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Troja-Ausstellung in London : Was weiß der Dänenfürst von Achill?

  • -Aktualisiert am

Eine große Ausstellung im British Museum sucht die Spuren Trojas mit Hilfe der Archäologie und der Kunst – im heutigen Pakistan wie auf Lolland. In drei Abschnitten können Besucher die legendäre Stadt neu entdecken.

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          Blutrote Farbe trieft von einer Keilform herab, die zugleich den Buchstaben A und eine Speerspitze suggeriert. Unter wütenden Bleistiftstrichen sind in der unverwechselbaren Schrift Cy Twomblys die Worte „The Vengeance of Achilles“ auszumachen. Der Künstler hat die drei Meter hohe Leinwand mit dem unbändigen Zorn aufgeladen, von dem der mythische Held beim Tod seines geliebten Patroklos übermannt wird. Vor dem Gemälde sind drei der vierzig Skulpturen aus der monumentalen skulpturalen Nacherzählung der „llias“ aufgestellt, die Anthony Caro zu Beginn der neunziger Jahre aus groben Tonklumpen, Holzbrocken und geborgenen Metallstücken komponierte. Sein „Trojanischer Krieg“ habe eher mit der in den Jahren seiner Arbeit an dieser Installation in Bosnien zu erlebenden Brutalität zu tun als mit den homerischen Helden, „die wir angeblich bewundern sollen“, fand Caro, und stellte sich damit in die endlose Reihe der Künstler vieler Gattungen, die seit drei Jahrtausenden aktuelle Relevanz in den vor allem auf den Epen von Homer und Vergil basierenden Geschichten über den Trojanischen Krieg sahen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Bis heute ist nicht geklärt, ob das Troja oder Ilion Homers überhaupt existiert hat, und wo der genaue Standort liegt. Zwar stimmen die meisten Forscher inzwischen überein, dass er sich auf dem Hügel von Hissarlik an der Nordwestecke Anatoliens befindet, wo Heinrich Schliemann, der kräftig an seiner eigenen Legende strickte, 1873 glaubte, den Schatz des Priamos entdeckt zu haben, jenem Platz, von dem Lord Byron einige Jahrzehnte zuvor geschrieben hatte, er sei „wie gemacht für blut’ge Dramen“.

          Die Sinnlosigkeit des Krieges

          Fragen um den realen Hintergrund der homerischen Epen können allerdings immer noch Akademikerstreite von verblüffender Heftigkeit entfachen, die wie das Nachleben Trojas in Wort, Bild und Klang von der ungebrochenen Faszination des Stoffes zeugen. Um diese zu veranschaulichen, beginnt das British Museum in der großen Ausstellung „Troy: myth and reality“ seine Spurensuche zwischen Legende und Tatsache denn auch in der Gegenwart mit den künstlerischen Interpretationen von Twombly und Caro.

          Portrait des deutschen Kaufmanns und Archäologen Heinrich Schliemann, 1877, von Sidney Hodges
          Portrait des deutschen Kaufmanns und Archäologen Heinrich Schliemann, 1877, von Sidney Hodges : Bild: Claudia Klein/Staatliche Museen zu Berlin/dpa

          In diesem einleitenden, mit pfeifenden Windgeräuschen bespielten Raum spannen drei Tongefäße den Bogen zur Antike. Auf der schwarzfigurigen Amphore aus dem British Museum fängt der attische Vasenmaler Exekias den Moment ein, in dem sich Achill beim Töten Penthesileas in sie verliebt, eine der unzähligen Beispiele für die visuelle Umsetzung der oft ins Extreme getriebenen Wandlungen des Gefühls, welche Grundbedingungen des Menschseins kennzeichnen und den Sagen Gültigkeit verleihen. Daneben zwei verkohlte Töpfe der frühen Bronzezeit aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, die Schliemann in Troja ausgegraben hat. Ihre Brandspuren stammen nicht von den Verwüstungen des antiken Trojas, sondern von einem alliierten Bombenangriff im Frühjahr 1945. Sie führen die in der Ausstellung leitmotivisch wiederkehrenden Darstellungen von der Sinnlosigkeit des Krieges ein, die von dem erbitterten mythischen Kampf um Troja inspiriert werden.

          Das Nachleben Trojas

          In dem ersten von drei Abschnitten der Schau werden die Schlüsselmomente der trojanischen Sage, wie sie in den Dichtungen überliefert ist, anhand von antiken Artefakten erzählt, deren Herkunft dokumentiert, wie früh und wie weit diese durch die Entführung der schönen Helena ausgelöste Kette von Vorgängen verbreitet war. Ein Relief im graeco-buddhistischen Stil belegt, dass die Geschichte vom Trojanischen Pferd in Gandhara im heutigen Pakistan bereits im zweiten nachchristlichen Jahrhundert geläufig war. Die Attrappe wird auf Rädern in die Stadt gefahren, während Kassandra, deren Warnungen niemand hören will, die Arme verzweifelt ausstreckt.

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