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Urteil im Achenbach-Prozess : Er verwandelte Dollar in Euro

  • -Aktualisiert am

Der Kunstberater Helge Achenbach ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Betrug in achtzehn Fällen hält ihm das Landgericht Essen vor. Der finanzielle Umfang der kriminellen Geschäfte mit der Kunst ist gewaltig.

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          Es ist das Ende einer schillernden Karriere. Seit Juni 2014 sitzt der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach in Untersuchungshaft. Nun hat ihn das Landgericht Essen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Damit verhängten die Richter eine auffällig lange Haftstrafe. Die Anklage hatte sieben Jahre gefordert, die Verteidigung plädierte für ein weitaus geringeres Strafmaß. Das Landgericht Essen sprach Achenbach an diesem Montag unter anderem des Betrugs in achtzehn Fällen schuldig. Achenbachs ehemaliger Geschäftspartner Stefan H. erhielt eine Bewährungsstrafe.

          Rechnungen am Kopierer gefälscht

          Der zweiundsechzigjährige Achenbach hatte im Prozess gestanden, den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sowie den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer betrogen zu haben. Bei Verkäufen an seine Kunden nahm er verdeckte Preisaufschläge vor und fälschte dafür Rechnungen. Mithilfe eines Kopierers etwa änderte er die Währungen, die auf den Rechnungen angegeben waren, und verwandelte Dollar in Euro. An Albrecht hatte Achenbach sowohl Oldtimer als auch Kunstwerke verkauft, an Boehringer ausschließlich Kunst.

          Ende Januar hatte das Landgericht Düsseldorf den ehemaligen Kunstberater in einem Zivilprozess zu einem Schadensersatz in Höhe von 19,4 Millionen Euro an die Erben Albrechts verurteilt. Seine Anwälte haben jedoch Berufung eingelegt. Achenbach bestreitet, Albrecht beim Verkauf von Autos betrogen zu haben.

          Gute Kontakte zu den Museen

          Aufsehen erregte der Fall nicht nur wegen der Betrugsvorwürfe. Durch die Zeugenaussagen im Prozess wurden zugleich die guten Kontakte des Kunsthändlers in die Museumswelt bekannt. Seine Kunstsammlung soll demnächst versteigert werden. Im Prozess legte Achenbach nicht nur ein Geständnis ab, sondern zeigte auch Reue. Er entschuldigte sich bei den Geschädigten.

          Die Zeiten, in denen Betrug im Kunstbetrieb als Kavaliersdelikt gilt, könnten vorbei sein. Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs war 2011 Wolfgang Beltracchi ebenfalls zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Nach Schätzungen liegt Beltracchis Betrugsgewinn weitaus höher als der Achenbachs. Der Fälscher erfreut sich zudem einer großzügigen Freigangsregelung. Achenbach trifft nun das Urteil mit voller Wucht.

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