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Rokokomaler François Boucher : Keusches Erröten kann sie nur vorgaukeln

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Hat er wirklich mit seinen Bildern die Sitten verdorben? Warum sich ein neuer Blick auf den Rokokomaler François Boucher lohnt, der an diesem Samstag vor 250 Jahren gestorben ist.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          An diesem Samstag vor zweihundertfünfzig Jahren, am 30. Mai 1770, starb François Boucher in Paris, wo er, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Rom, sein gesamtes Leben verbracht hatte. Er hatte zwar nie an der Akademie studiert, erhielt aber dennoch zahlreiche Aufträge von König Ludwig XV. und seiner offiziellen Maitresse, Madame de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson. Für das Chateau Bellevue, ein kleines Lustschlösschen, in dem die beiden sich auf halbem Weg zwischen Versailles und Paris treffen konnten, malte Boucher zwei Bilder der Venus. In einem nimmt die Göttin der Liebe ein Bad, im anderen rüstet sie sich für kommende Lustbarkeiten. Bekannter ist das zweite der beiden Gemälde, heute im New Yorker Metropolitan Museum, denn es zierte den Umschlag des Kataloges der letzten großen Ausstellung zu Boucher, die 1986/87 in New York, Detroit und Paris stattfand.

          Wir sehen eine unbekleidete junge Frau, die auf einer Chaiselongue Platz genommen hat. Ihre Sitzposition ist nicht genau auszumachen, weil sie wie auf Wolken zwischen allerlei Textilien schwebt: Seide, Samt und mit Goldfäden durchwirktem Damast. Von oben hängen beidseitig dunkelgrüne Stoffbahnen herab, knittrig und metallisch schimmernd wie in Picassos Bordellszene aus der Calle Avignon. Hinter diesem halb geöffneten Vorhang erkennt man einen Baum und eine seltsame geometrisch-abstrakte Skulptur auf einem hohen Sockel. Beides ist jedoch nicht echt, sondern nur Teil eines Bühnenbildes. Was aussieht wie Natur, wird künstlich vorgetäuscht. Das gilt auch für die Hauptperson. In den 1797 gedruckten, von Carl Friedrich Cramer übersetzten „Sämmtlichen Werken des Dionysius Diderot“ liest man, was dieser Kritiker an Bouchers Frauen bemängelt: „Er zeige sie mir, nackt, wie er will, ich sehe immer Schminke, Schönheitspflästerchen, Pompons, und allen Firlefanz des Putztisches an ihnen.“

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