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Impulse aus Marrakesch : Afrikanisiert Euch!

Interessant ist, dass all diese Fragen gerade in der neuen afrikanischen Kunst verhandelt oder zumindest dort sichtbar werden; dass in der Kunst, im Schutz der Kunstfreiheit, revolutionäre kleine Modellversuche stattfinden – und dass diese Kunst schon deswegen interessanter ist als die übliche globale Messekunst, die sich allzu oft mit matt plakativen Kommentaren zur politischen Gesamtsituation oder mehrfach verknoteten Referenzen an Kunst, die ihrerseits schon andere Kunst zitierte, begnügt. Allein diese Erkenntnis macht das, was in Marrakesch versucht wird, zu einem Erfolg.

Umriss eines imaginären Museums

Man musste die politische Sprengkraft, die die 1:54 und die Nebenveranstaltungen haben, allerdings erst mal erkennen unter dem massiven Firnis aus Luxus und Dekadenz, der sich über die gesamte Veranstaltung legte, denn natürlich ist Marrakesch ein traditionelles Reiseziel für Leute, die sicher nicht zu einer Kunstmesse nach Monrovia gereist wären, und man staunte angesichts des geballten Aufmarschs von Pradabrillen, Range Rovern und in Afrika lebenden, aber weißen Galeristen, ob man es hier nicht doch mit einer relativ privilegierten, durch die Brille westlicher Betrachtungsweisen gefilterten Idee von afrikanischer Kunst zu tun hat. Wenn man zur Eröffnung des Museums für afrikanische Gegenwartskunst, dem MACAAL, fährt, führt der Weg über den Rasen des Al-Maaden-Golfressorts. Die Eigentümer des Museums sind Othman Lazraq und sein Vater, der Immobilienentwickler Alami Lazraq, die hier ihre Sammlung zeigen – darunter Romuald Hazoumés berühmte Masken aus Plastikkanistern, ein All-over-Painting von Serge Attukwei Clottey, das aus gelben, mit Draht zu einem Teppich verwobenen Plastikstückchen besteht, und eine Installation des Collective Zbel Manifesto, das den Raum ganz mit Verpackungen und anderem Zivilisationsmüll vollgestopft hatte, der, weil unschlagbar bunt, von den Vernissagegästen sofort als Lieblings-Selfie-Hintergrund ausgewählt wurde. Auf diesen Selfies, die sofort gepostet wurden, sah man dann: als Paul Bowles verkleidete Pariser Unternehmer; Sammlerinnen in seidenen Hommage-an-Yves-Saint-Laurent-Kleidchen; Russinnen, die sich vor der aus der Wüste herüberwehenden Abendkälte mit leichten weißen Nerzen schützten, die ihre Schultern bedeckten wie der Schnee das nahe Atlasgebirge: Kunstwelt hieß im MACAAL, dass Menschen in Kaschmir Kunst aus Plastikabfällen anschauen, bevor sie ordentlich feiern und am nächsten Morgen unchristlich früh vom Ruf des Muezzins aus dem Schlaf gerissen werden, um sofort wieder, wie nach einem unerklärlichen und bösen Traum, in die weichen Kissen zu sacken. Und trotzdem wäre es falsch, aus alledem zu schließen, dass die Gegenwartskunst auch hier nur noch ein kryptosinnstiftendes Entertainmentangebot für eine kleine, megasolvente Bevölkerungsgruppe sei.

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