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Mit 84 Jahren gestorben : Verhüllungskünstler Christo ist tot

  • Aktualisiert am

Der Verhüllungskünstler Christo im Jahr 2019 Bild: dpa

In Deutschland hat Christo die Verhüllung des Reichstags vor 25 Jahren ewigen Ruhm gebracht. Weltweit faszinierte die Schönheit seiner in abstrakte Objekte verwandelten Gebäude und Landschaften Millionen. Nun ist er gestorben.

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          Der Aktionskünstler Christo ist in New York im Alter von 84 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Christo lebte in vollen Zügen“, teilten seine Mitarbeiter mit. „Er träumte nicht nur von
          Dingen, die unmöglich schienen, sondern verwirklichte sie auch.“ Mit monumentalen Installationen hat Christo der Welt einen neuen Anstrich gegeben – als nächstes wollte der Künstler den Arc de Triomphe in Paris verhüllen. Nach Angaben seines Büros soll dieses Vorhaben wie geplant von September bis Oktober dieses Jahres stattfinden.

          Das Pariser Wahrzeichen soll unter speziell beschichteten blausilbrigen, wiederverwertbaren Stoffbahnen verschwinden. Das Centre Pompidou will zudem eine Ausstellung über die Pariser Zeit des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude zeigen, die sich bereits mit der Verhüllung der berühmten Pont Neuf 1985 in der französischen Hauptstadt verewigten.

          Die Schönheit seiner in abstrakte Objekte verwandelten Gebäude und Landschaften faszinierte Millionen: Zuletzt hatte der bulgarisch-amerikanische Künstler 2016 mit seinem Mammutprojekt „Floating Piers" in Italien für einen wahren Besucheransturm auf den lombardischen Iseosee gesorgt. Mehr als 1,2 Millionen Menschen wandelten in 16 Tagen auf schwimmenden, leuchtend orangefarbenen Stegen über den See.

          Eine Attraktion, die wegen der Besuchermassen kurzzeitig zum Desaster zu werden drohte: Christos „Floating Piers“ auf dem  Iseosee

          Der damals 81 Jahre alte Christo und sein Team verlegten aus 220.000 Schwimmwürfeln drei Kilometer lange Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola und von dort aus zu dem kleineren Eiland San Paolo und bespannten sie mit einem leuchtend gelben Nylonstoff. Für Touristen war die Installation eine so große Attraktion, dass auch die Orte in der Nachbarschaft dem unerwarteten Ansturm nicht gewachsen sind. Unter dem Druck der Massen mussten Bahn- und Fährlinien mehrmals unterbrochen werden.

          Die Verhüllung des Berliner Reichstags in Berlin im Jahr 1995 war eine von Christos spektakulärsten Kunstaktionen. Sie lockte damals rund fünf Millionen Besucher in die Hauptstadt. Zu den berühmtesten seiner weltweit realisierten Projekte zählten daneben die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park („The Gates“) und die verpackte Pont Neuf in Paris. Eine tiefere Bedeutung maß Christo seinen Arbeiten nicht zu, wie er 2014 sagte. „Es ist total irrational und sinnlos.“

          Christo, Jeanne-Claude und ein Modell eines ihrer bekanntesten Werke: der verhüllte Berliner Reichstag

          Die teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbaren Installationen, etwa der „Valley Curtain“ in Colorado oder gelben und blauen Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien („The Umbrellas“), entstanden zumeist im Team mit seiner Frau Jeanne-Claude. Seit den 90er Jahren traten sie stets als Duo auf und kämpften von ersten Plänen bis zur Realisierung eines Projekts teils mehrere Jahrzehnte.

          „Jeanne-Claude und ich, wir machen diese Dinge für uns selbst“, gab der Künstler zu verstehen. „Wenn es jemand mag, ist es nur ein Bonus. Wir machen Dinge, die uns visuell gefallen.“ Der Weg sei dabei das Ziel: „Diese Projekte bringen uns an Orte, die so viel reicher sind als die Kunstwelt oder die Galerie oder das Museum. Wir können mit vielen verschiedenen Menschen arbeiten. Es ist ein Abenteuer und sehr aufregend und töricht.“

          Christo wurde am 13. Juni 1935 in Bulgarien geboren. Nach Studien in Sofia und Wien zog er nach Paris, wo er seine Ehefrau kennenlernte. Sie starb 2009 in New York.

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