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13. Triennale Kleinplastik : Kunst wie Wurst

  • -Aktualisiert am

Harz-Zwiebeln und Bronze-Mangos: Bei der Triennale Kleinplastik in Fellbach kämpfen internationale Künstler gegen die Vergänglichkeit des Essens an.

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          Wenn die Legende stimmt, kam Gordon Matta-Clark die Idee zu seinen berühmten Hauszerschneidungen beim Kochen. Das 1972 von ihm mitgegründete Restaurant „Food“ war Treffpunkt der Künstlerszene von SoHo, modellhafte Alternative zur Lebensmittelindustrie und zugleich eine andauernde Performance. Als eine Wand entfernt werden musste, schnitt Matta-Clark ein Stück davon aus und erklärte es zur Skulptur.

          Robert Franks Filmaufnahmen aus dem Alltag im Food begrüßen den Besucher der 13. Triennale Kleinplastik in Fellbachs Alter Kelter und führen mitten hinein in die gesellschaftlichen Dimensionen von Kunst und Nahrungsaufnahme. Unter dem Titel „FOOD - Ökologien des Alltags“ beschäftigen sich hier mehr als vierzig internationale Künstler mit sozialen, politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten des Essens. Neben Matta-Clark und Paul Thek bildet Félix González-Torres mit seiner legendären Aufschüttung von Bonbons im Gewicht seines verstorbenen Geliebten einen historischen Referenzpunkt für eine ganze Reihe jüngerer Künstler, die in neueren Debatten um Materialität stehen.

          Häppchen im White Cube

          Im globalisierten Ausstellungsbetrieb, der zugleich die Aufmerksamkeit in den Zentren bündelt, wird eine feine, lokal eingebundene Triennale wie diese leicht übersehen. Dabei hat sie seit ihrer Gründung im Jahr 1980 durchaus prominente Kuratoren vorzuweisen wie Heinz Fuchs, Jean-Christophe Ammann und zuletzt Yilmaz Dziewior. Die aktuelle Ausgabe wurde von Susanne Gaensheimer, Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, zusammen mit der MMK-Kuratorin Anna Goetz gestaltet. Die Alte Kelter atmet die Atmosphäre einer Weinprobe, und tatsächlich lädt manche künstlerische Arbeit zum Probieren von Schnäpsen, Suppen und Bonbons. Doch ist das rustikale Ambiente gebrochen durch ein großes weißes Zelt, das vom Berliner Büro Kuehn Malvezzi als Ausstellungsarchitektur in die Halle gestellt worden ist – die einzige Struktur für die Werke, die sich im und um das Zelt verteilen, ohne thematische Sortierung und ohne Angaben zu Kontext oder Material. Man konsumiert die Kunst wie eine Wurst: am Stück und, ohne zu wissen, was drin ist.

          Att Poomtangon kehrt dagegen das Innen nach Außen: Für die im Rahmen der Triennale mit dem Ludwig Gries-Preis gewürdigte Arbeit „Nouvelle Cuisine Fast Food“ schichtete er verschiedene Zutaten in durchsichtigem Kunstharz übereinander. Aus dem Harz formte er eine Zwiebel, die er auf schwäbischen Holzstämmen präsentiert. So stellt er lokale Transparenz gegen global genormte Zusatzstoffe.

          Die Arbeit der anderen

          Angesichts der Vergänglichkeit von Essen überrascht die Allgegenwart von Bronze. Sie scheint in Fellbach das Material der Wahl – jedenfalls für Simon Fujiwara, Subodh Gupta, Andrea Büttner, Alicja Kwade und Abbas Akhavan. Letzterer erinnert mit der Arbeit „Study for a Monument“ an die Folgen des Irak-Kriegs. Abgüsse von ausgerotteten Pflanzenarten liegen in Übergröße auf weißen Stoffen, die aussehen wie Totentücher. Subodh Gupta zeigt dagegen in „Season“ ein Dutzend täuschend echter Bronze-Mangos auf einem Nähtisch aus dem 19. Jahrhundert. Die Arbeit erinnert an die Kolonialgeschichte Indiens und deren gegenwärtige Fortsetzung in den Arbeitsbedingungen der Textilindustrie.

          Ein implizites Hauptthema dieser Ausstellung ist passenderweise das Outsourcing: Andrea Büttner lässt eine Nonne ihren Alltag im Kloster filmen, Björn Braun Zebrafinken seine ausgestellten Nester bauen und Tue Greenfort hat seine Quallenskulptur bei Glasbläsern bestellt. Mit Essen hat das nicht immer etwas zu tun. Aber durchaus mit einem lustvoll betriebenen Zweifeln an den Grenzen zwischen Tier und Mensch und zwischen belebter und unbelebter Materie. Simon Fujiwara macht einen Mülltrennungseimer aus Bronze zum absurden Protagonisten. Petrit Halilaj zeigt Tiere aus Erde und Dung. Und Laure Prouvost lässt auf handbemalten Tafeln Pflanzen von deren Befindlichkeiten parlieren. Wohl bekomm’s.

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