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Zum Tod von Peter Beard : Von Elefanten, Dandys und schönen Frauen

2009 fotografierte Peter Beard den Pirelli-Kalender, hier feiert er auf einer Party in Berlin seine Veröffentlichung. Bild: Picture-Alliance

Halb Tarzan, halb Lord Byron: Der Modefotograf, der mit den Reichen und Schönen feierte, bleibt vor allem für seine Bildbände über die bedrohten Wildtiere Afrikas in Erinnerung.

          2 Min.

          Am Nachmittag des 31. März wurde Peter Beard zum letzten Mal gesehen, vor seinem Haus bei Montauk, am äußersten Ende von Long Island. Doch niemand konnte sagen, wohin er gegangen war. Richtung Ort, in die Heide, zur Steilklippe am Ende seines Grundstücks? Tagelange Suchaktionen blieben erfolglos. Und die Artikel, die amerikanische Zeitungen in den vergangenen Wochen veröffentlichten, lasen sich bereits wie vorausgeschickte Nachrufe. Jetzt wurde seine Leiche entdeckt. Im Wald, wohin sich Beard, der unter Demenz litt, vermutlich verirrt hatte.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Peter Beard war das, was man früher einen Lebemann genannt hätte, seine Biographie könnte man kaum besser erfinden. Als Sprössling einer Eisenbahndynastie war er nur seinen Launen gefolgt. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Yale ernannte er sich in Afrika zum Wildhüter, als Modefotograf in New York wiederum wurde er zum Mittelpunkt des Jetsets mit Andy Warhol und Truman Capote, Jackie Onassis und den Rolling Stones als Gästen in seinem Haus. Der Boulevardpresse lieferte er mit Skandalen und Eskapaden reichlich Stoff, der sich mit seinem kantigen Konterfei eines Dressmans perfekt illustrieren ließ – halb Tarzan, halb Lord Byron, wurde er bei Gelegenheit beschrieben. Man tut ihm nicht unrecht, wenn man einen Schuss Hemingway hinzugibt.

          Die Tiere vor den Menschen schützen

          Beard war keine zwanzig, als er zum ersten Mal nach Afrika reiste. Dazu inspiriert hatte ihn der Roman „Out of Africa“ von Karen Blixen. Einen Garten Eden allerdings fand er nicht; im Gegenteil. Dennoch wurde der Kontinent zu seiner Obsession. Im Schicksal der Elefanten entdeckte er seine Metapher für die Extreme des Lebens, um in seinem so großartigen wie dramatisch düsteren Buch „The End of the Game“ von Wildnis und Zivilisation, Schönheit und Grausamkeit, Leben und Tod zu berichten.

          Am Schnittpunkt von Reportage, Dokumentation und Kunst schlug Beard in diesem Abgesang den Bogen von einer idealisierten Vergangenheit bis in eine ernüchternde Zukunft. In mehreren überarbeiteten Fassungen legte er den Bildband von 1965 an etliche Male neu auf. Seine Schilderungen des Endes der frei lebenden Tierwelt haben in dieser Zeit an Aktualität immer nur dazugewonnen. „Vor fünfzig Jahren noch mussten die Menschen vor wilden Tieren geschützt werden“, schrieb er im Vorwort der Erstauflage, „heute muss man die wilden Tiere vor den Menschen schützen.“ Was in den gewaltigen Landschaften Ostafrikas geschah, nannte er „unsere Niederlage“. Dabei geht es in dem Buch um mehr als nur den Raubbau an der afrikanischen Natur. Es geht um das Missverständnis, Ressourcen seien unerschöpflich. Es geht um menschliche Verblendung. Im letzten Kapitel des Buchs zeigt Beard fast hundertfünfzig Aufnahmen von Elefantenkadavern. Grausamer geht es nicht.

          Dass Beard sich nicht scheute, mit gleichem Engagement die schönsten Frauen der Massai zu suchen und sie barbusig unter der stechenden Sonne der Savanne zu fotografieren, oder später wilde Tiere für Aufnahmen des legendär-erotischen Pirelli-Kalenders nur noch als Staffage nutzte, um mit langbeinigen Mannequins die Geschichte von der Schönen und dem Biest neu zu interpretieren, brachte ihm von Naturschützern den Vorwurf des Verrats und von der Kunstkritik den des Kitsches ein. Beard hingegen sprach in dem Zusammenhang lieber von einer Zerrissenheit, die ebenso ihn wie seine Arbeit bestimme. Nicht zuletzt seine Kladden geben davon Zeugnis: chaotisch wirkende Tagebuchcollagen mit Tausenden von Fotos, mit Blut und Farbe überschmiert und um schwungvoll geschriebene Texte ergänzt, in denen er intime Abenteuer verrät und Weltverschwörungstheorien ausbreitet. Peter Beard wurde zweiundachtzig Jahre alt.

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