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Belgien feiert Bruegel : „Wir sind kein Museum, wir sind ein Erlebnis“

Menschen wie wir: Besucher vor einer der Großprojektionen in der Ausstellung „Beyond Bruegel“ im Dynastiepaleis in Brüssel Bild: Imago

Gerade eine Handvoll der Gemälde Pieter Bruegel des Älteren befinden sich heute noch in Belgien. Also feiert das Land den flämischen Meister mit Ausstellungen, die vor allem digital bestechen.

          Wie feiert man einen weitgehend Abwesenden? Noch dazu, wenn für ihn gerade erst eine phänomenale Party andernorts geschmissen worden ist? Vor 450 Jahren starb in Brüssel Pieter Bruegel der Ältere, der volkstümlichste unter den Alten flämischen Meistern, und Belgien will ihn feiern. Nur: Besonders viele der rund vierzig seiner Gemälde, die die Zeiten überdauert haben, befinden sich nicht im Königreich, auch nicht die berühmtesten wie der „Turmbau zu Babel“, „Die niederländischen Sprichwörter“ oder „Die Bauernhochzeit“. Die meisten Werke hortet, Erbe der einstigen Habsburger-Herrschaft, das Kunsthistorische Museum in Wien, das vor wenigen Monaten seinen Bestand mit Leihgaben aus aller Welt zu der ersten großen monographischen Gesamtschau Bruegels des Älteren vereint hat. Dreißig Gemälde und sechzig Zeichnungen sowie Grafiken waren zu sehen. Das war einzigartig, das kommt so schnell nicht wieder. „Once In A Lifetime“ lautete nicht umsonst der Titel.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Daneben steht Brüssel mit gerade einmal vier Gemälden von der Hand des Meisters und zwei mit zweifelhafter Zuschreibung in den Königlichen Museen der Schönen Künste sowie einem Gemälde in Antwerpen nicht besonders prächtig da. Aber die Belgier machen aus der Not eine Tugend. Sie zeigen, was sie haben – beispielsweise einen stattlichen Bestand an Druckgrafiken –, ergänzen, was sie können, und stellen alles Weitere mit elektronischer Bildtechnik virtuell vor Augen.

          Schauen, staunen, fühlen

          Dass eine multimediale Annäherung besonders gut gelingt, wenn sie keinem einzigen Original vor Ort Konkurrenz macht, lässt sich in den Ausstellungssälen des Brüsseler Dynastiepaleis erfahren. Ausstaffiert mit Großbildleinwänden, sollen sie „Beyond Bruegel“, also über Bruegel hinaus führen – und doch eigentlich zu ihm zurück. Schauen, staunen, fühlen, lautet die Devise, wenn zur Einstimmung, von anachronistischer Klaviermusik Debussys begleitet, Details aus Werken des Künstlers auf monumentalen Projektionsflächen dahingleiten. Was in den Gemälden, den Zeichnungen und Drucken nur wenige Zentimeter misst, wächst meterhoch empor: Der auf einem Fass reitende Prasser aus dem „Kampf zwischen Karneval und Fastenzeit“ beherrscht den Raum, eine kopflose Missgestalt und tanzende Bauern aus Kupferstichen sind so stark vergrößert, dass jede Binnenlinie zum Ereignis wird. Mit Namen, Daten und Details werden Besucher bei diesem Intro nicht belastet. „Wir sind kein Museum, wir sind ein Erlebnis“, stellt der Ausstellungsführer klar.

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          Weitere Großprojektionen stellen in belgischen Museen befindliche Bruegels vor und bieten dazu Begleitinformationen. Die Schau gipfelt in einer immersiven Rundumprojektion, die den Zuschauer in die Bildwelten des Künstlers versetzt. Er wird praktisch selbst zur Figur im Fastnachtstumult, bei der Heuernte und unterm Galgen. Als Erzählerstimme tritt Bruegel selbst hinzu und umreißt sein Leben als das eines Spätrenaissance-Menschen in einer Zeit gewaltiger und gewaltsamer Umbrüche: Himmel, Erde und Menschen geraten in Bewegung; Religionskriege flammen auf, Frömmigkeit, Aberglaube und Wissenschaft konkurrieren, Rebellen erheben sich, ein Kaiser, in dessen Reich die Sonne nicht untergeht, dankt ab; Künstler entdecken die Antike, die Druckkunst revolutioniert den Wissenaustausch.

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