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Konzeptkünstler Danh Vo : Die Sache mit dem Gold

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Auch in Köln und Venedig wird das Werk des jungen Konzeptkünstlers Danh Vo gefeiert. Doch welche Geschichten bieten seine anspielungsreichen Objekte jenen Betrachtern, die nicht Teil des Betriebs sind?

          Was ist das eigentlich, so ein Pappkarton, der mit Blattgold beschriftet wurde? Warum sieht der so aus, wie er aussieht? Und was sollen Museumsbesucher damit anfangen? Der Pappkarton ist Teil der Ausstellung des 1975 geborenen Künstlers Danh Vo im Kölner Museum Ludwig. Die Schau trägt den Titel „Ydob eht ni mraw si ti“, ein Zitat aus dem Horrorfilm „Der Exorzist“, das man, wie ja bei satanischen Botschaften üblich, rückwärts lesen muss, damit es Sinn ergibt. Also? Fertig? Genau: „It is warm in the body.“ Zwei weitere Ausstellungen von Vo sind außerdem derzeit in Venedig zu sehen, auf der Biennale. Dort hat er den dänischen Pavillon gestaltet und außerdem die Punta della Dogana kuratiert, das Privatmuseum des französischen Unternehmers François Pinault.

          Über Danh Vo kursieren zwei Geschichten, die nicht unbedingt zusammenpassen. Die erste: Danh Vo, ein ehemaliger Student der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen und der Frankfurter Städelschule, zählt derzeit zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart. Er zeigt seine Kunst in renommierten Institutionen und hat den Hugo Boss Prize gewonnen, den das Modeunternehmen zusammen mit dem Solomon R. Guggenheim Museum vergibt. Seine Preise ziehen an.

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          Zu sagen, die Sammler rissen sich um seine Werke, trifft nicht ganz den Sachverhalt. Zuletzt wurde auf einer New Yorker Auktion ein Objekt für mehr als eine halbe Million Euro zugeschlagen, wobei es sich wieder um einen mit Gold beschichteten Pappkarton aus dem Jahr 2011 handelte, dieses Mal allerdings ungefaltet. Dass ein derart junges Werk nicht nur gekauft, sondern bereits weiterverkauft wird, ist ein Zeichen dafür, dass Spekulationen im Gange sind. Eingereicht wurde es von einem Sammler, mit dem Vo im Streit liegt: Der Holländer Bert Kreuk besteht auf einem Vertrag, nach dem ihm ein neues Werk von Vo versprochen worden ist. Der Künstler hatte ihm dagegen einen seiner bereits produzierten Goldkartons mit dem Titel „Fiat Veritas“ überreicht. Ein Gericht gab kürzlich dem Sammler recht.

          Dicke Babybeinchen eines Putto

          Jetzt aber die zweite Geschichte: Nach eigenen Angaben floh Danh Vo, zusammen mit seinen Eltern, als Kind von Vietnam nach Europa. Als „Boat People“ trieben sie über den Ozean, ein Tanker griff sie auf, Teile der Familie landeten in Dänemark, andere in Deutschland. Die Geschichte der Flucht und Einwanderung ist das, was alle seine Werke verbindet. Ein Beispiel, das gerade in Venedig in der Punta della Dogana zu sehen ist: „Oma Totem“, ein Readymade aus dem Jahr 2009, für das Vo sämtliche Objekte zu einem Turm stapelte, die seine Großmutter im Rahmen eines Förderprogramms für Einwanderer in Deutschland erhielt. Eine Waschmaschine, ein Kühlschrank und Fernseher gehören dazu, die nun aufeinander wie ein ungelenker Willkommensroboter aussehen, noch dazu einer, der, gleich einem Priester, ein großes Kreuz auf der Brust trägt - die Familie ist katholisch.

          Wenn bereits dieses recht eingängige Readymade eine Geschichte braucht, verlangen die in Köln ausgestellten Objekte einen leidenschaftlicheren Erzählungskuss, um zum Leben erweckt zu werden. Zu sehen ist unter anderem die Skulptur „We the People, Armpit“, ein Kupferungetüm von mehreren Meter Höhe, das ein riesiges Vorbild hat, die Freiheitsstatue nämlich. Das Kölner Fragment gehört zu einer Werkgruppe von 250 Teilen, die im Maßstab eins zu eins ebendie Freiheitsstatue nachbilden. In der Ausstellung ist der Abschnitt Achselhöhle zu sehen. Weniger aufwendig sind zwei lange Äste, die, ausgeblichen und glattgewaschen, Strandgut sein könnten, wobei zwei austreibende Zweige in Skulpturfragmente münden, etwa in den hölzernen Unterkörper samt dicken Babybeinchen eines alten Putto.

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