Bretagne zur Hochzeit um 1420 dieses Buch hat anfertigen lassen.

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