https://www.faz.net/-gqz-9t8ac

Tagore als „entarteter“ Maler : Dabei kamen die Arier doch aus Indien?

  • -Aktualisiert am

Zwischen Introspektion und Expression: der Literaturnobelpreisträger und Einstein-Freund Rabindranath Tagore Bild: Bridgeman Images

Sieben Jahre lang währte die wechselseitige Wertschätzung von Tagore und Deutschland. Dann galt der Literaturnobelpreisträger den Nationalsozialisten als „entartet“ – als Maler.

          6 Min.

          In den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München befindet sich ein Aquarell, das in dunkel glühenden Farben einen schmalen, halb verschatteten Kopf darstellt. Der Ausdruck des Kopfes ist streng und archaisch, aber zugleich träumerisch-verinnerlicht. Motiv und Stil deuten auf einen expressionistischen Künstler von Rang und scheinen durch die Provenienz des Blattes bestätigt: Es wurde im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ am 16. August 1937 im Kronprinzen-Palais in Berlin beschlagnahmt.

          Obwohl Konfiszierungen expressionistischer Grafik durch die Nationalsozialisten in deutschen Museen 1937/38 zu Tausenden stattfanden, liegt dieser Fall anders. Er steht stellvertretend für die vagen Klassifikationskriterien „entarteter Kunst“ und dokumentiert darüber hinaus einen außergewöhnlichen künstlerischen Brückenschlag zwischen Westen und Osten in einer sich rapide globalisierenden Moderne. Die besonderen Ereignisse um dieses Aquarell schreiben ein außergewöhnliches Kapitel expressionistischer Wechselwirkungen zwischen Europa und Indien.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+