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Zum Tod des Malers Walter Womacka : Arbeiter und Bauern

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Er war einer der beliebtesten Künstler der DDR, Vorzeigebeispiel des sozialistischen Realismus und Fassadenmaler der Arbeiterstaates: Walter Womacka ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

          Walter Womacka war ein überzeugter Staatskünstler und gleichzeitig ein Volkskünstler. Er war einer der beliebtesten Maler der DDR. Seine oft biederen Motive kamen an, auch bei Margot Honecker und Walter Ulbricht. Womacka lehrte Georg Baselitz die Malerei. Doch ihre Lebenswege sahen gänzlich anders aus. An prominenter Stelle in Berlin prangt heute noch ein liebliches und gleichzeitig sehr charakteristisches Werk von ihm. Auf dem Alexanderplatz, zwischen DDR-Plattenbauten und umstrittenen Nachwendeexzessen, an einer Schnittstelle von neuem und altem Berlin, steht das Haus des Lehrers, und in überlegener Höhe glänzt akkurat restauriert sein umlaufender Fries „Unser Leben“ und erinnert an eine nun schon zwanzig Jahre untergegangene Gesellschaft und ihren Kunstgeschmack.

          Es zeigt den klassischen Sozialistischen Realismus par excellence – Kunst im öffentlichen Raum als Propagandamittel für kollektive Harmonie. Es ist ein Glücksfall, dass es erhalten blieb, ist es doch als historisches Zeugnis unbedingt erfahrenswert. Unter einem Baum steht eine junge Frau mit ihrem Kind, die einen Apfel in der Hand trägt, daneben zeigt ein Lehrer den Schülern, was zu lernen ist – ein Fernglas steht bereit, auf die Sterne gerichtet. Womackas Oeuvre wurde zu DDR-Zeiten als „Quell der Lebensfreude“ gelobt. Sein keusches Gemälde „Am Strand“ gehörte zu den beliebtesten Motiven der DDR, vielfach verwendet als Poster, Buchumschlag und Briefmarke.

          Auf einer Briefmarke zum zwanzigsten Jubiläum von Eisenhüttenstadt malte er eine Hand, die ein Taube in die Freiheit entlässt. In Arm- und Handfläche sind die Arbeiter emsig an ihren Maschinen und im Dienste des Sozialismus im Einsatz. Im Foyer des Palasts der Republik hing „Wenn Kommunisten träumen“ – der Titel ist Programm; ein junger Arbeiter, der selbstbewusst einer Hydra ins Auge schaut. In der DDR war er der Mann fürs Plakative. Womacka gab mit Leidenschaft seine Lebens- und Werkideologie weiter; er war Lehrer und von 1968 bis 1988 sogar Direktor der Kunsthochschule Weißensee. In seinen Memoiren bekennt er sich als „Überzeugungstäter“, der die DDR immer verteidigen werde. Womacka hatte bis ins hohe Alter ein Atelier am Spittelmarkt in Berlin und malte Stillleben, idyllische Landschaften und Stadtansichten. Menschen sind in diesen Bildern zu Nebendarstellern geworden. Geboren wurde Womacka am 22. Dezember 1925 in Obergeorgenthal, dem heutigen Horni Jiretin in Tschechien. Er studierte an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar. Am 18. September ist Walter Womacka im Alter von vierundachtzig Jahren in Berlin gestorben. Swantje Karich

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