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Schering Kunstpreis 2018 : Transformation und Körper

  • -Aktualisiert am

Ein Kuss als performative Praxis: Installation „Kissing Hour“ von 1996. Bild: KW Berlin

Die Berliner „Kunstwerke“ zeigen die slowakische Performerin Anna Daučíková. Auf vielschichtige Weise setzt sie sich mit der Frage auseinander, was es bedeutet transsexuell in Osteuropa zu sein.

          Über dreihundert transsexuelle Menschen wurden nach Angaben des Verbandes Transgender Europe im Jahr 2018 umgebracht. Die Zahl der Gewalttaten hat sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. Welche Position nehmen Transgender-Künstler dazu ein? Was bedeutet es in solchen Zeiten Feministin zu sein? Welche Implikationen hat das auf das eigene Dasein? Diese Fragen, die von Aktivisten gerade in vielen zentral- und osteuropäischen Staaten aufgrund immer noch existierender Homophobie täglich neu ausdefiniert werden müssen, stellt sich die slowakische Künstlerin Anna Daučíková.

          Sie thematisiert die Schwierigkeiten, die durch eine Lebensweise abseits der gesellschaftlichen Norm und unabhängig von tradierten Moralvorstellungen in den Transformationsgesellschaften des Ostens entstehen. Die Künstlerin, die selbst jede Geschlechtszuordnung vermeidet, macht in ihren Arbeiten deutlich, wie die Selbstfindung für queer Menschen in Staaten abläuft, die selbst noch auf der Suche nach ihrer gesellschaftlichen Identität sind. Ihren Arbeiten widmet sich nun eine Einzelausstellung in den Kunstwerken Berlin, die im Rahmen des diesjährigen Kunstpreises der Schering-Stiftung stattfindet.

          Der Körper als ein im Umbau befindliches Objekt: Anna Daučíkovás Performance „Upbringing by Exercise“ aus dem Jahr 1996. Bilderstrecke

          Bis zum 18. August liefert diese Einblick in das Œuvre der Künstlerin, das, so die Begründung der Preisjury, „auf innovative Weise Überlegungen zur Rolle und Bedeutung der gestalterischen Moderne in der osteuropäischen Gesellschaft mit Identitätsfragen verbinde“. Anna Daučíková wurde 1959 in Bratislava geboren und ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Künstlerinnen der Slowakei. Als eine der zentralen Figuren der feministischen Bewegung der Hauptstadt Bratislava gründete sie die bis heute tonangebende queerefeministische Zeitschrift „Aspekt“ mit und setzte sich in zahlreichen Bewegungen für die Akzeptanz Transsexueller ein. Im Jahr 2017 wurden ihre Werke erstmals auf der Documenta 14 einem internationalen Publikum vorgestellt. Ihre Installation „On Allomorphing“, die auch in Berlin gezeigt wird, blieb allerdings im hektischen Kasseler Kunstbetrieb von Kritik und Publikum weitgehend unbeachtet.

          Die eigene Körperlichkeit als „Dazwischensein“

          Anders als viele andere Künstler des Ostblocks, die ihr Schaffen an der Moderne des Westens ausrichteten, orientierte sich die Slowakin gen Osten und zog 1978, zu Beginn der transformativen Gorbatschow-Jahre, nach Moskau, der Liebe wegen. Moskau und seine Untergrund-Lesbenszene wird zum Inspirationspunkt und zum Raum ihrer eigenen Selbstdefinierung. Die Slowakin, die an der Akademie für Kunst und Design bei Václav Cigler Glasdesign studiert hat, arbeitete dort als Glasbläserin und schuf in dieser Zeit konzeptuelle Werke und Objekte, die das Material Glas als transformativen Werkstoff ins Verhältnis zu ihren queer Reflexionen setzen.

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