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Zum Tod von Norbert Schwontkowski : Lagerfeuer auf Eisscholle

Erbe der deutschen Romantiker und begabt mit subtilem Witz: Der deutsche Maler Norbert Schwontkowski ist im Alter von vierundsechzig Jahren verstorben.

          Seine Bilder waren zum Verlieben, nein, sie sind es ja noch, auch wenn ihr Schöpfer jetzt nicht mehr lebt. Norbert Schwontkowskis Gemälde spielen auf der Klaviatur aller möglichen Vorstellungen; sie können ihren Ursprung in der Wirklichkeit haben und genauso in den Abgründen des Herzens, als Schwindeln machendes Seelenkino.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Auf den Leinwänden laufen dann Kurzfilme ab vorm Betrachter, die sanfte Vexierspiele mit Melancholie und humanem Spott aufladen. Nichts Malerisches war Schwontkowski fremd. Als Lehrer an verschiedenen Orten, zuletzt bis 2009 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, hat er sein Können auch weitergegeben.

          Ein Fortsetzer der deutschen Romantik

          Der subtile Witz, mit dem seine Werke ausgestattet sind, erzeugt meistens mehr als nur Doppelsinnigkeit, sein Hintersinn geht weiter: So setzte er vor vier Jahren einen konzentrierten Drummer hinter sein Gerät, das genau wie Marcel Duchamps berühmte, wenig unschuldige „Schokoladenreibe“ aussieht; das ganze Arrangement trägt dann den Titel „Solo“.

          Auch wenn Norbert Schwontkowski in einem katholischen Internat war und erst Priester werden wollte, ist er, 1949 in Bremen geboren, ein echter Erbe, Enkel und Fortsetzer der nordischen deutschen Romantik; nicht zufällig hat er Bilder gemalt, die „Eismeer“ heißen: Auf einem von 2009 wärmt sich eines seiner typischen dünnen Menschenmännchen, auf einer Scholle treibend, die Hände an einem Feuerchen, auf einem anderen von 2012 flackert nur noch eine einzige Kerze einsam auf ihrem Eisfleck.

          International erst spät entdeckt

          Er malte eigensinnig, dabei - selbst wo alles wacklig und genialisch aussieht - mit absolut sicherem Gespür für Raum und Aufbau im Bild. Die internationale Kunstszene hat ihn, der dem vielbesprochenen deutschen Malereiwunder eher randständig war, relativ spät entdeckt, erst vor knapp einem Jahrzehnt - dann aber richtig. Wer ihm einmal begegnet ist, spürte, dass er diese Anerkennung durchaus gemocht hat auf seine Art, fern jeder Überheblichkeit, amüsiert, vergnügt genießend. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Norbert Schwontkowski am 14. Juni in seiner Heimatstadt Bremen gestorben.

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