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Kultur in China : Westliche Opern für das Volk

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Zum Glück für sie hat auch der neue Parteichef Xi Jinping, der sich ideologisch gern von allem „Westlichen“ abgrenzt, Respekt vor der klassischen westlichen Musik. Was vielleicht auch daher rührt, dass Xi Jinpings Ehefrau in jungen Jahren eine berühmte Sängerin der Volksbefreiungsarmee war. In seiner programmatischen Rede über Kunst und Kultur im vorigen Herbst sprach Xi Jinping wie einst Mao Tse-tung davon, die Kunst solle dem Volke dienen. Doch er erwähnte auch Beethoven und Wagner. Mit solch höchstem Segen darf Chinas Opernwelt optimistisch der Zukunft entgegensehen.

Erster rein chinesischer „Ring“

Yu Feng will für das Volk nun Wagner produzieren. Sei Ziel ist ein erster rein chinesischer „Ring“. Unterdessen vollzieht man in den Opernnachrichten den Kotau vor der politischen Linie, gibt Weisung, die Rede des Generalsekretärs zu studieren. Darin heißt es, die Nationale Oper gehöre der Partei und dem Staat. Außerdem liest man: „Wir arbeiten an der kulturellen Front der Partei, unsere Kunst muss dem Volk und dem Sozialismus dienen.“ Und: „Wir wollen gute kulturschaffende Mitarbeiter der Partei sein.“

In China wachsen junge Musiker und Sänger nach wie Pilze nach dem Regen. In den Konservatorien wird Deutsch, Italienisch, Russisch unterrichtet, damit in Originalsprache gesungen werden kann. Auch in Provinzmetropolen, die auf sich halten, entstanden in den letzten Jahren große neue Theatergebäude. Die Zentren der westlichen Oper bleiben neben der Hauptstadt Peking Tianjin, Schanghai, Guangzhou und Shenyang. Die Inszenierungen sind freilich konservativ, moderne Aufführungen würde hier niemand verstehen, versichern Opernfreunde.

Die Theater bemühen sich um ein junges Publikum. Nationale Oper und das Nationaltheater geben Gastspiele an Universitäten. Ihre Sänger und Musiker halten Vorlesungen in Schulen und Hochschulen, um die Jugend zur Oper hinzuführen. Beispielsweise die Sopranistin Li Jingjing, die sich von der großen Neugier und Anteilnahme der Studenten begeistert zeigt. Die Nationale Oper, die sich der revolutionären Tradition besonders verpflichtet fühlt, gastiert auch in ländlichen Gebieten und hat schon vor Bauern an Schauplätzen revolutionärer Ereignisse Opernarien aufgeführt.

„Die Jugend mag lieber Ausländisches“

Seit im Nationaltheater die Eintrittspreise gesenkt wurden, kommen auch viele Studenten, die mit ihrem Ausweis gute Karten für ein symbolisches Entgelt erwerben können. Die vielen Opern-Neulinge fallen Kennern freilich manchmal auch zur Last, denn viele unterhalten sich während der Vorstellung, rascheln mit Papier oder spielen auf dem Handy.

Konform der Parteiführung steht in den Opernhäusern viel Chinesisches auf den Programmen. Das eigene Kulturerbe soll ja gepflegt werden. Doch die westlichen Werke laufen der Peking-Oper oder der Kunju-Oper den Rang ab. „Die Jugend mag lieber Ausländisches“, klagt die Kunju-Sängerin Gu Weiying. Die alte Kunstform werde nicht mehr verstanden und vom Staat zu wenig gefördert.

Die Förderung der westlichen Klassik zielt nicht zuletzt darauf ab, international mitspielen zu können. Yu Feng, der chinesische Wagnerianer, entwickelt seine Oper gemäß einem Drei-Phasen-Plan. Auf die erste Phase mit ausländischen Gastspielen folgte eine zweite mit Koproduktionen, und in der dritten will er eigene Produktionen im Ausland präsentieren. Sein Ehrgeiz und die Liebe zu Wagner kennen keine Grenzen. Im kommenden Herbst will er zum ersten Mal in China die „Götterdämmerung“ auf die Bühne bringen. Derzeit leistet sich die Nationale Oper im Pekinger „Ei“ gerade ihr erstes Festival, das am vergangenen Donnerstag begonnen hat.

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