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Wilhelm Busch : Hundert seiner Bilder passen auf einen Rubens

An diesem Mittwoch vor hundert Jahren starb Wilhelm Busch. Seine Bildergeschichten haben ihn weltberühmt gemacht, doch sein malerisches Werk ist unbekannt. In Schleswig wird es jetzt spektakulär ausgestellt.

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          Er starb kurz nach acht Uhr morgens, und bis die Nachricht aus dem Pfarrhaus von Mechtshausen am Harz in die Welt gelangt war, dauerte es einige Tage. Dann wurde er als der größte Humorist und Bild-Erzähler deutscher Zunge und Feder gepriesen, und das nicht nur in Deutschland. Von dem Maler Busch aber kein Wort. Wie auch? Sein entsprechendes Werk war unbekannt, und Wilhelm Busch wollte es genau so.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Von einer Ausstellung dieses OEuvres, wie sie jetzt in der riesigen Reithalle von Schloss Gottorf stattfindet, hätte Busch deshalb nicht einmal geträumt. Ins Träumen jedoch bringt sie andere: die Besucher, die sich ausmalen können, was geschehen wäre, wenn Busch zu Lebzeiten diese Arbeiten jemals ausgestellt hätte. Und gewiss auch das Wilhelm-Busch-Museum von Hannover. Denn dort hat man zwar den weltweit größten Bestand an Busch-Zeichnungen, -Bildern und -Manuskripten, doch man kann platzbedingt nur einen Bruchteil davon zeigen. Zum ersten des aktuellen Doppelgedenktags - zum 175. Geburtstag des Künstlers im vergangenen Jahr nämlich - hatte man deshalb in Hannover gleich zwei Ausstellungen ausgerichtet: „So viel Busch wie nie“ und „Avantgardist aus Wiedensahl“. Um beide Schauen zusammenzufassen, reichte der Platz im Wallmoden-Palais, dem Domizil des Busch-Museums, nicht. Dazu musste erst die Gottorfer Reithalle her, in der das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum aus Anlass des hundertsten Todestags von Wilhelm Busch nun das Beste aus beiden Hannoveraner Präsentationen versammelt hat. Und diesmal trifft der gleich mit übernommene Titel auch zu - „So viel Busch wie nie“.

          Die Schätze liegen normalerweise unzugänglich in Hannover

          Insgesamt sind in Schleswig 178 Bilder, 86 freie Zeichnungen, elf Zeichnungen zu der 1883 erschienenen Bildergeschichte „Balduin Bählamm“ und - das Rarissimum der Schau - sämtliche Originalseiten von Buschs illustrierter Handschrift zu „Max und Moritz“ zu sehen. Letztere sind allerdings so empfindlich, dass über die Laufzeit der Ausstellung hinweg in zwei abgedeckten Tischvitrinen jeweils nur ein Kapitel gezeigt wird, beginnend natürlich mit dem bösen Streich, der die Witwe Bolte ihre Hühner kostet. Bis zum Ende der Laufzeit am 27. April werden dann nach und nach die weiteren Kapitel bis zum bösen Ende präsentiert. Diese Schätze liegen normalerweise unzugänglich in Hannover, und für die überaus großzügige Ausleihe dürfte es nicht unerheblich gewesen sein, dass der Direktor von Schloss Gottorf, Herwig Guratzsch, zu den profiliertesten Busch-Forschern gehört und früher einmal das Wilhelm-Busch-Museum geleitet hat.

          Diese Erfahrung mit dem Werk des Künstlers merkt man Guratzschs Konzeption der Ausstellung an. Es orientiert sich in groben Zügen an der Chronologie - sofern das bei Busch überhaupt möglich ist, der nur einen verschwindenden Anteil seiner Werke signiert und datiert hat. Bei seinen Bildergeschichten ist die Bestimmung des Entstehungszeitraums dank der Publikationsdaten und der zumindest in Teilen erhaltenen Korrespondenzen mit den Verlegern kein Problem, aber bei vielen Gemälden und Zeichnungen ist die Zuordnung zu bestimmten Lebensphasen immer noch umstritten. Deshalb sind, mit Ausnahme des Frühwerks, alle in Jahrzehnte gegliederten Werkblöcke, die in Schleswig gezeigt werden, unter Vorbehalt zu betrachten: Manches Bild mag doch nicht mit dazugehören.

          Großzügigste Motive auf Zwergenbildern

          Der Knalleffekt der Ausstellung ist die große Ostwand der Reithalle. Sie ist gewiss vierzig Meter lang, und darauf sind fünfundzwanzig Bilder, überwiegend aus dem Spätwerk, verteilt. In den letzten Jahren seiner malerischen Tätigkeit hatte Busch seine ohnehin schon kleinen Formate noch einmal reduziert; sein gesammeltes malerisches Werk, das trotz einiger dokumentierter Autodafés heute immer noch aus mehr als tausend Bildern besteht, dürfte insgesamt kaum die Fläche von einem Dutzend normaler Rubens-Gemälde einnehmen. So sind also an der turmhohen Ostwand fünfundzwanzig Bildchen, kaum eines davon breiter als zwanzig Zentimeter, aufgehängt, die jedes erst aufs Zehnfache oder mehr vergrößert werden müssten, um eine normale Museumsanordnung zu erreichen. Doch gerade durch diese Isolierung der winzigen Täfelchen wird für den Betrachter deren Rang zur Diskussion gestellt.

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