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Wirtschaftswunder-Architektur : So hell kann’s gehen

Er sorgte für Durchsicht und tilgte Erker und Türmchen: Eine Schau in München widmet sich dem Wirtschaftswunder-Architekten Paul Schneider-Esleben.

          „Allgemein Sehenswertes in New York“: An erster Stelle der Liste stehen ein nicht näher bezeichnetes „Gutes Krankenhaus“ sowie der „Bus-Bahnhof“, also das 1950 vollendete Port Authority Bus Terminal zwischen der 40. und der 41. Straße. Es folgt das „Museum of modern arts“. Bei der Metropolitan Opera ist vermerkt, dass Generalintendant Bing „ein gebürtiger Österreicher“ sei. Die Besucher sollten nichts verpassen und sich nicht nur auf ihrem Fachgebiet weiterbilden. Daher der letzte Ratschlag auf dem mit der Maschine beschriebenen Blatt: „Zeitschrift besorgen mit allen Notizen über Vorträge, Kino, Theater, Ausstellungen etc.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Architekt Paul Schneider-Esleben reiste 1956 in Begleitung seines Kollegen Egon Eiermann einen Monat lang auf Kosten der Mannesmann AG durch die Vereinigten Staaten. Schon 1954 hatte Schneider-Esleben den Wettbewerb für die neue Mannesmann-Hauptverwaltung am Düsseldorfer Rheinufer gewonnen. In der schmalen Lücke zwischen dem spätwilhelminischen Vorgängerbau von Peter Behrens und dem Landeshaus, einem ebenfalls in Sandstein ausgeführten Behördengebäude aus derselben Zeit, sollte das erste europäische Stahlskelett-Hochhaus mit Glasfassade entstehen. Das Jurymitglied Paul Bonatz, Jahrgang 1877, hatte im Modell des 1915 geborenen Wettbewerbssiegers „die Zukunft von Architektur“ erkannt. Von den in Amerika tätigen Pionieren des neuesten Bauens wollte sich Schneider-Esleben in die technischen Erkenntnisse zum Stahlleichtbau und zur Verschalung der Fassaden einweihen lassen, um seinen Auftraggebern die Errichtung eines standsicheren Baus garantieren zu können.

          Eine Leuchtvitrine für Gebrauchtwagen

          Obwohl Schneider-Esleben seine markantesten Bauten in seiner Heimatstadt Düsseldorf realisieren konnte, vermachte er sein Archiv dem Architekturmuseum der TU München. Nach der Inventarisierung des Nachlasses, des mit 30.000 Zeichnungen und fast noch einmal so vielen Fotografien umfangreichsten der Sammlung, zeigt man in der Pinakothek der Moderne jetzt im Jahr des hundertsten Geburtstags und zehnten Todestags von Paul Schneider-Esleben eine Ausstellung, die in ähnlich spektakulärer Weise erhellend wirkt wie das Werk, das ihm den Mannesmann-Auftrag eintrug: das Parkhaus der Firma Haniel von 1953, eine 1994 sanierte Leuchtvitrine, in der heute Gebrauchtwagen von BMW präsentiert werden.

          In Würdigung dieser Arbeit für einen privaten Bauherrn wurde ihm im Jahr der Amerikareise der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Während er also seine Sachen packte, um wie ein mittelalterlicher Wandergeselle die Großmeister seiner Zunft aufzusuchen, stand er in einer Preisträgerliste neben Ernst Wilhelm Nay (nicht Max Ernst, wie im Katalog steht) und dem vor der Verleihung verstorbenen Gottfried Benn. So sehr begeisterte man sich in der jungen Bundesrepublik für die Idee der Mobilität, die Verheißung der Helligkeit und die Anmutung des Schwerelosen, dass der Zweckbau der Düsseldorfer „Lichtgarage“ in den Illustrierten als Emblem einer neuen Heiterkeit gefeiert wurde.

          Hier fällt Sie die Leere an

          Sorgfältig sammelten die Sekretärinnen von „PSE“, wie Schneider-Esleben in seinem Büro genannt wurde, die Zeitungsausschnitte. Ähnlich instruktiv, was die Zeitstimmung angeht, sind die Aktenstücke aus der Geschäftskorrespondenz. Eine deutsch-türkische Handelsgesellschaft wollte 1953 ein Parkhaus für Istanbul bestellen, das im Wiederaufbau begriffene Neu-Rom: „Istanbul ist auf 7 Hügeln gebaut und kann durch dieses Objekt Weltruf erlangen.“ Der kurze Brief, in dem Eero Saarinen 1956 den deutschen Besuchern mitteilte, dass sie ihm in Detroit willkommen seien, musste Wort für Wort aus dem Englischen übersetzt werden. Allerdings vereinfachte es die Kommunikation, dass etwa Mies van der Rohe, den Schneider-Esleben und Eiermann in Chicago trafen, ein gebürtiger Deutscher war.

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