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Ein Genie wird eingemeindet : Wo Leonardos Ideen herkamen

Von ihm hätte sich Mussolini liebend gern Wunderwaffen erfinden lassen: Bei dem Plakatgestalter Giorgio Muggiani wird Leonardo 1939 zum Überitaliener und Fackelträger der Bewegung. Bild: Abbildung aus dem Katalog

An diesem Donnerstag jährt sich sein Todestag zum fünfhundertsten Mal: Mit da Vinci steigt Rom in Konkurrenz zu den Künstlerausstellungen von Florenz und Paris tief in die Wissenschaftsgeschichte ein – mit einigen politischen Umdeutungen.

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          In Zeiten wie diesen kommt ein Genie, auf das sich alle verständigen können und das sich nicht mehr wehren kann, gerade recht. Zweifellos war Leonardo da Vinci ein solches, und zwar ein so großes, dass man ihn in der Optik eines Tortendiagramms in ausreichend viele Segmente aufteilen kann, um entsprechend viele Plätze in seinem Glanz anzubieten. In Rom hat es die populistische Regierung vorgemacht und Leonardo einmal mehr dazu benutzt, um italienische Größe in die Welt zu tragen. Regierungschef Guiseppe Conte und sein Vize Matteo Salvini gefielen sich im März bei der Vorstellung der großen Leonardo-Welle in Superlativen. Salvini erkannte gar einen Italian Dream, den das Multitalent aus der Toskana verkörpere – „Wenn du einen Traum hast, kannst du es schaffen“.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Dass Leonardo diesen Traum auch dadurch lebte, dass er es sich nicht auf Gemeinplätzen bequem machte, sondern das betrieb, was man heute vernetztes Denken und lebenslanges Lernen nennt, wäre der Kundschaft schon schwieriger zu vermitteln gewesen. Im Wettlauf um Eingemeindung hat sich die italienische Hauptstadt für einen Ansatz entschieden, der den Wissenschaftler Leonardo ins Zentrum rückt. Wobei die Ausstellung in den Scuderie del Quirinale gleich zu Beginn deutlich macht, dass Leonardo gerade die Malerei als Wissenschaft verstand. Und zwar als eine überlegene, weil sie die Werke der Natur abbildet und nicht die von Menschenhand geschaffenen. Womit er nach unseren heutigen Maßstäben gar kein Wissenschaftler wäre.

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