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Gurlitt in Linz : Des Zauberprinzen faules Erbe

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Und noch mehr. Selbst der Hang zu Luxus-Privatinterieurs bleibt nicht unerwähnt. Fotos dokumentieren das „Neuschwanstein des Expressionismus“, das sich der Lebemann mit Hilfe eines Rudolf Belling einrichten ließ. Mit Walt Disney hätte man indes nun wirklich nicht gerechnet. Aber auch diese Ausflüge in die Traumfabrik gehörten zur unorthodoxen Praxis eines Mannes, der bedrohte Künstlerfreunde, wie etwa Eric Isenburger, unterstützte und seine jüdische Freundin Lilly Agoston, einen Prototyp der modernen Frau, mit einem Dänen verheiratete, um ihr zur Flucht zu verhelfen.

Was zunächst ehrenwert erscheint, ändert nichts daran, dass Agoston dank des Schachzugs als Ausländerin in der Schweiz im Auftrag von Gurlitt erst der Handel mit Raubkunst überhaupt möglich war. Sieht man von den ausgestellten Schauwerten ab, fällt sogleich auf, wie nonchalant die weniger glamouröse Rolle dieses wendigen Mephistos abgehandelt wird. Da bleibt die Lektüre des opulenten Katalogs nicht aus, auch wenn von den 25 Beiträgen gerade mal vier explizit Gurlitts Verstrickungen abhandeln.

Raubkunstbestände in Bad Ausee

Elisabeth Nowak-Thaller legt den Fokus auf die Auktionen der Galerie Fischer in Luzern, die „entartete Kunst“ zu Schnäppchenpreisen verschleuderte. Hildebrand und Wolfgang waren hier Stammkunden. Etliches tauchte später im Lentos wieder auf, etwa Kokoschkas „Die Freunde“, die 1941 für lächerliche 50 Reichsmark verkauft wurden. Michael John schildert, wie auch noch nach dem Ende der NS-Herrschaft „arisierte“ Kunstobjekte in den Besitz der Stadt Linz gelangen konnten. Birgit Schwarz lotet aus, wie Gurlitt, vom Gau-Personalamt der NSDAP als „unzuverlässiger Vierteljude“ eingestuft, sich ohne moralische Berührungsängste neue Geschäftsfelder erschloss und selbst nicht vor dem „Sonderauftrag Linz“ haltmachte, einer informellen Organisation, die Hitler persönlich unterstellt war mit dem Ziel, sein „Führermuseum“ zu beliefern.

Höhere Ambitionen hat er bei der Vermittlung von Raubkunst im Gegensatz zu Hildebrand offenbar nicht entwickelt, denn auf einige der Gemälde, die er später Linz vermachte, hätten wohl zuvor schon die Sonderbeauftragten gerne Zugriff bekommen, darunter Hitlers Lieblingsmaler wie Anselm Feuerbach, Arnold Böcklin oder Caspar David Friedrich.

An anderer Stelle zeigte sich Gurlitt weniger zimperlich. Noch vor der Zerstörung seines Berliner Bilderlagers übernahm er 1939 die unter Preis versteigerte Sammlung Loewenthal. 1990 wurde bereits eines der Loewenthal-Werke, das sich im Lentos befand, restituiert. Zwangsversteigertes aus dem Dorotheum fand ebenso den Weg zu ihm wie Unverkäufliches aus dem Auktionshaus Lempertz. Mit dem Umzug nach Bad Aussee, wo Hitlers Kunstschätze im Salzbergwerk lagerten, bekam er schließlich direkten Zugriff auf enorme Raubkunstbestände.

Viele der in diesem Kontext gemachten Kontakte erwiesen sich nach Kriegsende mehr als nützlich. Etwa zu Justus Schmidt, der für den Gau Oberdonau in Paris jüdische Sammlungen durchforstete und 1943 zum Depotverantwortlichen im Salzkammergut aufstieg. Der spätere Befürworter der Neuen Galerie in Linz sorgte dafür, dass Gurlitts Name bei der Vergabe der Direktorenstelle an die erste Stelle rückte.

Wolfgang Gurlitt. Zauberprinz. Im Lentos Kunstmuseum, Linz; bis zum 19. Januar 2020. Der Katalog im Hirmer Verlag kostet 39 Euro.

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