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Velázquez-Austellung in Wien : Die Unschärfe in ihrem Blick

Das Kunsthistorische Museum in Wien zeigt das Werk des spanischen Malers Diego Rodriguez de Silva y Velázquez in einer Ausstellung, wie es sie so noch nicht gab. Worin genau liegt die Magie seiner Bilder?

          Was Wien jetzt auffährt, ist in dieser Zusammenschau von Gemälden des Diego Rodríguez de Silva y Velázquez bisher ungesehen - in einer Ausstellung jedenfalls. Der wahre Tempel des spanischen Meisters, der 1599 in Sevilla geboren und mit vierundzwanzig Jahren zum Hofmaler des spanischen Königs Philipp IV. berufen wurde, ist natürlich der Prado in Madrid. Dort befinden sich mehr als vierzig Prozent seines gesicherten OEuvres. Wien, wohin der Prado nun einige seiner Schätze ausgeliehen hat, ist prädestiniert für eine solche Schau: Birgt doch das Kunsthistorische Museum allein zwölf Bilder des Velázquez, die vom spanischen Zweig der Habsburger zur Blutsverwandtschaft in Österreich geschickt wurden, um die fatale Heiratspolitik des Herrscherhauses in den Zeiten seines Niedergangs durch Porträts der jugendlichen Verwandten zu stützen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Nein, Velázquez’ berühmtestes, bis heute meistdiskutiertes Werk, „Las Meninas“ - die Darstellung der Hoffräulein samt weiterer Personnage, einschließlich des Malers mit Palette und Pinsel und einem Brustbild des Königspaars in einem Spiegel -, in deren Mitte die grade fünf Jahre alte Infantin Margarita steht, hat den Prado nicht verlassen können, schon wegen der ohnehin immensen Versicherungssummen, das verschweigt der Katalog nicht. So sind die „Meninas“ in einer mehr als drei mal knapp drei Meter großen, maßstabsgetreuen Reproduktion vertreten im Herzstück der Ausstellung, einer veritablen Habsburger-Galerie, in der sich dynastischer und politischer Machtwille ebenso spiegelt wie innerliche und äußere Schärfe und seelische Deformation.

          „Maler der Maler“

          Es war erst das neunzehnte Jahrhundert, das Velázquez, der in seiner Lebenszeit außerordentlich erfolgreich war, wieder zum Heroen erhebt. Edouard Manet hat ihn, oft zitiert, als den „Maler der Maler“ bezeichnet. Das macht Velázquez nicht nur zum artists’ artist, zum Künstler, den Künstler bewundern, sondern bald darauf auch zu einem Star seiner Epoche in Spanien, neben Zurbarán, Ribera oder Murillo, wenn nicht zu ihrem Superstar. Was also ist zu begreifen von diesem Genie aus der Ferne? Was zu verstehen über einen, der die bildnerischen Attitüden des Barocks so kühl und mutig durchbricht?

          Velázquez war ein Frühbegabter. Sein Talent wird in seiner Heimatstadt gefördert, er geht in die Lehre bei Francisco Pacheco, dessen Verbindungen ihm auch den Weg nach Madrid ebnen; mit Pachecos Tochter, die er 1618 heiratet, geht er 1622 nach Madrid. Dort hat im Jahr zuvor der sechzehnjährige Philipp IV. den Thron bestiegen. Was kann diesen jungen König, der zudem Regent von Neapel, Sizilien, Sardinien und Portugal ist, veranlasst haben, derartige, grenzwertig veristische Bildnisse von sich selbst und seinesgleichen nicht nur zu akzeptieren, sondern zu fördern und fordern? Auf denen sich - ohne all das schmückende, auf den hohen Rang verweisende zeittypische Beiwerk - ein Antlitz, ein ganzer Charakter so stark ausprägt?

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