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Kunstfund in München : Von Nazis geraubtes Aquarell bei Auktion wiederentdeckt

  • Aktualisiert am

Seit dem Nationalsozialismus verschollen und jetzt zurück in Halle: „Studie nach einem Baumstamm“ von Christian Rohlfs (links) und „Marienkirche Halle I“ von Lyonel Feininger. Bild: dpa

Ein Aquarell des Expressionisten Christian Rohlfs ist 1937 in Halle als „entartet“ beschlagnahmt worden. Jetzt ist es bei einer Auktion wieder aufgetaucht, wie schon zuvor eine Zeichnung Lyonel Feiningers. Beide sind zurück im Museum.

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          Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle erhält zwei seit dem Nationalsozialismus verschollene Werke zurück. Die Werke des Expressionisten Christian Rohlfs und des Grafikers Lyonel Feininger waren 1937 von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ beschlagnahmt worden, teilte die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt am Mittwoch mit. Das Museum sprach von einem „seltenen Glücksfall“, dass die Werke nun wieder in das Haus zurückkehrten. Rohlfs „Studie nach einem Baumstamm“ sei 1937 im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Städtischen Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Halle beschlagnahmt worden. Fachleute des Auktionshauses Ketterer Kunst in München hatten durch einen Originalstempel des Museums in Halle auf der Rückseite die Herkunft des Bildes entdeckt und es nicht wie geplant versteigert. Das Haus habe schließlich zwischen den Eigentümern und dem Museum vermittelt.

          Nach Einschätzung von Kunsthistorikern malte Rohlfs (1849-1938) das Aquarell um 1911 während seines Aufenthaltes in Bayern. 1914 erwarb das Museum in Halle die Studie mit drei weiteren Aquarellen, von denen zwei immer noch verschollen sind.

          Zwei Rohlfs-Aquarelle bleiben verschollen

          Nach der Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten erwarb laut Ketterer der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt die „Baumstamm“-Studie 1940 gegen Devisen von den Behörden. Anschließend habe sich die Spur des Werkes verloren. Es galt als verschollen. Die letzten Jahrzehnte sei das Aquarell Teil einer traditionsreichen Privatsammlung gewesen.  Zum Kaufpreis machte die Stiftung keine Angaben, das Auktionshaus sprach
          von einem „fairen Preis“, der das begrenzte Budget des Museums nicht erschöpft habe.

          Die Kohlezeichnung „Marienkirche Halle I“ von Lyonel Feininger (1871-1956) aus dem Jahr 1929 konnte schon am Samstag in Köln ersteigert werden und galt ebenfalls bis heute als verschollen. Damit sind den Angaben zufolge nun 17 von 147 geraubten Werken wieder im Besitz des Museums. Beide sind noch bis zum 12. Januar im Rahmen einer Bauhaus-Ausstellung im Museum zu besichtigen.

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