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A.R. Penck in Dresden : Der Maler der Lücke

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A. R. Pencks LP-Cover für die Free-Jazz-Platte „Gostritzer 92“, eine steinzeitlich-futuristisch gemalte Weltmelodie von 1979 Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Das Albertinum Dresden zeigt unbekanntere Seiten des Künstlers A.R. Penck. Gezeichnet wird das Bild eines jungen Mannes, der sein Können zurückhielt, um im Strom der Ideen zu treiben.

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          Neulich im „Salon des Amateurs“, einem Düsseldorfer Szeneklub unter dem Dach der städtischen Kunsthalle: Ein buntes Völkchen traf sich, um an A.R. Penck zu erinnern, der im Oktober achtzig Jahre alt geworden wäre. Ehemalige Mitstreiter, die mit ihm noch zu Dresdner DDR-Zeiten Musik gemacht hatten, gaben Free Jazz, Studenten aus der Klasse des Akademie-Professors hatten ihre Bilder im Foyer der Kunsthalle gehängt. Gefeiert wurde eine Künstlerpersona mit unvergleichlicher deutsch-deutscher Biographie, deren Freigeist sich wenige hundert Meter weiter, in der laufenden Schau im Kunstpalast mit Malerei aus der DDR, in wenigen Bildern konturiert.

          Gleich 1961 malte Penck Bilder über die deutsche Teilung oder den Sturz eines Stalindenkmals, das umgehend durch das eines anderen Herrschers ersetzt wird. Die Gegenwart ist buchstäblich in Brand gesetzt, die Formensprache brüsk, reduziert auf wenige Striche und Pinselzüge; umso direkter teilt sich mit, was Gegenstand dieser Kunst sein soll: Eine dürre Gestalt balanciert auf brennendem Steg über einen Abgrund, der sich nicht nur in Deutschland auftut, sondern zwischen Ost und West insgesamt klafft und wohl auch die ganze Welt meint. Diese Malerei brilliert nicht mit Finesse und Peinture. Vielmehr streift sie die Tradition ab, entgrenzt sich entschieden und stößt vor den Kopf – damals in der DDR sicherlich noch heftiger als heute, da sie als Marke teuer gehandelt wird.

          Fremdeln mit Institution Akademie

          Feuer lodert übrigens häufiger in den frühen Bildern des 1939 in Dresden geborenen Künstlers, der als Kind noch mit eigenen Augen die Bombardierung im Februar 1945 gesehen hatte. Einmal züngelt es 1965 hinter bizarrem Gitterwerk, im Jahr zuvor schlagen die Flammen hinauf zum Himmel. Da wäre dann noch jenes kantige „Antikältebild“ von 1961, das in einem Standesamt hing, wo ein Paar es als Zumutung empfand, sich darunter das Jawort zu geben – drei packende Bilder in roher Manier (Penck konnte malen!), symbolisch in dramatischer Zeitgeschichte, da der junge Ralf Winkler noch nicht als A.R. Penck firmierte, wie er sich 1968 umtaufte, als er, auf Empfehlung von Georg Baselitz, im Westen bei der Galerie Michael Werner unterkam und eine Doppelexistenz über die Mauer hinweg zu führen begann. Materiell war er gut gestellt und ließ seine Umgebung daran teilhaben. Bis er schließlich 1980 von den Behörden vor die Wahl gestellt wurde: Ausreise oder Gefängnis.

          Seine künstlerischen Anfänge fächert jetzt das Albertinum in einer atmosphärisch dichten Schau mit zahlreichen weniger bekannten Arbeiten auf. Zu entdecken gilt es ein rastloses Multitalent, das ohne Unterlass malt, zeichnet, filmt, schreibt, jazzt, sich irgendwann auch mit heftigem Gerät an klobigen Holzklötzen zu schaffen macht (oder er übermalt, zu sehen in der Städtischen Galerie Dresden, unablässig kunsthistorische Abbildungen aus Publikationen). Weil er zu einem Studium nicht zugelassen worden war, blieb Penck die geschützte Berufsbezeichnung „Künstler“ verwehrt, weshalb er an der Volkshochschule den Kurs „Malen und Zeichnen“ bei dem Maler und Filmemacher Jürgen Böttcher alias Strawalde belegte.

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