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Zum Tod Arno Rinks : Seine Entkleideten bleiben glatthäutig

Mit 76 Jahren starb der Maler Arno Rink in Leipzig. Bild: dpa

Orientierte sich Arno Rink in seinen Frühwerken noch am Surrealismus, prägte die Neue Sachlichkeit sein späteres Schaffen. Stets im Zentrum: der Akt. Nun verstarb der Maler in Leipzig.

          Mitten in den Vorbereitungen zu einer umfassenden Retrospektive, die das Leipziger Museum der bildenden Künste für das Frühjahr 2018 vorbereitet, ist der Maler Arno Rink sechsundsiebzigjährig nach längerer Krankheit in seinem Wohn- und Wirkungsort Leipzig gestorben. Obwohl sein Lebenswerk erst vor zwei Jahren in der Rostocker Kunsthalle aktuelle Aufmerksamkeit erzielt hatte, gründet die Wertschätzung des vormals sozialistisch-realistisch agitierenden Künstlers inzwischen auf seinem Engagement für einen Protagonisten der zweiten „Leipziger Schule“; als Lehrer der Kunstmarktgröße Neo Rauch.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Am 29. September 1940 im thüringischen Schlotheim geboren, studierte Arno Rink zwischen 1964 und 1967 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Bernhard Heisig, dessen Direktorat er 1987 übernahm und bis 1994 innehatte. Seine nicht selten metaphorisch überladenen Gemälde fanden feste Plätze in den führenden Kunstmuseen der ehemaligen DDR. Mit „Spanien 1938“ und dem die revolutionären Vorgänge in Chile reflektierenden „Canto Libre“ besitzt die Berliner Neue Nationalgalerie zwei überdeutlich an Salvador Dalís Surrealismus orientierte Frühwerke des später die Stilprinzipien der Neuen Sachlichkeit bevorzugenden Malers.

          Dem Dresdner Albertinum gehört seit 1982 Rinks wohl bekannteste Bildschöpfung, die „Große Versuchung“ mit einem zentral plazierten weiblichen Akt und dem Selbstporträt des Malers, jenem Sujet, das im Gesamtwerk eine bedeutende Rolle spielt – angefangen bei dem Konterfei eines unentschlossen blickenden Jünglings über den mit grimmiger Miene vor der Staffelei brütenden Künstler bis zur hochaufragenden Halbfigur vor der Kulisse des Flusses Arno in Florenz.

          Politik, Mythologie und Aktmalerei

          Neben dem Autoporträt dominiert im Œuvre von Rink, das gleichermaßen vom Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, Joachim Uhlitzsch, und dem rheinischen Privatsammler Peter Ludwig Förderung erfuhr, die Aktfigur. Im Gegensatz zu Willi Sittes brünstigen Liebespaaren bleiben Arno Rinks Entkleidete glatthäutig und linear betont. Zuweilen sucht er den Rückblick auf die großen Erotiker der Kunstgeschichte, besonders, wenn es provokativ „Nach Courbet“ heißt.

          Ihren Platz im Dresdener Militärhistorischen Museum fanden die vielfigurigen, hochpolitischen Kompositionen „Lied vom (roten) Oktober“ und „Der Tod des Kommunarden“. Wie die meisten ostdeutschen Künstler zog es Arno Rink in den achtziger Jahren mit Macht zur Gestaltung mythologischer Themen, zur Darstellung von Lot und dessen Töchtern, zu Judith, Diana und einem Ikarus, der am belebten Strand zum Sonnenflug aufbricht.

          1989, im Wendejahr, versammelt das „Wir sitzen alle im selben Boot“ überschriebene Großformat noch einmal stilistisch divergierende Mitstreiter um individuelle Handschriften nach der lähmenden Periode des Sozialistischen Realismus: Versammelt werden der feinsinnige Werner Tübke, der skeptische Wolfgang Mattheuer, der aufmüpfige Hartwig Ebersbach und der stramme Parteisoldat Willi Sitte. Sie alle lugen hinter einem Gitter hervor, dessen sinnfällige Instabilität den bevorstehenden Zusammenbruch anzeigt.

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