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Zaha Hadids Kunstmuseum in Rom : Sie sind doch schwindelfrei?

  • -Aktualisiert am

Das hatten viele Pessimisten wohl erwartet: Lotrechte Wände, an denen man Bilder aufhängen könnte, gibt es hier nicht. Und doch hat Zaha Hadid mit ihrem Kunstmuseum in Rom ein Meisterwerk der Museumsarchitektur geschaffen.

          Wie eine zusammengerollte Schlange liegt das neue Museum da, den Kopf gereckt in Richtung der umliegenden ockerfarbenen Mietshäuser, die sich in seinen Glasflächen spiegeln. Die schwingenden Bewegungen der nach innen geneigten Wandscheiben locken, Volumina staffeln und durchdringen sich in teils reizvollem, teils dissonantem Miteinander.

          Ein verglaster Verbindungsgang löst sich in spitzem Winkel aus dem Gebilde. Und dass die schweren Auskragungen auf dünnen Säulen zu ruhen scheinen, die an Orgelpfeifen erinnern, erhöht den Reiz der Verfremdung. Ein weiter Platz erstreckt sich zu Füßen des Baus, seine von weißem Schotter bedeckten kurvigen Schneisen erinnern an stillgelegte Bahngleise. Er verschmilzt mit seinem Umfeld und widersetzt sich entschieden der Tradition des Musentempels.

          Das ist durchaus beabsichtigt. Denn 1998 hatte das Kulturministerium vom Verteidigungsministerium die ehemaligen „Montello“-Kasernen nahe der Via Flaminia erhalten, um ein für jedermann offenes nationales Zentrum zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Gemeinsam mit Renzo Pianos spektakulärem neuem Auditorium soll es als „Kulturfabrik“ das zwischen dem Tiber und dem Hügel von Parioli gelegene Viertel zum neuen Anziehungspunkt machen.

          Aufwertung hatte das Quartier nötig, denn seit Pierluigi Nervi 1960 den berühmten Palazzetto dello Sport für die Olympischen Spiele errichtet hatte, war es in Lethargie versunken. 1999, fasziniert vom Erfolg des gerade eingeweihten Guggenheim-Museums in Bilbao, entschloss man sich zu einem internationalen Wettbewerb, in dem Zaha Hadid unter 273 Bewerbern mit knapper Mehrheit siegte. 2003 fand die Grundsteinlegung des Baus statt, dessen Kosten auf die stolze Summe von 150 Millionen Euro kletterten - und der nicht von heftiger Polemik verschont blieb.

          Ein integrativer, in alle Welt wirkender städtischer Campus

          Das Museum ist nicht nur der Kunstbetrachtung gewidmet, sondern soll auch Studien fördern, Experimente und neue künstlerische Konzepte. Einmal mehr soll sich zeigen, dass Italien in der zeitgenössischen Kunst eine führende Rolle spielt und seine grandiose Vergangenheit im heutigen Schaffen weiterwirkt. Kunst wird hier als Medium aufgefasst, das neuen Denkmodellen und sozialen Ausdrucksformen vorausgeht, gesellschaftliche Konflikte und Umwälzungen sichtbar macht und als universale Sprache den Dialog von Nationen, Mentalitäten und Tendenzen ermöglicht.

          Das Museum und seine Umgebung also als integrativer, in alle Welt wirkender städtischer Campus: Für all dies erwies sich das zwischen Via Massaccio und Via Guido Reni gelegene Gelände als nahezu ideal. Deshalb schufen Zaha Hadid und ihr Team das Gebäude auch nicht als Solitär, sondern integrierten es: Das Museum respektiert in seinen Ausmaßen die ehemaligen Kasernen, von denen, als diskrete Erinnerung an die Vergangenheit des Ortes, Teile in den Neubau übernommen wurden. Zugleich ist der Bau so plaziert und dimensioniert, dass er von den umliegenden höheren Bauten wie von einer Aureole wirkungssteigernd gerahmt wird.

          Ein grandioses Szenarium schwebender Treppenrampen

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