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Vincent van Gogh in Amsterdam : Das Glück, das aus der Tube kam

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Wie er wurde, was er ist: Eine großartige Ausstellung in Amsterdam schaut dem Maler Vincent van Gogh beim Arbeiten über die Schulter und räumt mit so mancher Legende auf.

          Die ewigen Gegner heißen noch immer Julius Meier-Graefe und Irving Stone. Ihre seit Jahrzehnten in hohen Auflagen verbreiteten Bücher haben ein so plastisches Bild des Malers und Menschen Vincent van Gogh ins allgemeine Bewusstsein getrieben, dass Generationen von Kunsthistorikern entweder lustvoll bei ihnen abgeschrieben haben oder mit dem Versuch gescheitert sind, den verkaufsfördernden Legenden die durchaus belegbare Wirklichkeit entgegen zu setzen. Ohne einander je begegnet zu sein, erfanden der Deutsche und der Amerikaner das eingängige Klischee vom einsamen Wolf der Moderne, der nie am Erfolg interessiert gewesen sei, allein für die Weiterentwicklung der Kunst in wildem und gedankenlosem Taumel malte, zu Lebzeiten nur ein einziges Bild verkaufte, unter der Sonne von Arles wahnsinnig wurde, sich schließlich erst ein Ohr abschnitt und dann das Leben nahm.

          Aus dem Menschen und Maler machten sie eine Marke, die sich fortan grandios vermarkten ließ. Dabei ist nichts von alldem wahr, die seriöse Forschung hat in den vergangenen drei Jahrzehnten jede dieser Legenden widerlegt. Und doch hält sich bis heute das kitschig-pathetische Van-Gogh-Bild, wie es Meier-Graefe in seiner Monographie 1910 zum ersten Mal zeichnete und Stone später mit Hilfe von Vincente Minelli, Kirk Douglas und Anthony Quinn für Hollywood popularisierte.

          Eine aufklärende Ausstellung

          Fast genau ein Jahrhundert später hat ein Team von Wissenschaftlern im Van Gogh Museum in Amsterdam mit einem letzten Versuch begonnen, den Legenden die klassischen Instrumente der Aufklärung entgegenzusetzen: naturwissenschaftliche Forschung und deren rationale Interpretation. Acht Jahre lang untersuchte man interdisziplinär, was die moderne Kunstwissenschaft „Studio Practice“ nennt: Van Goghs Arbeitsweisen sollten analysiert, seine Werke naturwissenschaftlich überprüft und, wo nötig und möglich, auch kunsthistorisch neu gedeutet werden. Es ging um nicht weniger als das Bemühen, aus dem Mythos van Gogh wieder jenen Menschen werden zu lassen, den die seriöse Forschung schon seit langem kennt: einen reflektierten Künstler, der in der Kunsthauptstadt Paris die Avantgarde seiner Zeit kennen- und schätzen gelernt und sich mit einer Reihe dieser Kollegen angefreundet hatte. Einen selbstkritischen Experimentator, der mit seinem erfolgreichen Kunsthändler-Bruder in beinahe täglichem Austausch stand.

          Präsentiert werden sollten die Ergebnisse, das stand schon zu Beginn des Forschungsprojektes fest, nicht schon wieder in Form eines Buches sondern in einer Ausstellung mit dem Titel „Van Gogh at Work“. Man wollte die Massen erreichen, nicht nur ein Fachpublikum. Dieser durchaus gelungene Versuch nimmt nun im während mehrmonatiger Schließung renovierten Rietveld-Kubus, zwischen Rijksmuseum und Stedelijk Museum an der Museumplein gelegen, alle drei Etagen des Gebäudes in Beschlag.

          Das Triptychon aus dem „Gelben Haus“

          Wie zuvor sind dort all jene Meisterwerke zu sehen, für die jährlich anderthalb Millionen Besucher nach Amsterdam pilgern: die frühen „Kartoffelesser“ und die dunkle Bauernhütten aus Nuenen, die in Ermangelung teurer Modelle zahlreichen Blumenstillleben und Selbstbildnisse aus Paris, das „Schlafzimmer“ und das „Gelbe Haus aus Arles“, die Sonnenblumen, die Bilder aus der Nervenheilanstalt in Saint-Rémy und die großformatigen Landschaftspanoramen aus Auvers bei Paris, wo sich van Gogh 1890 im Alter von 37 Jahren eine Kugel in den Bauch schoss.

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