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Virtuelle Rundgänge : Was das digitale Museum nicht kann

Nach Meinung unseres Autors das beste digitale Angebot: Das Bode-Museum auf der Museumsinsel in Berlin Bild: dpa

In digitalen Präsentationen kommt sie oft zu kurz: Ein Museumsbesuch ist nicht nur Begegnung mit Kunstwerken, sondern auch Raumerfahrung, die am Computer so nicht erlebbar ist.

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          Dass wir die Museen, die wir nicht betreten dürfen, zu uns nach Hause holen können, ist ein beglückendes Versprechen. Sie sind ja alle noch da, und wir brauchen nicht mehr als ein Laptop oder Tablet, um sie in Augenschein zu nehmen. Aber mit dem Öffnen der musealen Online-Angebote beginnen auch schon die Zweideutigkeiten. Denn der digitale Raum ist ja eben keine Raumerfahrung, sondern deren technische Vorspiegelung, er ersetzt das Museumserlebnis, das aus Gehen und Stehen, aus Annähern, Innehalten, Zurückweichen und anderen spontanen Bewegungen des Besuchers besteht, durch ein Raster aus normierten Aktionen, aus Zooms, Schwenks, Info-Klicks und Sprüngen von Saal zu Saal. An die Stelle des eigenen Schauens tritt in der Netzwelt ein Roboterblick.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Was das bedeutet, kann man etwa in den digitalen Angeboten der Staatlichen Museen Berlin auf Google Arts and Culture sehen, wo neben einer „Audienz bei Nofretete“ auch ein 360-Grad-Rundgang durch das Alte Museum Schinkels mit seinen Sammlungen aus der griechischen und römischen Antike angeboten wird. Die Tour durch das Alte Museum folgt dem technisch einwandfreien Google-Standard. Doch beim Versuch, einzelne Objekte wie den „Betenden Knaben“ aus der Sammlung Friedrichs des Großen oder die „Verwundete Amazone“, eine römische Kopie des griechischen Originals aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, aus geringerer Distanz zu betrachten, stößt man auf Schwierigkeiten. Die Zoom-Bewegungen sind ruckhaft statt fließend, die Marmorformen der Amazone verschwimmen beim Näherkommen, und den „Betenden Knaben“ hat man beim Heranzoomen plötzlich hinter sich im virtuellen Nirgendwo. Auch der zweite Annäherungsversuch endet gefühlte zehn Meter vor der Bronzeskulptur aus der Werkstatt des Lysippos. Die virtuelle Darstellung erzwingt hier jenen Abstand, den sie doch gerade überwinden soll.

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