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Herkules-Ausstellung : Im Dienste seiner Majestät

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Auch im Bette unbesiegt: Eine Heidelberger Ausstellung zeigt Herkules als Allerweltshelden. Das Prunkstück der Schau ist ein Gemälde eines französischen Barockmalers.

          2 Min.

          Einmal hatte sogar Herkules Homeoffice. Er war, wegen irgendeiner Mordgeschichte, Sklave bei Königin Omphale und versah, statt Menschen und Tiere zu erwürgen oder mit dem Knüppel totzuschlagen, Dienste wie Wolle zu spinnen, trug statt seines Löwenfells Frauenkleider und verweichlichte auch sonst.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Die mit sechswöchiger Verspätung eröffnete Heidelberger Herkules-Ausstellung präsentiert das Gemälde „Herkules und Omphale“, das der französische Barockmaler Laurent de La Hyre zwanzigjährig fertigte, als Prunkstück. Auch andere, Berühmtere haben diese wenig heldenhafte Episode gestaltet; aber hier konnte das Kurpfälzische Museum auf Eigenkapital zurückgreifen, während man ansonsten das Beste daraus machten musste, dass, aus einschlägigen Gründen, manches Leihgeschäft mit anderen Häusern platzte. Hier lümmelt der sagenhafte Mann wie ermattet auf einem niedrigen Stuhl, seine Blöße nur halb bedeckt, weibliche Zeigegesten markieren ein, gemessen an anderen, expliziteren Darstellungen, kaum noch schmeichelhaft zu verstehendes „Ecce Homo“.

          Filmmuskelprotz mit weniger zweifelhaftem Charakter

          Die Sage will es, dass Herkules (Herakles), Sohn des Zeus und der Alkmene, nachher treuer Diener von König Eurystheus und mehrmals verheiratet, seinem Würge- und Totschlaggeschäft beizeiten nachging. Schon im Alter von acht Monaten wurde er mit zwei Giftschlangen fertig. Eine Marmornachbildung zeigt den Säugling in seiner Wiege, die Augenbrauen in frühreifer Konzentration zusammengezogen. Von hier bis zur Apotheose, als die der Besucher das abfotografierte, das Herkules-Sternbild üppig illustrierende Deckenfresko im Palazzo Farnese (mutmaßlich) Giovanni Antonio da Vareses von 1574 zu sehen hat, war es ein langer, dem bärenstarken, jähzornigen und dem Trunk ja keineswegs abgeneigten Mann Kraft, Mut und Ausdauer abverlangender Weg.

          Zwölf Stationen unterschiedlichen Geschicklich- und Gefährlichkeitsgrades, darunter und besonders legendär der Kampf mit der neunköpfigen Hydra sowie mit dem Wachhund Zerberos, dazu die Säuberung des Augiasstalles, sieht der legendenhafte Parcours vor, bevor der Mann nach einem Flammentod immerhin als Halbgott und glücklich verheiratet seinen Platz im Olymp einnimmt. Heraus ragt hier, schon aufgrund seiner Systematik, der achtteilige Holzschnittzyklus von Gabriel Salmon aus der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, ein einziges Gewürge und Gekeuche, aus dem der Held durchweg siegreich hervorgeht.

          Nicht weniger eindrücklich der mit einem achtzehnteiligen Elfenbeintafelfries versehene (nachgebaute) Thron des Apostelfürsten Petrus, gestiftet von Kaiser Karl dem Kahlen um 875 nach Christus, Zeugnis einer auch im Mittelalter andauernden, aber umakzentuierten Heldenverehrung, die um 1700 vollends kanonisch wurde, wie die dem Umkreis Adriaen van der Werffs entstammende Tugendallegorie in Öl „Die Kunstschüler – Herkules erschlägt den Neid“ zeigt, bevor Leben und Taten des Sagenhaften im Porzellan bleibenden Ausdruck finden. Das zwanzigste Jahrhundert schließlich kennt Herkules dann vor allem als Filmmuskelprotz mit weniger zweifelhaftem Charakter. Unsere Pandemie wird er, so steht zu vermuten, gut überstehen; Vorerkrankungen sind bei dem Manne nicht bekannt.

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