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Ostern in den Künsten : Die Auferstehung bleibt ein intimes Geschehen

  • -Aktualisiert am

Ausschnitt der Predella vom Reformationsaltar in der Wittenberger Stadtkirche St. Marien von Lucas Cranach dem Aelteren (1472 - 1553). Bild: epd-bild/Jens Schlueter

Das große Wunder entzieht sich den Sinnen: In Kunst und Musik dominiert der Karfreitag den Ostersonntag. Warum ist das so?

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          Passion und Ostern finden in den Kirchen nicht nur zum Osterfest statt. Was die Evangelien von den letzten Lebenstagen Jesu erzählen, bestimmt auch den weiteren Jahreskreis christlichen Lebens: mit Abbildern des Gekreuzigten und seiner Leidensstationen, Schmerzensmännern und Vesperbildern, die sogar die frohe Botschaft der Auferstehung zurücktreten lassen. In der Musik ist das nicht anders. Auch wenn nun Kirchen und Säle leer bleiben müssen, werden mit Sicherheit viel mehr Passionen und Stabat-Mater-Vertonungen gehört als solche, die sich dem Mysterium der Auferstehung selbst zuwenden. Man kennt sie wenig.

          Aber warum eigentlich, wo sich doch dieses Fest in den ersten Frühlingswochen geradezu naturgegeben mit Gefühlen tiefen Durchatmens und Aufbrechens verbindet; wo im weltlichen Brauchtum Häschen hoppeln und bunt bemalte Eier versteckt werden? Da ist etwas wie ein Riss, den ein norddeutscher Pastor einmal in der Frage zusammenfasste, wieso eigentlich das Kreuz zum zentralen christlichen Symbol geworden sei – und nicht die Siegesfahne des Auferstandenen; womit er die Gestaltwerdung des Ostergeschehens in den Künsten meinte. In einer Kirche wie St. Nicolai in Kalkar, die noch ihre ins sechzehnte Jahrhundert reichende Ausstattung behalten hat, trifft man auf rund sechzig Darstellungen des Gekreuzigten und seiner Passion. Die Auferstehung dagegen findet sich, selbst wenn man noch die Himmelfahrtsbilder dazuzählt, keine zwanzigmal; wobei die Bilder der Erlösung regelmäßig nur in den Randzonen der Retabel erscheinen, die der Kreuzigung dagegen fast durchweg im Zentrum der Altäre oder als frei plazierte Einzelstücke, die alle Aufmerksamkeit konzentriert auf sich ziehen. Der Karfreitag dominiert den Ostersonntag.

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