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Wiedereröffnung des MoMA : Von weiß und männlich zu People of Color

  • -Aktualisiert am

Blick in die Installation „Artist’s Choice: Amy Sillman—The Shape of Shape“. Bild: AP

Das umgestaltete MoMA erzählt lieber viele verschiedene Kurzgeschichten statt seiner eigenen Erfolgsgeschichte. Das macht das Museum nach dem millionenschweren Umbau auch inhaltlich vielfältiger.

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          Um es gleich vorwegzunehmen: Im neuen MoMA erinnert noch genug an das alte MoMA. Die rumpelige alte Rolltreppe, auf der sich die Besucher stauen wie in einem Kaufhaus, gibt es noch. Daneben gibt es aber auch großzügigere Treppen – und vielleicht werden auch die Aufzüge in Zukunft weniger überlaufen sein. Allerdings glauben Verfechter der Highway-Theorie („Mehr Autobahn-Spuren ziehen mehr Autofahrer an“), dass nun eher noch mehr Besucher die 25 Dollar Eintritt in Midtowns Kunst-Mekka zahlen werden. Gründe dafür gibt es genug. Die fünf Stockwerke wirken durch den Ausbau lichter und offener, der Eindruck von Enge ist weg. Es gibt sogar mehr Plätze zum Sitzen. Überhaupt ist das Museum bemüht, die gewisse Strenge ein wenig abzuschütteln, die auf Puristen stets besonders attraktiv wirkte, andere Menschen aber auch abschrecken konnte.

          Der Umbau des Museums kostete 450 Millionen Dollar. Über 3700 Quadratmeter hat man so hinzugewonnen und kommt nun auf über 16.000 Quadratmeter Fläche allein für Ausstellungen und Veranstaltungen. Seit seiner Gründung 1929 baute das MoMA immer wieder um und expandierte, galt als „das Museum, das den Block frisst“. Diesmal musste, unter großen Protesten, das „American Folk Art Museum“ nebenan weichen, das man kurzerhand kaufte und abriss. Die Architektenbüros Diller, Scofidio + Renfro und Gensler schufen ganze neue Gebäudeflügel, auch am Fuße eines neuen Apartment-Hochhauses.

          Gezielte Ankäufe jenseits der Kunstmarkt-Dominanz

          Als sechs Chefkuratoren darangingen, ein neues Konzept für das Museum zu entwerfen, war schnell klar, dass die Chronologie der Kunstgeschichte seit 1880, wie sie bislang Stockwerk für Stockwerk präsentiert wurde, eingehalten und gleichzeitig gezielt durchbrochen werden sollte. Bislang war die Entwicklung der Moderne, die das MoMA präsentierte, strikt anhand der verschiedenen „Ismen“ durcherzählt worden, Expressionismus, Kubismus und so weiter. Und sie war vor allem weiß und männlich, was immer wieder zu Protesten führte. Nun werden die einzelnen Epochen in vielen Räumen anhand von Themen erzählt – die „Stadt als Bühne“ zum Beispiel oder „Von Suppendosen zu Fliegenden Untertassen“.

          Dass die Entwicklung von Kunst nicht nur linear erzählt werden kann, dass nicht alles kanonisierbar ist und dass Europa und Nordamerika doch nicht der Mittelpunkt der Welt sind – diese Erkenntnisse wollten die Kuratoren bei der Neugestaltung umsetzen. Schnell wurde klar, dass man dafür Werke dazukaufen musste. Rund dreißig Prozent der Gemälde, Skulpturen und Fotografien, die bei der Eröffnung am 21. Oktober zu sehen sein werden, sind in den vergangenen fünf Jahren hinzugekommen. Wie viel Geld das kostete, bleibt ein Geheimnis.

          Das Museum kaufte in den letzten Jahren gezielt Werke von People of Color und aus anderen Erdteilen an, ebenso von Frauen, die häufig erst spät gewürdigt wurden, weil der von Männern dominierte Kunstmarkt sie nicht förderte. Dazu gehört zum Beispiel die libanesische Künstlerin Saloua Raouda Choucair, die erst mit 97 „entdeckt“ wurde, als die Londoner Tate Modern ihr 1993 eine Retrospektive ausrichtete. Im vergangenen Jahr kaufte das MoMA Choucairs Skulptur „Poem“, die in den Jahren 1963 bis 1965 entstand. Eine Leihgabe, „Dove No. 2“, stammt von der Hilma-af-Klint-Stiftung. Die 1944 verstorbene Künstlerin war so gut wie unbekannt, bis das Guggenheim Museum ihr kürzlich die erfolgreichste Einzelausstellung seiner Geschichte widmete.

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