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Frieder Burda : Ein Mann, ganz für sich, ein Museum für alle

Ein Mann fürs Feine: Der Kunstsammler Frieder Burda in seinem Museum in Baden-Baden vor dem Werk Gelbgrün von Gerhard Richter aus dem Jahr 1982. Bild: dpa

Frieder Burda hat eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas zusammengebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am Sonntag ist er im Alter von 83 Jahren in Baden-Baden gestorben.

          Frieder Burda war ein Sammler, der mit Leib und Seele an seinen Kunstwerken hing. Ihm glaubte man, dass es dabei um „Leidenschaft“ ging, wie er gern sagte. Geboren wurde er am 29.April 1936 in Gengenbach im Ortenaukreis, als zweiter Sohn des Verlagsunternehmers Franz Burda und seiner Frau Aenne. Mit seinen Brüdern Franz, der 2017 starb, und Hubert Burda, der das Medienunternehmen bis heute leitet, wuchs er in Offenburg auf. Ausgebildet im Druck- und Verlagswesen, zog er sich in den achtziger Jahren aus der Branche zurück, um sich ganz der Kunst zu widmen. Der Vater hatte deutsche Expressionisten gesammelt, der Sohn setzte sich davon ab und auf die Gegenwartskunst.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Alles begann 1968 mit einem roten „Concetto spaziale“ Lucio Fontanas. Burda konzentrierte sich fortan wesentlich auf deutsche Kunst nach 1960, darunter Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Neo Rauch. Heute umfasst seine Sammlung mehr als tausend Werke, bis hin zu den jüngeren Zeitgenossen. Dass er nie auf Kunst als Spekulationsgut gesetzt hat, wird da erkennbar. Vor allem aber daran, dass er 1998 als alleiniger Stifter die gemeinnützige „Stiftung Frieder Burda“ gegründet hat, zu der die gesamte Sammlung gehört. Weil er sie der Allgemeinheit zugänglich machen wollte, baute er ihr auch ein Museum in Baden-Baden an der Lichtentaler Allee. Im Herbst 2004 wurde das elegante Haus des New Yorker Architekten Richard Meier eröffnet.

          Nie die öffentliche Hand behelligt

          Gar nicht hoch genug zu preisen ist Frieder Burda dafür, dass er mit seinem unermüdlichen Engagement für die Kunst und mit seinem Privatmuseum, wo zudem immer wieder wichtige Wechselausstellungen stattfinden, nie – anders als andere vergleichbare Gründungsmodelle – die öffentliche Hand behelligt hat. Das Grundstück stellte das Land Baden-Württemberg zur Verfügung, aber die Stiftung bezahlte das zwanzig Millionen Euro teure Bauprojekt und kommt für alle Unterhaltskosten auf. Erst vor knapp drei Jahren gab Frieder Burda den Stiftungsvorstand ab, zu dem seither seine Frau Elke Burda gehört. Noch im Mai 2015 hatte die Burda-Stiftung Mark Rothkos kapitales Bild „No.36 (Black Stripe)“ von 1958 in New York versteigern lassen, um die Museumsfinanzierung dauerhaft zu sichern; es war das einzige abstrakte Gemälde Rothkos in der Sammlung. Der Erlös in Höhe von 36 Millionen Dollar floss vollständig in die Stiftung zurück.

          Frieder Burda hat eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas zusammengebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer ihm begegnet ist, weiß, wie zurückhaltend und freundlich er war, dabei voll ungebrochener Begeisterung, samt der Liebe zu seiner Heimat. Seine Stieftochter soll sein Lebenswerk fortführen. Am Sonntag ist Frieder Burda im Alter von 83 Jahren in Baden-Baden gestorben.

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