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Deutsches Fotoinstitut : Eine Ahnung von etwas Großem

  • -Aktualisiert am

Zeche Zollverein in Essen: Hier könnte das Fotoinstitut entstehen. Bild: dpa

Die Machbarkeitsstudie für ein Deutsches Fotoinstitut liegt jetzt vor – und präsentiert ein detailliertes Konzept für Essen, von dem man befürchten muss, es könnte zu klein sein.

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          Womöglich ist eine Entscheidung gefallen. Dann müsste sich, wer einen vertiefenden und umfassenden Zugang zu Daten wie Objekten der jüngeren deutschen Fotografie erhalten will, künftig nach Essen orientieren. So jedenfalls lautet die Empfehlung des Ende vergangener Woche vorgelegten Standortgutachtens, mit dem eines der wohl wichtigsten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrer Amtszeit angestoßenen Projekte weiter Kontur annimmt.

          Es galt, zwei mögliche Standorte – Essen oder Düsseldorf – auf ihre Eignung für ein Bundesinstitut für Fotografie zu vermessen. Der Weg zur Entscheidung war steinig, die Frage, was die konkreten Aufgaben eines solchen Instituts sein sollten, umkämpft. Dass unterschiedliche Konzeptionen um Deutungshoheit rangen, lag daran, dass sich im Vorfeld neben einer von Grütters beauftragten Expertengruppe auch ein Verein zur Gründung und Förderung eines Deutschen Fotoinstituts e.V. rund um den Düsseldorfer Künstler Andreas Gursky in Stellung brachte, dieser sogar mit einer klaren Vorstellung für den Ort: das Gebäude- und Gartenensemble Ehrenhof in Düsseldorf. Die vom Kurator Thomas Weski geleitete Gruppe setzte indes in ihrem Abschlussbericht auf die Zeche Zollverein in Essen. Die Standortdebatte hatte bereits im Vorfeld ihrer Arbeit die konzeptionellen Fragen überlagert, und erst recht, nachdem zwei konkrete Standorte auf dem Tisch lagen.

          So verwundert es nicht, dass Grütters sich veranlasst sah, trotz der eindeutigen Empfehlung ihrer Experten den Standort Düsseldorf vorerst im Spiel zu lassen und mit einer Machbarkeitsstudie die emotional geführte Debatte etwas zu erden. Entsprechend technisch und trocken fällt sie aus, erstellt von der „pd“, dem „Inhouseberater der öffentlichen Hand“. Erfreulich ist zu sehen, dass sie sehr konkret in weiten Teilen der Debatte Rechnung trägt. So setzt sie an den drei Säulen „Archiv“, „Forschung“ und „Wissensvermittlung“ an, im Rahmen derer etwa neue Standards der Konservierung, Restaurierung, Digitalisierung und Neuproduktionen gesetzt werden sollen.

          Essen mit Forschungsvorteil

          Gleichermaßen steht die Aufnahme von Vor- und Nachlässen sowie deren Archivierung im Zentrum wie auch die Zusammenführung von Forschungsergebnissen in internationalen Kooperationen und deren Sichtbarmachung nach außen in Veröffentlichungen und kleinen Ausstellungen. Diese Aufgaben werden in der Studie in Personalbedarfe übersetzt, in Organigramme und Stellenpläne gegossen. Über Funktionsdiagramme wird Raumbedarf ermittelt bis hin zu einzelnen Regalmetern und Archivflächen, um so zum Wesentlichen vorzustoßen: Um alle Aufgaben eines Bundesinstituts abzudecken, braucht es Platz. Nicht nur weil das Gelände in Düsseldorf schlicht zu klein wäre, sondern auch weil Düsseldorf nicht die Forschungskontexte bereithält, wie sie in Essen mit Ruhrmuseum, Museum Folkwang, Folkwang Universität der Künste und Historischem Archiv Krupp gegeben sind, steht am Ende der Studie das eindeutige Votum für Essen.

          Trotz oder gerade wegen ihrer drögen Nüchternheit gewinnt die bisher eher abstrakte Debatte über das Bundesinstitut so an Kontur. Man erhält eine Ahnung davon, dass hier etwas Großes und Durchdachtes entstehen soll. Mit der Berücksichtigung bis hin zu Ruheräumen und Eltern-Kind-Zimmern im Bedarfsprogramm sieht man vor dem geistigen Auge eine Mitarbeiterschar durch Flure schlendern, an Werktischen und Regalen stehen und den Postwagen zwischen Forschungsabteilung und Schauwerkstatt schieben.

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