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Wird der Dom bedrängt? : Gefechtslärm um das größte Gotteshaus

Spektakuläre Entdeckung in einer historischen Untersuchung: Ein alter Vertrag besagt, dass das Römisch-Germanische Museum und das Museum Ludwig in Nähe des Kölner Doms gar nicht hätten gebaut werden dürfen. Soll man nun alles abreißen?

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          Im neuen Masterplan für die Kölner Innenstadt kommen der Dom und seine Umgebung nicht vor. Das Wahrzeichen ist unantastbar. Dabei liegt auch hier manches im Argen. Zwar hat die breite, durchgängige Treppe, welche die drei verwinkelten Aufgänge mit ihren Angst- und Schmuddelecken an der Nordseite ablöst und den Aufstieg vom Bahnhofsvorplatz begradigt, das Entrée in die Stadt aufgewertet, doch schreit (und stinkt!) die Ostseite, wo es um das Baptisterium drunter und drüber geht, schon lange nach einer Neuplanung. Nicht sehr viel besser steht es um die Aufenthaltsqualität auf der Südseite, wo der Roncalliplatz von Rikschas, Bimmelbahnen und Skatern befahren wird, die mit rasanten Kürläufen, gewagten Sprüngen und fliegenden Brettern Touristen das Fürchten lehren.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Kaum hatte das Architekturbüro Albert Speer & Partner seine städtebaulichen Leitlinien (siehe auch Neue Dimensionen für die Kölner Stadtplanung: Albert Speer legt seinen Masterplan vor) vorgestellt, wurde der weiße Fleck in ihrer Mitte auch schon eingekreist. Der Zentral-Dombau-Verein (ZDV) meldete sich zu Wort und forderte nicht zum ersten Mal eine „würdige Umgebung“ für die Kathedrale. Dabei zog er zur Überraschung auch stadtgeschichtlich versierter Köpfe einen Trumpf aus dem Ärmel, der die Diskussion neu befeuert.

          Würdige Umgebung zum Verweilen

          Denn die Untersuchung, mit der er die Bonner Historikerin Carolin Wirtz beauftragt hatte, förderte spektakuläre Dokumente zutage. Anhand der Korrespondenzen, Briefe, Sitzungsprotokolle und Kaufverträge, die sie in den Archiven der Dombauverwaltung und des Erzbistums gesichtet hat, weist Wirtz nach, dass die Stadt Köln schon vor mehr als hundert Jahren Verpflichtungen eingegangen ist, die bis heute gelten (sollten). Hatte der ZDV, als er die Ankäufe der Grundstücke für - so der genaue Preis - 4.982.597,14 Mark (entspricht etwa 400 Millionen Euro) finanzierte, doch die Bedingung gestellt, niemals eine Bebauung der Freiflächen zu gestatten.

          Schon kurz nachdem der Weiterbau 1842 endlich angegangen (und der damals noch mit „C“ geschriebene Central-Dombau-Verein gegründet) worden war, wurde die Forderung ein Thema. Die dichte und enge Bebauung, die teilweise bis an die Mauern des Doms reichte, sollte beseitigt, ein modernes Stadtbild, das seine repräsentativen Gebäude herausstellt, realisiert werden. 1863 gingen Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft und Feuerversicherungs-Gesellschaft Colonia mit gutem Beispiel voran und schenkten ihre Grundstücke am Dom der Stadt unter der Voraussetzung, die für das Unternehmen maßgeblich wurde: Köln verpflichtet sich, dem Dom „eine würdige Umgebung zu verschaffen und zu erhalten“, auf dass der Bürger sie wie einen öffentlichen Platz zum „Ein- und Ausgange und zum Verweilen daselbst“ erleben sollte. Reiten und Fahren waren ausdrücklich untersagt.

          Unerlaubte Bebauung des Freilegungsareals

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