https://www.faz.net/-gqz-14qv5

Victoria and Albert Museum : Das strahlende Licht der Erkenntnis

  • -Aktualisiert am

Früher litten Mittelalter und Renaissance an den düsteren Räumen des Victoria und Albert Museums in London. Sieben Jahre Sanierung stellen sie nun ins Helle - und machen Schluss mit der Vorstellung vom Mittelalter als den „dunklen Jahrhunderten“.

          Ein Gewühl von Menschen und grässlichen Kreaturen schlingt sich am Schaft des Gloucester Altarleuchters empor. Wild entschlossen nach oben zu gelangen, in die Nähe des den Heiland verkörpernden Lichtes, wehren die Seelen die Fänge des Bösen ab, die sich um sie wickeln und sie abwärts ins Höllenfeuer zerren wollen. Das um 1104 datierte Meisterwerk der Goldschmiedekunst gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Schätzen des Victoria and Albert Museum in London. In gewisser Hinsicht symbolisiert es die rund dreißig Millionen Pfund teure Erneuerung der Galerien mit der Kunst des Mittelalters und der Renaissance, die jetzt nach siebenjähriger Arbeit glanzvoll zu Ende gebracht wurde. Ähnlich den hochklimmenden Figuren schrien früher die Exponate nach Licht und buhlten in dämmerigen Räumen oft vergeblich um Aufmerksamkeit. Nun sind sie von den Fesseln der Dunkelheit befreit durch eine radikale Umgestaltung des 1909 von Aston Webb erbauten Ostflügels des Museums.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Ausstattung spiegelt das grundliegende Bestreben, endlich Schluss zu machen mit der Vorstellung vom Mittelalter als den „dunklen Jahrhunderten“, die sich als Verfallszeit zwischen dem Niedergang des Römischen Reiches und dem Aufblühen der Renaissance erstreckten. In den neuen Galerien des Museums für angewandte Kunst werden trotz des weitgehend chronologischen Arrangements die Grenzen zwischen Mittelalter und Renaissance bewußt verwischt, so wie sich die museale Inszenierung auch über geographische Trennlinien hinwegsetzt, ganz im Sinne der aktuellen Tendenz, statt des Partikularen eher die Parallelen und Überschneidungen zwischen Epochen, Ländern und Kulturen zu veranschaulichen.

          Viertausendstündige Konservierungsarbeit

          Deswegen durchziehen Themen und Stichwörter wie „Hersteller und Märkte“, „Nutzer und Zusammenhänge“, und „Kontinuität und Wandel“ leitmotivisch das Display und betten die Exponate in einen künstlerischen, religiösen und gesellschaftlichen Kontext ein. Insbesondere wird auf den stetigen Einfluss der Antike hingewiesen und auf den Versuch späterer Epochen, sich durch Rückgriffe auf frühere Motive und Stilarten zu legitimieren, wie es zum Beispiel der gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gewebte, an Antike und ritterliche Romantik anknüpfende Wandteppich mit der Ankunft der Königin Penthiselea in Troja zeigt. Die südniederländische Tapisserie ist nach viertausendstündiger Konservierungsarbeit zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder ausgestellt.

          Überhaupt hat das Museum den Anlass genutzt, um Objekte zu restaurieren und zu erforschen. Dazu gehören der sogenannte „Apokalypsenaltar“ des Meisters Bertram, dessen Farbenpracht nach der Entfernung von Übermalungen des neunzehnten Jahrhunderts überrascht, sowie das romanische Kreuzkuppelreliquiar, bislang bekannt als „Eltenberg-Schrein“. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Kunstgewerbemuseum zerlegt, förderte er neue Erkennisse, die das Verständis dieses Tabernakels von Grund auf verändern: Eine im Innern versteckte Notiz belegt, dass das aus Elfenbein und Metall gefertigte Reliquiar für ein benediktinisches Kloster in Köln bestimmt war.

          Weitere Themen

          Posieren reicht nicht

          TV-Kritik: Sommerinterviews : Posieren reicht nicht

          Christian Lindner und Robert Habeck treten in ARD und ZDF gegen einander an, ohne den jeweils anderen zu erwähnen. Der FDP-Chef trifft auf eine desinteressierte Fragestellerin. Habeck antwortet auf Vorwürfe schlitzohrig.

          Topmeldungen

          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Amerika

          Handelsstreit : SPD: Altmaier knickt vor Trump ein

          Der Bundeswirtschaftsminister bietet den Amerikanern eine Abschaffung der EU-Industriezölle an. Die SPD sieht darin ein Zeichen der Schwäche: „Trump versteht nur eine harte Sprache der EU.“
          FDP-Chef Christian Lindner im ARD-Interview

          TV-Kritik: Sommerinterviews : Posieren reicht nicht

          Christian Lindner und Robert Habeck treten in ARD und ZDF gegen einander an, ohne den jeweils anderen zu erwähnen. Der FDP-Chef trifft auf eine desinteressierte Fragestellerin. Habeck antwortet auf Vorwürfe schlitzohrig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.