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UFA-Ausstellung in Berlin : Große Blüten, kleine Blüten

Und alle machen mit: Zarah Leander als Hanna Holberg und Viktor Staal als Oberleutnant Paul Wendlandt im NS-Propaganda-Spielfilm der UFA „Die große Liebe“ von Rolf Hansen. Bild: Deutsches Filminstitut

Die Deutsche Kinemathek in Berlin bebildert die Geschichte der Ufa, ist dabei aber blind für die doppelgesichtigen Hintergründe des Unternehmens.

          2 Min.

          Die Ufa ist ein Mythos, und sie ist eine Firma. Der Mythos ist ein Produkt der Filme, die zwischen 1920 und 1945 unter dem Ufa-Logo entstanden; die Firma ist ein Produkt der deutschen Politik- und Wirtschaftsgeschichte, ein Spielball von Interessen, Machtverhältnissen, Krisen, Manipulationen. Sie florierte und fallierte, sanierte und arisierte sich, expandierte, wurde konfisziert, zerschlagen und wiederbelebt. Der Mythos dagegen wuchs immer weiter, weil er nicht der realen Geschichte angehört, sondern der Geschichte des Bewusstseins, dem kollektiven Gedächtnis. Er wird verblassen, irgendwann, wie die Erinnerung an das Kino überhaupt. Aber bis dahin vergeht noch viel Zeit.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Es ist der Unwille, über diese Doppelgesichtigkeit industrieller Bilderproduktion nachzudenken, der die Ufa-Ausstellung in der Deutschen Kinemathek Berlin so halbherzig macht. Die Kinemathek stellt die Filme der von Ludendorff angezettelten, von Hugenberg übernommenen und von Goebbels gleichgeschalteten Universum Film AG umstandslos den Fernsehserien und TV-Movies der Bertelsmann-Ufa gegenüber, als wäre die eine die Fortsetzung der anderen. Sie lässt die Stars des klassischen deutschen Tonkinos, Hans Albers, Heinz Rühmann, Brigitte Horney, Lilian Harvey, Zarah Leander, in Ausschnitten Revue passieren, ohne ihrer Verstrickung und Instrumentalisierung im Nationalsozialismus zu gedenken, und feiert die Darsteller der neueren Fernsehformate, als wären sie an Statur und Bedeutung ihren Vorbildern ebenbürtig.

          Kaiserliches Bad: Szene aus die „Die schöne Wilhelmine“ mit Rainer Hunold als Kronprinz Friedrich Wilhelm II. und Anja Kruse als Wilhelmine Enke, ZDF 1984, Regie Rolf von Sydow. Bilderstrecke
          Bilder einer Ausstellung : Die Ufa. Geschichte einer Marke.

          Und sie versteckt die eigentliche Unternehmensgeschichte der Ufa in einem großzügig bebilderten Katalog, so als sei dem Publikum das Erlebnis der Entzauberung, das zu jeder gelungenen Ausstellung über die Filmindustrie gehört, diesmal nicht zuzumuten.

          Das Jubiläum der Gründung des Kinokonzerns im Dezember 1917 hätte die Gelegenheit geboten, die Unternehmensgeschichte der Ufa unter dem Lametta ihrer filmischen Hinterlassenschaft hervorzuholen. Stattdessen haben die Kuratoren die Dauerausstellung mit zusätzlichen Dokumenten bestückt und eine dreiteilige Sonderschau im Taschenformat eingerichtet. Diese Verzettelung wird weder dem Ernst noch dem Reichtum des Themas gerecht.

          Die politische Tragödie der Ufa kommt in der Dauerausstellung nur in Bruchstücken zum Vorschein, während der Glanz ihres Erbes in der Enge der Sonderschau verzischt. Deren zweite Sektion – die dritte widmet sich den Experimenten der heutigen Ufa mit interaktiven Erzählformen – bietet als Mediathek immerhin einen Einblick in die frühe Fernsehgeschichte der Bundesrepublik. Hier erfährt man mit Erstaunen, dass sich die wiedererstandene Ufa schon 1967 in einer Eigenproduktion („Januskopf des deutschen Films“) mit ihrer Vorgängerin beschäftigt hat. Umso bedauerlicher, dass die Kinemathek diese Erkenntnisarbeit nicht fortsetzt.

          Ein Exponat ragt aus der kargen Fülle der Monitore, Jahreskataloge, Köpfe und Kostüme heraus. Es ist, ausgerechnet, der Morgenmantel von Lola Lola alias Marlene Dietrich. Er ist knallrot, tiefblau, schreiend gelb und orange gefärbt, eine Explosion von großen und kleinen Blüten. Und auf einmal merkt man, wie sich die Erinnerung an den „Blauen Engel“ mit diesen Farben tränkt, wie sich die schwarzweißen Bilder mit ihnen vollsaugen. So ähnlich fühlt es sich an, wenn man erfährt, unter welchen Umständen, in welchen historischen Gemengelagen die Filme, die man liebt, entstanden sind. Die Ausstellung hätte diesen Effekt, in dem sich der Schock und das Glück des Erkennens mischen, zigfach wiederholen können. Sie hat ihre Chance verpasst.

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