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Das neue Pergamon-Panorama : Jetzt wirkt die Szenerie gewaltsamer

Auch im neuen Pergamon-Panorama schweift der Blick von der Brüstung der Moderne über die antike Welt. Eine wichtige Details wurden dafür nachgebessert. Bild: dpa

Verbundlösung: Ein neuer Ausstellungsbau an der Museumsinsel vereint Yadegar Asisis Panoramabild und die Kunst des Hellenismus. Im Vergleich zur sieben Jahre alten Fassung haben sich bedeutsame Details verändert.

          Blut fließt am Pergamonaltar. Es tropft auf die Umrandung des Opfersteins, auf dem die Innereien der geschlachteten Tiere brennen, es färbt die Stufen, die zu der Weihestätte hinaufführen, und bildet rote Lachen auf den Bodenplatten des Vorplatzes. Dort werden gerade zwei Schafe zerteilt. Ein Ochse wird mit Stangen und Stricken zur Schlachtung getrieben. Beißender Rauch steigt vom Altarfeuer in den Himmel. Von unten nähert sich eine Dionysienprozession der weitläufigen Anlage. Es ist ein Frühlingstag des Jahres 129: Hadrian, der Kaiser des Römischen Reiches, weilt auf Staatsbesuch in der Stadt der Attaliden. Wieder einmal.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das Pergamon-Panorama von 2018 ist ein Déjà-vu und ein Neustart. Schon vor sieben Jahren hat der Architekt und Fotokünstler Yadegar Asisi seine Rundumansicht der kleinasiatischen Metropole zur Zeit Hadrians in Berlin gezeigt. Inzwischen haben sich einige bedeutsame Details verändert. Im Panorama von 2011 war der Altar von einem Baldachin gekrönt, der Vorplatz besenrein. Auch einen Sklavenmarkt, mehrere Dutzend Figuren und Teile der Bebauung am Fuß der Akropolis hat Asisi nachgetragen. Die Szenerie wirkt gewaltsamer als in der früheren Version, die Unruhe der Menge, die zur Feier des Weingottes zusammenströmt, überträgt sich auf den Zuschauer. Aus der Totale, dem establishing shot, wandert der Blick zu einzelnen Gruppen. Ein Liebespaar hält sich umschlungen, zwei Frauen begrüßen einander, ein Mann sitzt auf einem Dach. Auch aus der Arena unten im Tal steigt Rauch auf, aber die Ränge sind leer. Die Stadt in der Ebene wird in der Spätantike verfallen, nur der Burgberg bleibt bewohnt. Die Friese des Pergamonaltars verschwinden in der byzantinischen Festungsmauer. Im Jahr 715 verwüsten die Araber die Stadt, die Antike ist endgültig Geschichte. Doch bis dahin ist noch viel Zeit.

          Die wichtigste Neuerung betrifft den Standort des Panoramas. Die alte Rotunde mit dem Besucherturm in der Mitte stand isoliert im Innenhof des Pergamonmuseums. Die neue bildet den Kern eines eigenen temporären Museumsbaus. Seit 2014 werden Nord- und Ostflügel des Pergamonmuseums grundsaniert, die Arbeiten dauern noch sechs Jahre. Um die Stilllegung ihres besucherstärksten Hauses – zumal des Altars, der nicht transportierbar ist – zu kompensieren, hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegenüber der Museumsinsel ein gut hundert Meter langes und fünfzehn Meter breites Ausstellungsgebäude errichten lassen, das rings um das Panorama die wichtigsten beweglichen Stücke der Pergamonsammlung präsentiert. Die Firma Würth ist mit zwei Millionen an den Baukosten von sechzehn Millionen Euro beteiligt; im Gegenzug muss die Preußenstiftung das Gebäude zehn Jahre lang betreiben, damit der Investor seinen Einsatz zurückerhält.

          Eine Begegnung von Kunstwerk und Wimmelbild

          Die Sanierung der Museumsinsel wird dadurch ökonomisch abgefedert, denn jede Verzögerung verlängert die Laufzeit des Panorama-Baus. Wenn die erste Sanierungsphase dereinst abgeschlossen ist und die Arbeiten im Südflügel beginnen, sollen die Spitzenstücke der Babylon-Sammlung in den Schaukarton gegenüber umziehen. Dann könnte auch Yadegar Asisi ein neues Panorama mit dem Ischtar-Tor als Blickfang anfertigen. Unter den vielen Berliner Provisorien wäre dieses nicht das schlechteste, auch wenn man sich fragt, ob sich die Staatlichen Museen nicht allzu stark auf den Schauwert einer Simulation verlassen. Ein Wesenszug von Panoramen ist ja gerade, dass sie nicht von Dauer sind. Das Pergamon von 2018 könnte in sechs Jahren schon ziemlich alt aussehen.

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