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Zum Tod von Roger Goepper : Sinn und Form

Sein Lebenswerk galt der Vermittlung der asiatischen Kunst: Zum Tod des Kölner Museumsdirektors und Hochschullehrers Roger Goepper.

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          Den Fernen Osten hatte er ständig vor Augen. Durch die Glasfront seines Direktorenzimmers blickte er auf den japanischen Garten, den der Bildhauer Masayuki Nagare im Innenhof des Museums angelegt hat: Eine Komposition aus Felsen, Sand, Pflanzen und einem Wasserlauf - die Landschaft als Meditationsort. Die gegenständliche Nähe aber hat Roger Goepper nie über die große, schwer überbrückbare Distanz hinwegsehen lassen, die es bei der Vermittlung der Werke, die hier ausgestellt sind, zu reflektieren gilt. "Ein Museum für ostasiatische Kunst", beschrieb er einmal seine Aufgabe, "hat es besonders schwer: Die Gegenstände, die es zeigt, üben zwar einen ganz besonderen, gelegentlich modebestimmten Reiz auf den Besucher aus, aber die Werke sind gleichsam in einer fremden Sprache geschrieben, und der Betrachter hat eine Übersetzung nötig. Die Form sagt hier oft weniger als die Hälfte dessen, was gemeint ist, und der Sinn bleibt ziemlich unklar."

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Nach diesem Verständnis war Goepper, der am 9. März 1925 in Pforzheim geboren wurde, ein Gelehrtenleben lang als "Übersetzer" tätig, und das aus mehreren Kulturen und mit einer alle Gattungen übergreifenden Kompetenz: Als Kenner der japanischen, chinesischen und koreanischen Kunst, als Ausstellungsmacher, Publizist und Hochschullehrer. Beide Museen für ostasiatische Kunst in Deutschland hat er geleitet, 1959 bis 1965 wirkte er in Berlin, danach bis 1990 in Köln. Sein 1968 erschienener Band "Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens", "ein Handbuch für Sammler und Liebhaber", gilt bis heute als Standardwerk.

          Verführung in eine andere Welt

          In Köln musste Goepper lange mit den engen Räumlichkeiten im Hahnentor vorliebnehmen, ehe das Institut 1977 den Neubau am Aachener Weiher beziehen konnte: Um das flache, mit Kuben streng gegliederte Gebäude, das der Architekt Kuni Mayekawa entworfen und mit braun lasierten, in Japan gebrannten Kacheln verkleidet hat, zu konzipieren, hatte Kulturdezernent Kurt Hackenberg Goepper für ein halbes Jahr nach Japan entsandt.

          In den fünfundzwanzig Jahren seiner Kölner Ära hat Goepper vierundsechzig Ausstellungen durchgeführt: Malerei und Skulptur, Grafik und Holzschnitt, Kalligraphie und Keramik, Architektur und Fotografie, Lackkunst und Cloisonné, aber auch Gürtelschmuck, Stickereien, Schiebetüren, Verpackungen oder Lack als Restaurierungsmittel. Jede von ihnen war Hinführung, auch Verführung in eine andere Welt, die er, unter Verzicht auf falsche Atmosphäre, Kontexte und Sinnzusammenhänge erschloss und für Deutungen zugänglich machte: Angebote, das Fremde kennenzulernen, ohne es spekulativen Vergleichen mit der eigenen Zivilisation auszusetzen, Einladungen auch, lange bevor der Tiger zum Sprung ansetzte, die kulturellen Fundamente des boomenden Wirtschaftsraums zu erkunden. Für seine Verdienste um die japanische Kultur wurde Goepper 1997 mit dem Preis der Japan-Foundation geehrt und in Tokio vom Kaiser empfangen.

          Als der Museumsdirektor Goepper 1990 in den Ruhestand trat, dachte der Hochschullehrer Goepper noch lange nicht ans Aufhören. Mehrere Jahre führte er das Fach Ostasiatische Kunstgeschichte, das er an der Universität Köln innehatte, weiter. Doch sein Wunsch, dass es für einen Nachfolger zum Ordinariat aufgewertet würde, erfüllte sich nicht: Die angebotene Stiftungsprofessur ging nach Berlin. Jetzt ist Roger Goepper im Alter von 86 Jahren in Bremen gestorben.

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