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Zwei Ausstellungen in Venedig : Sturz ins tiefste Tintorettorot

Dunkler Vormoderner: Eine Ausstellung in der Accademia Venedig zeigt Tintorettos Frühwerk, die andere im Dogenpalast den Rest. Vor allem ein Bild wurde erfolgreich restauriert.

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          Bedeuten zwei große venezianische Ausstellungen zu Tintorettos fünfhundertstem Geburtstag nicht Wasser in die Kanäle der Lagunenstadt zu schütten? In siebenundzwanzig Kirchen und zahlreichen Museen und Palazzi der Stadt sind die Gemälde des Spätrenaissance-Malers ohnehin immer zu sehen, zudem im originalen Kontext. Womöglich gab es deshalb seit achtzig Jahren keine Ausstellung für den großen Sohn in seiner Heimatstadt. Der Verzicht auf die Ausstellungen in Venedig wäre aber ein herber Verlust für Tintoretto-Verehrer gewesen.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Denn durch die Konzentration auf zwei Ausstellungsorte lässt sich etwas sehr schnell erkennen: Der „eine“ Tintoretto existiert nicht – wohl kein anderer Maler der Alten Kunst hat sich in seinem Œuvre derart chamäleonhaft gewandelt. Man würde in gleich mehreren Sälen der Ausstellung im Palazzo Ducale schwören, dass es sich bei manchem Bild um falsche Zuschreibungen handeln muss, so grundverschieden in Stil und Temperament erscheinen die Bilder. Aber schon in seinem Frühwerk, das in der Akademie gezeigt wird, lassen die äußerst unterschiedlichen Einflüsse, die sich Tintoretto während seiner Lehrzeit anverwandelt hat, auf eine disparate Persönlichkeit schließen.

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