Kunsthügel am Marble Arch :
London macht sich hässlich

Gina Thomas
Ein Kommentar von Gina Thomas
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Attraktion auf Zeit: der Marble Arch Mound in London
Mit einem begrünten Hügel sollte die Oxford Street in London wiederbelebt werden. Das Resultat ist keine Touristenattraktion, sondern ein Fiasko.

Der wie ein Walfisch auf der riesigen Verkehrsinsel an der Kreuzung zwischen Hyde Park und Oxford Street gestrandete Marmorbogen mutet schon lange wie eines der sinnlosesten Bauwerke Londons an. Seit Kurzem steht Marble Arch eine Kon­struktion zur Seite, die als die schlimmste Attraktion der Stadt mit Hohn und Spott überschüttet wird. Computergenerierte Bilder verhießen einen üppig begrünten Aussichtshügel, von dem Besucher aus fünfundzwanzig Meter Höhe das Stadtpanorama bestaunen könnten.

Mit dem beim umweltbewussten Rotterdamer Architekturbüro MVRDV in Auftrag gegebenen, mit Fertigrasen bedeckten Stahlgerüstbau hoffte die Bezirksverwaltung von Westminster, nach der Pandemie die angeschlagene Oxford Street wieder beleben zu können. Doch statt reichhaltigen Pflanzenbewuchses bietet der Hügel den dürftigen Anblick einer Oase, der das Wasser ausgegangen ist. Dabei hat es so viel geregnet, dass der gegenüberliegende Park, für August äußerst ungewöhnlich, noch vor sattem Grün strotzt. Die Baumpracht trug denn auch zur Unzufriedenheit der ersten Besucher bei, denen der Blick vom Laub versperrt war. Von der Aussichtsplattform sahen sie die unansehnliche Baustelle zu Füßen des Hügels und ärgerten sich über die Eintrittsgebühr, die nach der Rechnung eines Verdrossenen sechs Pence für jede der hundertdreißig Stufen betrug. Nach zwei Tagen wurde die Attraktion schon wieder zugemacht, um sie auf Trab zu bringen.

Schuld am kümmerlichen Äußeren sollen die Denkmalschützer sein, die verhinderten, dass der ausgehöhlte Hügel auch den historischen Marmorbogen umspanne. Dieses Denkmal hat ebenfalls eine unglückliche Geschichte. Ursprünglich als ein die napoleonischen Siege feiernder Prachteingang zum Buckingham Palace konzipiert, wurden die Entwürfe aus Spargründen nie in vollem Umfang ausgeführt. Dann musste das Tor der Erweiterung der königlichen Residenz weichen. Es wurde an seinen jetzigen Standort verlegt und 1909 durch eine neue Straße vom Park getrennt. Fahrbahnerweiterungen der Sechzigerjahre bekräftigten die Abgrenzung, weshalb das Denkmal jetzt so fehl am Platz wirkt.

MVRDV wollte mit seinem Hügel denn auch zugleich das städtebauliche Versagen früherer Generationen erkennbar machen und durch die Bepflanzung einen Weg zur stärkeren Begrünung der Stadt weisen. Kritiker deuten das armselige Häufchen beim Marble Arch hingegen als Sinnbild unserer Zeit der Sinnlosigkeit.