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Zum Tod von Helen Frankenthaler : Die Frau, die die Farbe befreit hat

Der Abstrakte Expressionismus war eine Angelegenheit von Männern. Doch Helen Frankenthaler gelang es, mit ihren Bildern zur Doyenne der Farbfeldmalerei zu avancieren: Zum Tod der amerikanischen Malerin.

          Ihre erste Bekanntheit in der Heimat verdankte sich einem einzelnen Gemälde, dem Großformat „Mountains and Sea“ im Jahr 1952, heute in der National Gallery in Washington. So sah das also aus, wenn sich der Abstrakte Expressionismus eine Landschaft ersann - wobei Helen Frankenthaler, vom Kubismus ihres Studiums am Bennington College kommend, gerade erst unterwegs dorthin war.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Dabei hatte keine geringe Rolle ihre vorangegangene fünfjährige Liaison mit dem mächtigen Kritiker Clement Greenberg, dem Apologeten der Abstraktion, gespielt, der sie mit der Kunstwelt vertraut machte. Zu ihren eigenen Möglichkeiten befreite sie sich freilich selbst. Das geschah, als sie Jackson Pollock traf. Von Pollock übernahm sie es, ihre großformatigen Leinwände zum Bearbeiten auf den Boden zu legen. Doch anders als Pollock produzierte Frankenthaler nicht das All-Over der Farbspritzer auf der Oberfläche, sondern schuf fließende Formationen, weil sie die Pigmente in die unbehandelte Leinwand fleckig eindringen ließ: Die Technik des „stain painting“ wurde ihr Markenzeichen - einsickern statt zudecken.

          Der Abstrakte Expressionismus war ein Männerverein, die Malerei der amerikanischen Fünfziger und Sechziger die Angelegenheit männlichen Strebens und Projizierens. Dennoch brachte es Frankenthaler, geboren am 12. Dezember 1928 in New York City, in dieser Gruppierung zu Anerkennung (neben ihr sind vielleicht noch Lee Krassner, Joan Mitchell oder Elaine de Kooning zu nennen). Von 1957 bis 1971 war sie mit dem Maler Robert Motherwell, Jahrgang 1915, verheiratet, ein Protagonist der ersten Generation Abstrakter Expressionisten; man arbeitete nebeneinander, und Frankenthaler avancierte zur Exponentin der zweiten Generation, zur Doyenne des „color field painting“, der Farbfeldmalerei.

          Pollocks „Dripping“ modifizierte sie, indem sie die Farbe noch weiter gehend als er sich selbst überließ auf dem Malgrund zu ihren Füßen. So entstanden Farbcluster und -lichtungen, die sich lyrisch und zugleich furios nennen lassen, ohne dass darin ein Widerspruch läge - schon bevor die Lyrische Abstraktion auch in Amerika Karriere machte. Sie befreite die Farbe gleichsam von der Bevormundung des Gestischen, dem ja noch stets etwas Erzählerisches anhaften kann. Über vielen ihrer Arbeiten liegt der Eindruck einer Unvollendetheit, die phantasmatische (Farb-) Räume eröffnet. Damit steht Frankenthaler näher bei Morris Louis - den sie ebenso beeinflusste wie Kenneth Noland - als etwa bei Willem de Kooning.

          Ihre Gemälde wie auch ihre graphischen Arbeiten sind von einem gewissen Chic, keinesfalls temperamentlos, aber nicht aufsässig oder fordernd. Sie verfolgen kein Serienmodell, sind unangestrengt. Keiner der malenden Männer ihrer Ära hat eine solche Leichtigkeit erzielt (und wahrscheinlich wollte das auch keiner von ihnen). Helen Frankenthalers Kunst ist nicht die Negierung von Form, sondern die Formung im Fließen. Dass sie sich so zuhandenen Schablonen entzieht, machte sie zur eigenständigen Künstlerfigur in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Am Dienstag ist sie im Alter von dreiundachtzig Jahren in Darien, Connecticut, gestorben.

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