https://www.faz.net/-gqz-9zvn8

Kunstsammlung der Burdas : Eine feine Nachtmusik

  • -Aktualisiert am

Familienfoto: Franz, Hubert und Frieder Burda stehen 1982 im Garten der Schackstraße in München. Bild: Hubert Burda Media Archiv, Münch

Die Ausstellung „Bilder der Brüder“ in Baden-Baden zeigt, dass Sammeln von kräftigen Tönen dort seit über siebzig Jahren Familiensache der Burdas ist.

          4 Min.

          Gleich im ersten Saal von „Bilder der Brüder“ in Baden-Baden leuchtet als farbkräftiger Auftakt Ernst Ludwig Kirchners „Frauenkopf mit Sonnenblumen“ von 1906 im weißen Museumskubus Richard Meiers. Der Grundakkord des Tableaus mit kraftvollen Pinselzügen aus Orange, Gelb, Rot, Grün und dunklem Violett eröffnet eine Suite an Bildern in streng chronologischer Hängung ihrer Entstehung. Das ist eine ungewöhnliche Konzeption. Ungewöhnlich wie die farbig grundierenden Wände des Künstlers Carl Ostendarp, unten in Violett und Grünblau, was mit den Bildern korrespondierende Farbharmonien entstehen lässt.

          Die Kuratoren Patricia Kamp, eine Stieftochter Frieder Burdas, und Udo Kittelmann setzten die bereits vom verstorbenen Sammler und Museumsgründer Frieder Burda konzipierte Ausstellung fort. Der Zusammenklang aus starkfarbigen Expressionisten und farbigen Wänden mag gewagt erscheinen, überzeugt aber. Denn Ostendarps Wandfarben stimmen sich mit den Farben der Malerei gut ab und führen teils zu einer verstärkten Wirkung der Farben der Expressionisten.

          Hinter großen blaugrünen Koniferen und rotflammenden Rhododendren

          Der Schwerpunkt der Schau liegt auf dem deutschen Expressionismus. Damit setzte die Sammlertätigkeit des Senators Franz Burda nach dem Krieg ein. Darauf bauten die drei Söhne auf, ohne direkt daran anzuknüpfen. Als Kontrapunkt steht das Porträt der „Drei Gentlemen“ von Andy Warhol in seinen drei Farbfassungen am Entree jeder Etage. Kraftvolle Farben sowohl der Pop-Art als auch des Expressionismus passen gut zu einem auf Farbigkeit und in der Geschichte neue Druckverfahren setzenden erfolgreichen Medienunternehmen.

          Freilich erwarben auch die Brüder Burda, Hubert, Frieder und Franz Eugen; expressionistische Kunst. Vor allem erweiterten sie die Kollektion um weitere Beckmanns. Diese sind hier erstmals zusammen zu sehen. Teils greifen Beckmanns Bilder Motive aus Baden-Baden auf. Sie gehen zurück auf verschiedene Kuraufenthalte des Künstlers in den dreißiger Jahren. Werke also, die kurz vor seinem Exil und seiner Diffamierung als „entartet“ entstanden sind. Ein früher Beckmann, die noch recht konventionellen „Wanderdünen“ von 1908, sind der Frau mit Sonnenblumen benachbart. Gleich nebenan schimmert das intensive Blau von Kirchners Akt der Frau auf Sommerwiese von 1909. Früher hingen die Kirchners im Wohnzimmer des Senators in Offenburg. Bemerkenswert sind gerade die Baden-Baden-Bilder von Beckmann. Frieder Burda erwarb zunächst dessen eigentümlichen „Blick aus dem Fenster“, der vom Restaurant des Hotels Europäischer Hof lokalisiert werden kann.

          Sieht aus wie Sylt: Max Beckmann schuf „Nordsee III“ im Jahr 1937 als Ölgemälde auf Leinwand.

          Zwei Achsen der Trinkhalle, nahezu symmetrisch, tauchen hinter großen blaugrünen Koniferen und rotflammenden Rhododendren auf. Unterbrochen von einer Mittelsprosse des Restaurantfensters, vor dem wie aufgeklappt ein Spiegel das Gesicht einer Frau gibt und liegende Zeitungen auf den Ort des Geschehens verweisen. Rechts biegt sich steil schlängelnd der Weg zum Michaelsberg empor. Die finstere Grabkapelle des Fürsten Stourzda darauf ziert ein weiteres Exponat. Vor tiefgrauem Himmel rahmen schwarzgrüne Kiefern und Mammutbäume den fahl aufschimmernden Sakralbau aus rotem Sandstein und aschgrauem Marmor. Offensichtlich ein Regenbild, was die winzige schwarz gekleidete Frau mit Schirm und schwarzem Hund andeutet, deren Staffage etwas Symbolhaftes eignet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Karl von Rohr, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, während des Gespräch in der Vorstandetage der Deutschen Bank in Frankfurt.

          Deutsche Bank-Vize im Gespräch : Keine Fusion aus Angst vor Dritten

          Neben der Commerzbank und Wirecard steht die Deutsche Bank derzeit solide da. Karl von Rohr spricht darüber, wo die Corona-Krise Spuren hinterlässt, was er sich von der Bafin wünscht und warum die Bank Hilfe von Google braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.